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"Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt."
Gotthold Ephraim Lessing

 

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Tagebuch
...:: Situationen aus dem Leben ::...
Natürlich werde ich hier kein wirkliches "Tagebuch" führen... das wäre zu intim und auch nicht relevant. Geschweige denn fair meinen Freunden und Verwandten gegenüber.

Aber einige "typische" Momente aus einem ADS - Leben sollen hier ihren Platz finden, die zeigen wie sich ein ADS'ler fühlen kann... Welch ein Gefühlschaos in ihren Köpfen entsteht. Und vielleicht mag ja der eine oder andere von euch sagen wie er reagiert hätte:


Situation Eins
Freunde sind für eine Woche zu Besuch, es wird bis spät abends geredet und gelacht. Das eine oder andere Glas zerbricht, man vergisst für Minuten, dass es für andere schon Schlafenszeit ist. Prompt am nächsten Tag ein Schmierzettel an meiner Tür mit völlig unordentlicher Schrift und in fehlerhaften Deutsch: "Hallo Nachbarin! Wenn heute Abend wieder nach 22 Uhr laute Musik oder ähnliches ist, bin ich gezwungen mich beim Ordnungsamt und beim Vermieter zu beschwären."

Schreck! Sofort ein dicker Kloß im Hals... Schnell wieder in die Wohnung zurück, bloß nicht dem Nachbarn unter die Augen geraten. Durch meinen Kopf schießt ein Gedanke nach dem anderen: "Natürlich hat die Nachbarin recht, wir waren zu laut.." .. schlechtes Gewissen, Scham... "Aber sie hat am frühen Sonntag Morgen ihr Kind vor meiner Haustür rumschreien lassen, hab mich auch gestört gefühlt.." "Ihre Katze läuft immer in die Wohnung, wache von ihrem nächtlichen Streitgebrüll auf." Wut flammt auf. Ich setze mich an den PC. Beginne ein Antwortbrief zu formulieren, brauche etwa 30 Minuten um die richtigen Worte für 8 Zeilen zu finden, nicht zu böse zu klingen. Kein weiteren Ärger riskieren. Entschuldige mich, bitte sie im Gegenzug für mehr Ruhe ihrerseits. Lese den Brief 20-mal durch, korrigiere. Springe auf und laufe im Kreis. Knabbere unbewusst an meinen Nägeln, versuche meinem Besuch ein nettes Wort zu entlocken. Kämpfe gegen hoch steigende Tränen an. Lese zum hundertsten Mal den Zettel meiner Nachbarin, verliere mich in Gedanken über ihre Schrift... "Ob sie ungebildet ist? Schreibt beschweren mit ä... hat doch zwei Kinder... Arbeitet sie überhaupt? Ist sie nicht in meinem Alter... mit 23 zwei Kinder... da ist man gereizter.. waren ja wirklich zu laut.. Muss sie mich dafür so angreifen? Droht mir richtig. Warum sind nur alle heute mal wieder gegen mich? Mein Date hat sich auch nicht gemeldet, sicher mag er mich gar nicht wirklich. Gestern ist auch alles schief gegangen,... hab wieder mal geweint. Meine Freunde kommen her, besuchen mich, ich weine.." verliere mich in Gedanken über meinen Liebeskummer. Bauchweh! " Ist überhaupt Post gekommen?" Ich springe auf, renne zum Briefkasten. Im Treppenhaus begegnet mir ein Nachbar... begrüßt mich nicht, guckt abwesend... "Sicher hat er schon gehört, dass ich zu laut war und will mich nicht begrüßen. Sollte hier ausziehen, gefällt mir nicht mehr. Hab's mir gleich wieder mit allen versaut." Vergesse die Post, lauf wieder in meine Wohnung zurück, kämpfe an dem Kloß im Hals der immer dicker wird. Werfe ein Blick in den Spiegel... "Puh, dicker Bauch. Kein Wunder, dass mein Date nicht anruft" Nehme den Brief für meine Nachbarin in die Hand, lese ihn noch mal, schmeiß ihn weg. "Werde mich beschweren, wenn sie das nächste Mal zu laut sind..."
 
Situation Zwei
An manchen Tagen ist der Schmerz in mir so stark, dass ich es nicht ertragen kann. Ich versuche irgendwie meine Gefühle raus lassen zu können, suche direkt nach Fehlern in meinem Leben, bringe Menschen dazu mir weh zu tun. Suche negative Stimulation, steigere mich- mehr unbewusst als bewusst – in meinen Kummer rein, nur damit irgendwann der Kloß in meinem Hals bricht, ich in Tränen ausbrechen und ich meine Trauer dann in Wut und Energie umwandeln kann.

Das schlimmste Gefühl ist für mich, meine Freunde zu belasten. In wunderschönen – lang geplanten oder auch spontanen- Situationen bricht in mir das ADS aus, ich werde – meist ohne tatsächlichen Grund – traurig. Meine engsten Freunde versuchen geduldig zu bleiben, aber es belastet jede Freundschaft.
 
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