Unverständnis der Angehörigen

      Unverständnis der Angehörigen

      Ich weiss nicht, ob dieses Thema hierhin gehört, aber ich schreibs einfach mal.

      Kennt jemand von euch das Unverständnis der Angehörigen nach der Diagnose?
      Aussagen wie "Vergesslichkeit, das hat jeder mal, das ist keine Behinderung" oder "ADHS ist nur eine Ausrede für deine Faulheit" , "das ist eine Modekrankheit, so was gabs früher nicht" und "alles Quatsch, damit Psychiater eine Daseinsberechtigung haben und du glaubst diesen Unsinn sogar" nerven mich tierisch ab.

      ADHS _ist_, zumindest in meinem Falle, eine ernsthafte Behinderung.

      Es verletzt mich sehr, wenn Angehörige mich auslachen.

      lg
      da muß ich Dir absolut Recht geben.

      Ich denke diese Sätze hören wir alle wer Glück hat mindestens einmal.

      Sowas geht mir auch auf den Senkel.
      Das ist der Typ von Mensch, der auch sagt.

      " das hab ich immer so gemacht, das mach ich weiterhin so"
      Das nervt auch tierisch. :evil:

      Dir noch einen schönen Tag. :P

      -Du bist nicht allein -
      Kenne ich auch, jedoch nicht von meiner Familie (die mich auf das Thema gebracht hat), sondern eher von "fachlicher" Seite. Ich nehme an einem Seminar teil und zu dessen Veranstalter habe ich großes Vertrauen. Das ist allle halbe Jahre in der Pfalz und geht jetzt schon seit 4 Jahren. Da kommen fast ausschließlich äußerst persönliche Dinge zur Sprache. Meistens Sachen die man selbst verdrängt hat. Ziemlich emotional das ganze. Und der sieht das ganze mit einer großen Skepsis. Tut weh. Ansonsten habe ich kaum jemandem von dem Verdacht erzählt, die, denen ich davon erzählt habe kennen mich schon lange und stimmen mir zu.
      Ich habe am Anfang als ich noch keine Diagnose aber den Verdacht und auch schon einiges gelesen hatte mit einigen darüber geredet und da kamen teilweise genau dieselben vorbehalte, seitdem bin ich da eher vorsichtig wem ich da was erzähle.
      "Nie hat ein Dichter die Natur so frei ausgelegt, wie ein Jurist die Wirklichkeit. "(Jean Gidoux)
      Ich finde es ausgesprochen ätzend, wenn Menschen derart borniert reagieren.
      Schliesslich lache ich ja auch nicht, wenn jemand eine Depression hat oder Panikattacken.

      Die Leute können sich nicht vorstellen, dass Konzentrationsstörungen sogar körperlich Schmerzen bereiten (bei mir zumindest- Magen krampft sich zusammen; Kopfschmerzen, weil ich z. B. so gern lernen würde, aber es einfach nicht geht)...

      Die haben keinerlei Vorstellungen von den Schuldgefühlen, die man sich selbst und anderen gegenüber hat, wenn man mal wieder zu spät, ist, mal wieder dies und das vergessen hat, zum x.ten Mal die Wasserkiste zuhause vergessen hat und dies erst bemerkt, wenn man am Getränkecenter angelangt ist...
      Oder von der Wut auf sich selbst:
      "Warum, zum Teufel, schafft jeder Dummkopf, eine Aufgabe chronologisch abzuwickeln, nur ich nicht??!!"

      Oder wie sich alles innerlich zusammenzieht, man immer unruhiger und kribbeliger wird, wenn man lange Zeit ruhig sitzen bleiben muss (Konzert et al).
      Einfach ätzend.


      lg
      Hallo,

      diese Sorte Mitmensch sollte man, wo immer es geht, sich nicht antun und meiden. Wie gesagt - wo es geht.

      Und wo es nicht geht, erwähnt man ADS besser nicht mehr. Kurzfristig ist bei denen nichts zu machen :O

      Das Problem haben hier viele.

      Ich habs irgendwie geschafft, dauerhaft Kurven um das alles herum zu kriegen (Konzerte etc.). Schade, dadurch entgeht mir sicher einige Lebensqualität, es ist aber besser für meinen Frieden.

      LG
      uno
      Die Erde wächst sich aus, und Gras schneller, wenn man daran zieht, ADHS hingegen ist eine Scheibe.

      Ich weiss immer genau, was ich will, es ändert sich nur täglich
      hi leuts,

      ich kann dazu nur sagen: ich als angehörige eines adslers....

      ihr verlangt da ziemlich viel von euerm umfeld, und ihr wisst es wahrscheinlich nicht, washalb euch diese aussagen nerven .... behinderung, genau das ist das falsche wort ... und es klingt nach rechtfertigung, nach rechtfertigung für verhaltensweisen, die auch andere haben - nur nicht in diesem umfang ... die andere haben, die aber etwas dagegen tun könnten und es teilweise auch machen, weil sie es wollen. ihr könnt das nur einfach so nicht, selbst, wenn ihr es wolltet - das ist eure "einzige behinderung" - um mal bei eurer wortwahl zu bleiben ... d.h. ihr verlangt von euerm umfeld das verständnis dafür, dass ihr euch jetzt hinter eurer diagnose versteckt und dahinter, dass ein ausbrechen aus diesen verhaltensweisen unmöglich, schwierig usw. ist .... aber mal ehrlich: das aussteigen aus jeder verhaltensweise ist schwer - weil verhaltensweisen gewohnheit sind - und gewohnheit bedeutet alltägliche sicherheit ... und die gibt man nicht so einfach auf. ... ich habe als angehörige verständnis dafür, dass es schwer ist, etwas zu ändern - weigere mich aber mich damit abzufinden, dass man es aufgrund der diagnose ads ganz sein lässt, etwas zu ändern, weil psychologen sagen, es sei schwierig. auch weigere ich mich zu akzeptieren, dass es einem adsler unmöglich sein soll zu begreifen, was er mit seinen verhaltensweise so alles in der familie, partnerschaft, freundschaft kaputtmacht ... aber genauso wie "normalos" mit ihren ticks und macken ...

      verständnis für ads zu haben, heißt nicht automatisch, adsler nicht mehr kritisieren zu dürfen - aber genau das erwartet ihr am anfang - dass alle euch bemitleiden, weil ihr eine diagnose erhalten habt, die alles ändert. so ein bullshit.
      ... und wenn alle Stricke reißen - es gibt immer EINEN der Dich auffängt.
      ok - die welt wird ein bisschen sensibler für eure ticks aber mehr doch nicht .... und genau das provoziert ihr massig und das nervt auf die dauer ... ich erzähl ja auch nicht jedem, dass ich schon seit über 10 jahren bei bestimmten themen austicke und zickig bin und nichts dagegen machen kann .... "kann" - eben - ich will nicht, weil ich mich nicht verändern will, weil ich bleiben will wie ich bin. und genau dazu solltet ihr stehen, dass ihr euch ändert wollt und es dann auch tut oder es nicht wollt und es lasst ... aber hört auf, euch hinter einer diagnose zu verstecken, die über euch eigentlich nichts aussagt ... weil ads so facettenreich ist, dass sie euern typus gar nicht richtig erfasst ... steht zu euren ticks ... dann kann es euer umfeld auch ... aber verlangt von euerm umfeld nicht, euch zu bemitleiden für dinge, die ihr ändern könntet, wenn ihr wolltet (zwar mit viel zeit und mühe aber es geht). mein freund ist da das beste beispiel für, dass zu viel verständnis und mitleid eigentlich gerade das unproduktivste sind ... wenn mich sachen stören, sage ich sie einfach - egal ob es was mit ads zu tun hat (die wahrscheinlichkeit ist groß) oder nicht ... denn es tut nichts zur sache - es stört mich einfach ... und die tatsache, dass ich es ihm sage, heißt nicht konkludent, dass ich kein verständnis für die schwere seiner lage habe ... aber ads ist keine rechtfertigung für alles ... wer das aber so sieht - ist selbst feige zu seinen ticks usw. zu stehen und den konsequenzen ... also überlegt euch erst mal selbst, wie ihr mit dem thema umgeht und verlangt dann von euerm umfeld das nötige verständnis, sofern ihr selbst auch verständnisvoll für die ticks eurer mitmenschen seit, die sich "leider" nicht unter ads subsumieren lassen ...

      denkt mal drüber nach ;)
      ... und wenn alle Stricke reißen - es gibt immer EINEN der Dich auffängt.
      Hallo Nina,

      selbstverständlich ist ADHS keine Rechtfertigung für alles mögliche!
      Es tut mir leid, wenn Du einige Aussagen diesbezüglich so verstanden haben solltest.

      Mir persönlich ging es lediglich darum, meinem Umfeld zu erklären, dass manche meiner Verhaltensweisen nicht aus purem "Unwillen" oder aus "Faulheit" rühren, sondern dass es Automatismen sind, die ablaufen.
      Da kann man mir hundertmal in aller Ruhe erklären, dass dieses oder jenes anders besser laufen würde- vom Kopf her verstehe ich es doch!
      Nur wenns drauf ankommt, läuft, trotz steten Mühens, das "andere" Programm ab.
      Mich nervts ebenso wie mein Umfeld, wenn ich x-mal aufgefordert werde, eine bestimmte Sache zu erledigen und sie zum x-ten Male vergesse oder wenn ich mir selbst x-mal vornehme: Beim nächsten Mal wird alles anders- Pustekuchen.
      Glaub bitte nicht, dass so etwas mit Absicht geschieht!
      Wie oft schon habe ich mich selbst für diese meine Verhaltensweisen bestraft, ohne Änderung zu erzielen. Verstehst Du, was ich meine?

      Im Gegenteil, ich schade mir selbst durch diese Verhaltensweisen. Und ich bemerke es, weiss aber nicht, wie ich diese Automatismen ändern könnte.
      Das hat nichts mit "Mitleid-heischen" zu tun, sondern ist eine klare Aussage.

      Du schreibst, dass Du sagst, was Dich nervt.
      Ok, klasse, dass Du das kannst!
      Wenn Du Deine Aussage sogar ohne Sarkasmus oder gar Zynismus rüber bringst, ist das doch ok!
      Denn gerade Sarkasmus, Zynismus oder gar Aggressionen helfen unsereinem überhapt nicht weiter.

      LG

      RE: Fortsetzung

      Fortsetzung:

      Wenn jemand Diabetes Mellitus hat und erklärt, dass er deshalb kein Süsses essen darf, akzeptiert die Gesellschaft das.
      Pervers wirds, demjenigen dann ausschliesslich Süsses zum Essen anzubieten und zu sagen, treib mehr Sport, dann läufts auch mit dem Insulin wieder..., oder: nimm doch ab, dann klappt das auch.
      bullshit, Nina, um Dich zu zitieren.
      Das ist eine Verhöhnung des Kranken ohnegleichen.
      Leider geschieht so etwas immer wieder bei ADS/ADHS.
      "Das hat doch jeder"; "reiss dich zusammen", hihi.
      Je öfter man dazu aufgefordert wird, exakter zu arbeiten, um so mehr Fehler unterlaufen "doch jedem".

      Es ist nicht leicht, mit jemandem zusammen zu leben, der ADS hat, klarer Fall. Auch nicht, mit einem Diabetiker zu leben
      (Dies ist nur _ein_ Beispiel aus der Medizin; ich hätte auch Kinderlähmung und "stell dich nicht so an", Dialyse und "trink ordentlich" schreiben können).

      Ganz toll ist es, einem Angehörigen erklären zu wollen, warum manches so ist, wie es ist, und dass man daran arbeitet, es zu verändern, und dann auf taube Ohren stösst:
      "Ich will das nicht hören, lass mich in Ruhe mit dem Scheiss. Du bist nur zu faul, das ist alles."

      Wenn dann die eine oder andere Tasse an die Wand fliegt, weil man gegen eine "Wand" spricht, ist nur normal.

      lg
      Hallo Uno,

      hast Recht- solche Menschen sollte man meiden.
      Das ist leider nicht immer möglich.
      Mich wundert überhaupt nicht, dass ein Grossteil der Betroffenen ziemlich einsam ist, insbesondere, wenn eine überdurchschnittliche Intelligenz oder gar Hochbegabung dazu kommt.

      Kürzlich habe ich eine Neuerscheinung zu Albert Einsteins Privatleben gelesen- das war eine echte Katastrophe!

      Besonders übel finde ich Vorgesetzte oder Lebenspartner, die sich einen Gaudi daraus zu machen scheinen, auf den Schwächen Anderer herumzureiten, die Eigenen jedoch als unbedingt zu akzeptieren verlangen.
      Bleibt nur die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen (Vorgesetzte) oder nach einem anderen Lebenspartner umzusehen.
      Letzteres mache ich seit 28 Jahren, mit negativem Ergebnis. Bleib ich doch lieber allein, oder...?

      lg
      hab dich schon verstanden tina aber was ich damit sagen wollte: jeder mensch hat macken und macht fehler - egal ob es ads heißt oder nicht ... adsler haben nur mehrerer davon gleichzeitig ... und glaub mir, euch stören eure macken mindestens genause wie mich meine normalo-macken stören ... vielleicht fällt es den normalos leichter dinge zu ändern - aber eigentlich auch nicht wirklich - wie ich bereits sagte "gewohnheit" ...

      ich wollte damit sagen, dass die probleme mit ads und seinem umfeld irgendwie hausgemacht sind, weil ihr mehr verständnis für dinge/verhaltensweisen haben wollt, die jeder andere (in anderem ausmaß) auch hat ... ads basiert zwar auf chemischen fehlsteuerungen im körper - ist aber auch meiner sicht deshalb keine krankheit ... wie gesagt, weil alle menschen ticks haben ... dadurch das es körperlich ist bei ads ist es nur schwieriger dagegen vorzugehen, weil man erst mal seinen körper ins gleichgewicht bringen muss ...

      aber mal ehrlich: bist du tollerant, wenn andere leute dinge nicht so machen, wie DU es gerne hättest? solche fälle gibt es garantiert ...! und ich sage dazu nur: so wie es in den wald hineinschallt - so schallt es hinaus ...!

      wenn du tolleranz zeigst für die ticks der anderen, haben sie möglicherweise auch mehr verständnis für deine! ... und der tipp gilt nicht nur für adsler
      ... und wenn alle Stricke reißen - es gibt immer EINEN der Dich auffängt.
      @ tina_13:

      ich kenne deinProblem, wie die meisten, nur zu gut...
      meine Diagnose ist nun seit ca. 1,5 fest..

      meine Familie und meine Freunde haben am Anfang ähnlich reagiert und es hat mich ähnlich verletzt..

      das Schöne ist, dass ich nach 1,5 Jahren davonn ichts mehr mitbekomme... es dauert viele Erklärungen und viel zeit bis alle mein ADHS verstanden oder min. akzeptiert haben, und es fühlt sich sehr schön und vertraut an, wenn meine Familie diesbezüglich Rücksicht auf mich nimmt...

      du darfst nicht vergessen, dass man Menschen nur ändern kann, wenn man sein eigenes Verhalten ändert..

      du hast die Fakten über ADHS schwarz auf weiß, das müssen deine Angehörigen akzeptieren...du denkst es dir ja nicht selber aus, sondern die Wissenschaft hat es uns bestätigt...

      wenn Sprüche kommen, wie "jeder ist vergesslich" etc...sage ich, dass ich ja nicht unnormal bin, und ass natürlich jeder vergesslich ist, es MICh dagegen aber teil im Leben sehr belastet...
      hab Geduld mit deinen Lieben und geb nicht auf!!! das dauert seine Zeit!!
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      Hallo Nina,

      ja, ich bin sehr tolerant gegenüber Ticks anderer, gerade weil ich selbst so viele habe! ;)

      Meine Schwierigkeit liegt darin zu erkennen, wo Toleranz noch angebracht ist oder wo sie meine Grenzen bereits erheblich überschreitet, so dass diese Toleranz mir zusätzlich Schwierigkeiten einbringt, von denen ich weiss Gott bereits genug habe.

      Ich habe früher nicht einmal Verständnis erwartet.
      Wofür denn?
      Dafür, dass ich eine Versagerin bin?
      Dafür, dass ich sowieso alles falsch mache und lieber den Mund halte als imer wieder ausgelacht zu werden?
      Ich bin so Scheisse, dass die Welt besser dran ist ohne mich.
      Ich bin eben durch und durch schlecht, missraten, dumm und faul.

      Dieses miese Selbstwertgefühl bestimmte bis kurz vor der Diagnose mein Leben, bis ich nahezu handlungsunfähig geworden war.
      Es konnte doch nicht sein, dass nahezu alle Menschen aus meinem Umfeld die gleiche Meinung von mir hatten- ich musste wirklich ein Fehlgriff der Natur sein, der besser nicht mehr lebt.
      Ich wusste ja selbst nicht, warum bei mir generell alles schief lief. Ich fühlte mich unendlich schuldig dafür, dass ich nicht so funktioniere wie ein mormaler Mensch zu funktionieren hat.
      Die Unmengen einander widersprechender Diagnosen, die ich in den letzten 20 Jahren sammelte sowie ergebnislose Therapien bestätigten mich in dem Glauben, dass mein Leben wert- und sinnlos ist.

      So sah es in mir aus bis zum Frühjahr 2004, bis zur Diagnose.

      Seither weiss ich, dass ich keineswegs eine Versagerin bin, keineswegs durch und durch schlecht. Das war auch gut so, denn lange hätte ich nicht mehr durchgehalten. Mittlerweile habe ich mich wieder lieb, finde mich sogar im Grossen und Ganzen klasse und erkenne meine Fähigkeiten an, denn sie als "lächerlich" abzutun.

      Toleranz ist notwendig, jedoch nicht bis hin zur Co-Abhängigkeit.

      LG
      Fortsetzung:

      Ehe ich es vergesse- bis zur Diagnose war mein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Abstieg derart gravierend, dass ich mich fast nur noch im Alkoholiker-/Drogen- und Obdachlosenmilieu aufhielt.
      Die Leute lachten mich wenigstens nicht aus, für diese Menschen war ich kein "Versager", sondern ein Vorbild. Von irgendwoher musste doch ein kleines bisschen Bestätigung kommen und nicht nur ständiges Herumreiten auf meinen Fehlern!

      Mittlerweile gehts mir, was das Milieu anbelangt, erheblich besser.
      Habe alte Freunde aus Uni- und Sportzeiten wieder ausgegraben, da ich lerne, zu mir zu stehen und nicht wie ein Häuflein Elend, das förmlich danach schreit "schlag mich, ich bin nix" in einer Ecke zu sitzen und auf die nächste Katastrophe zu warten.

      Eine Diagnose vor 20 Jahren hätte mein Leben sehr, sehr positiv verändern können. Nun ist es leider zu spät...
      Egal, es geht immer irgendwie weiter :D

      LG
      hi tina

      das dein leben so verlaufen ist - tut mir leid - aber dass einzig und allein die diagnose ads etwas daran geändert haben soll, will mir nicht ganz einleuchten.

      das man sich selber mit seinem verhalten im weg steht, kenn ich von mir selber auch ... und deshalb habe ich auch viele sachen nicht gemacht, die andere als wertvolle erfahrung ansehen würden; habe erfahrungen gemacht, die andere, weil sie unnötig sind, ausgespart haben und habe am ende gedacht - wäre ich doch schlauer gewesen oder so ... aber das es so gar keine erfolgserlebnisse im leben gibt, kann ich mir nicht vorstellen ... ich denke eher, dass es phasen gibt - die können andauern und man kann sich reinsteigern - in denen es nicht so gut läuft - wie gesagt, man kann dann im selbstmitleid ertrinken oder sehen, sich mit den wenigen positiven dingen über wasser zu halten ... zu ertrinken bedeutet schwer depressiv und pessimistisch zu sein - und so lebt es sich einfach schlecht - daher positiv denken ...
      ... und wenn alle Stricke reißen - es gibt immer EINEN der Dich auffängt.
      und ich glaube genau das, hat die diagnose bei dir bewirkt ... du hast dinge, die du durch und durch für schlecht und fehlerhaft erachtet hast, plötzlich mit anderen augen gesehen, weil du DEINEN-maßstab zur bewertung angelegt hast und nicht den der GESELLSCHAFT ... und plötzlich warst du gar nicht mehr so schlecht ... sondern für deine verhältnisse gar nicht so übel ... gemessen an dem, was du über andere ads-fälle vielleicht schon so gelesen hattest ... (kann sein, dass ich mich gerade tierisch irre - aber das ist meine vorstellung davon, in wieweit man sich sein leben durch gesellschaftliche normen vorgeben lässt) ...

      nun denn .... mich würde aber mal interessieren, wie du als deinem loch wieder herausgekommen bist? kann mir nicht vorstellen, dass die diagnose im briefkasten lag und du von heut auf morgen gesagt hast, ich änder mein leben (keine drogen usw) und fange an mich selbst zu lieben und so ... kannst du deinen entwicklungsprozess beschreiben? vorallem, wie du es geschaft hast, dein leben so in den griff zu bekommen, dass es für dich wieder einen sinn hatte/hat? wie du erfolgserlebnisse beurteilst und verbuchst? ... kurz um: wie bist du aus deiner depri-phase wieder herausgekommen?

      lg nina
      ... und wenn alle Stricke reißen - es gibt immer EINEN der Dich auffängt.

      RE: Fortsetzung

      Hallo Nina,

      die Diagnose hat eine Menge, wenn auch nicht alles, dazu beigetragen, dass ich mich plötzlich mit anderen Augen sah.
      Über andere Fälle hatte ich bis dahin wenig gehört/gelesen, konnte mir also keineswegs ein Urteil darüber anmassen, ob mein Fall nun "besonders schwierig" oder "besonders einfach" lag.
      Wie ich es schaffte, aus dieser sehr tiefen, über Jahrzehnte lang entwickelten Depression wieder herauszukommen?

      Das ging recht schnell.
      Ich verstand mich auf einmal. Das ständige Verlieren von Papieren (sieben Mal Ausweise und alles weg, vier Mal Studienbücher, fünf Mal das Abiturzeugniss) leuchtete mir ein, da der Kopf ja ständig mit tausend anderen, völlig unwichtigen Dingen angefüllt ist. Das ewige Vergessen von Terminen trotz grosser Post-its am Compi, an der Wohnungstür, am Alibert im Bad und so weiter war nicht mehr so wichtig für mich.
      Kein stundenlanges Suchen mehr nach plausiblen Ausreden anderen gegenüber für meine Vergesslichkeit sondern ein humorvolles "sorry, das ist nun mal so".
      Ich war richtiggehend erleichtert, dass "mein Kind einen Namen" hatte. Boah, ey, ich bin nicht allein, es geht vielen Menschen so!
      Bis dahin dachte ich, dass ich die einzige Totalversagerin auf der grossen, weiten Welt war ;)

      lg
      Fortsetzung:
      @Nina

      "Gar keine Erfolgserlebnisse" stimmt natürlich nicht, Nina, da hast Du vollkommen Recht.
      Doch habe ich die paar Erfolge, die ich zeitigte, als selbstverständlich angenommen. Für mich war es vollkommen normal, dass niemand obdachlos bleiben muss, der es einmal war (schreibe aus Erfahrung). Dass man sich bei Ämtern durchsetzen muss. Dass man generell gegen ablehnende Bescheide Widerspruch einlegt, selbigen, um Zeit zu schinden, erst zwei Tage vor Ablauf der Frist aufgibt und so weiter...
      Ich habe das nie als Erfolg gewertet.
      Im Gegenteil- ich habe diejenigen im Freundeskreis, die so etwas nicht schafften, kopfschüttelnd betrachtet- so was macht sich doch von selbst???
      Drogen, mit Ausnahme von Bier und gelegentlich THC (3-4x/Jahr) habe ich nie genommen, auch wenn ich in diesem Milieu verkehrte.

      Jedesmal, wenn mir nach der Diagnose Fehler unterliefen und ich mich wieder selbst bestrafen wollte, schon rein prophylaktisch, erinnerte ich mich an die Diagnose und lernte, über mich zu schmunzeln. Das machte das Leben erheblich leichter :)
      Kurzum- ich enwickelte in für mich selbst erstaunlich kurzer Zeit ein Basis-Selbstwertgefühl, auf dem ich weiter aufbauen konnte/kann.
      Sicher gab und gibt es immer wieder Rückschläge.
      Beispielsweise habe ich bis heute grosse Schwierigkeiten in Beziehungen.
      Ich reagiere hypersensibel auf Zurückweisung, auch wenn die gar nicht da ist (höre das Gras wachsen*lol*). Dann weine ich ein paar Stunden, und gut ist.

      Ich lerne (immer noch), gelassener zu werden.
      Das ist nicht einfach.
      Ich sage sogar schon manchmal meine Meinung, ohne mich voher dafür zu entschuldigen, dass sie vielleicht nicht richtig aufgefasst wird.

      Kurzum- dank der Diagnose weiss ich, dass ich nicht allein bin. Das bestärkt ungemein!

      lg









      lg
      danke für deinen so ausführlichen bericht ... klingt plausibel ... selbswertgefühl und selbstliebe sind nun mal die einzigen zwei dinge, die einen menschen am leben lassen ... und wenn auch nur eines von beiden fehlt, ist das leben eine hölle.

      wie gesagt, danke nochmal für deine ehrlichen worte ... fand ich sehr "spannend" zu lesen (das wort klingt schei... aber mir viel gerade nichts passenderes ein ;)!)

      lg *back*

      muss jetzt leider weg .... daher keine zeit für eine längere antwort ;(

      nina
      ... und wenn alle Stricke reißen - es gibt immer EINEN der Dich auffängt.