Muss ich mir Sorgen machen?

      Muss ich mir Sorgen machen?

      Hallo,
      ich bin selber nicht von ADHS betroffen, aber seit einiger Zeit in einer Beziehung zu jemandem, der an ADHS leidet. Wir sind noch nicht so lange zusammen. Er hat mir schon viel erzählt und erklärt und ich komme gut damit klar, dass er mitten im Gespräch mal abschweift und etwas nicht mitbekommt oder sehr unruhig ist, wenn wir einfach vor dem Fernseher liegen und etwas anschauen. Klar, manchmal nervig wenn er nicht stillhalten kann, aber da kann er ja nichts dafür.

      Nun ist es so, dass er immer wieder Marihuana konsumiert, weil er sagt das würde ihm gut helfen. Ich merke dann zwar, dass er ruhiger ist, aber gleichzeitig fühle ich mich damit nicht wohl. Letztendlich beeinträchtigt das doch seine Aufmerksamkeit noch mehr, oder? Ich merke, dass ich mir deswegen wirklich Sorgen mache und dachte ich frage deswegen einmal hier nach, hier gibt es sicherlich Personen die sich auskennen und etwas dazu sagen können?

      So ganz grundsätzlich wollte ich auch fragen, falls hier Erkrankte antworten möchten: Was hilft euch besonders im Umgang, wo würdet ihr euch von euren Gegenübern mehr Verständnis wünschen?
      Hallo Vamso,
      erst einmal möchte ich es sagen wie toll ich es finde, dass du dich damit beschäftigst und verständnisvoll bist. Und dass du darüber hinaus sogar wissen möchtest, wie du ihn unterstützen kannst. Das ist weitaus mehr als man von den meisten anderen Mitmenschen bekommt, viele zweifeln ja nach wie vor, dass es einen Leidensdruck hat. Wie oft ich mir schon vorwerfen lassen musste, ich wäre uninteressiert oder würde nicht zuhören, dabei bin ich einfach unabsichtlich und gegen meinen Willen abgeschweift bzw dem ADS erlegen.

      Was nun Cannabis angeht muss ich ein kleines bisschen ausholen. Erst einmal ist es natürlich so, dass Cannabis ADHS nicht heilen kann, selbstverständlich nicht. Trotzdem kann Cannabis bei ADHS eine positive Wirkung haben - allerdings nicht und das ist WICHTIG: Meines Erachtens NICHT bei einer Selbstmedikation!

      Es gibt aber inzwischen einige Forschung die darauf hindeutet, dass Cannabis gegen ADHS wirksam eingesetzt werden könnte, die Studienlage ist da meines Wissens aber noch nicht so weit. Das Endocannabinoidsystem spielt dabei eine Rolle, dementsprechend können die Cannabinoide möglicherweise Wirkung entfalten. Eine genauere Erklärung dazu und zum Wissensstand bezüglich Cannabis & ADHS findest du bei Leafly.

      Es gibt auch eine Stellungnahme des ADHS Deutschland e.V. zur Thematik. Darin wird darauf verwiesen, dass es wirksame Standardtherapien gibt und dass die Wechsel- bzw Nebenwirkungen von Cannabis nicht geklärt sind. Dementsprechend wird auch eher von einer Medikamentierung damit abgeraten. Hierzu würde ich aber anmerken, dass ja auch einzelne Wirkstoffe aus dem Medizinalhanf isoliert werden können um dann verabreicht zu werden. Das wird in der Stellungnahme nicht wirklich berücksichtigt.

      So oder so: Was dein Freund da macht ist defintiv keine Medikamentierung, sondern eher unter Drogenkonsum zu verbuchen. Das heißt allerdings nicht, dass es ihm nicht für eine Zeit Erleichterung von Schwierigkeiten und Symptomen verschaffen kann, es ist allerdings kein dauerhaft gangbarer Weg und zudem mit vielen Risiken verbunden.