Medikinet und Rauchen

      Medikinet und Rauchen

      Hallo,

      ich nehme seit einem halben Jahr Medikinet adult. Inzwischen bin ich bei zweimal täglich 10mg angekommen. Weil es mich müde und antriebslos macht, hatte ich zwischendurch wieder für ein paar Wochen aufgehört. Aber dann kam die innere Nervosität und die Gedankenautobahn wieder. Konzentrieren kann ich mich auch mit Medikinet nicht gut. Weil mir der Hyperfokus fehlt, bekomme ich eigentlich gar nichts mehr hin. Nur emotional hilft es sehr. Ich bin total relaxed mit meinen ADHS-Kindern.

      Aber zur eigentlichen Frage: seitdem ich die Medikamente nehme, rauche ich sehr viel mehr. Gerade versuche ich aufzuhören, aber unter Medikation ist das ein wirklich unerträglicher Zustand. Es fühlt sich an, als wäre mein Kopf in einem Schraubstock. Ich bin nervös und kann nicht mehr klar denken. Ich habe schon zweimal in den Schwangerschaften aufgehört, das war noch vor der ADHS Diagnose. Da ging es irgendwie leichter.

      Kann es sein, dass Medikinet das Verlangen zu rauchen verstärkt? Oder dass ich das Mittel ohne Nikotin noch schlechter vertrage?

      Viele Grüße
      Luna
      Also zu Medikamenten muss man wissen, dass Methylphenidat nicht gleich Methylphenidat ist.
      Nur das richtige Präparat, vom richtigen Hersteller und in der richtigen Dosierung kann helfen.
      Und das ist individuell abhängig vom ADHS-Typ, vom individuellem Stoffwechsel und von der Zusammensetzung der unterschiedlichen Produkte....

      So weiß man z.B. das Concerta weniger etwas für Mischtypen und die Impulsiven ist. Hauptsächlich profitieren davon die Träumerchen.
      Mischtypen brauchen eher Mittel, die einen Anflut- Kick erzeugen und das bringen die meisten Retardprodukte weniger.

      Generell gild, dass man nicht die Geduld verlieren darf, wenn es mit dem ersten Mittel nicht klappt.
      Möglicherweise brauchst du einfach was anderes. Entweder ein anderes MPH Produkt oder etwas auf Amphetaminbasis...
      Es gibt leider einen sehr kleinen Anteil, der nicht so gut auf das MPH anspringt.

      Was die Dosierung angeht : 10 mg retard umgerechnet, ist im Grunde eine sehr niedrige Einzel-Dosis.
      Müdigkeit kann bei zu hoher Dosierung auftreten, was ich mir aber bei 10 mg retard nicht vorstellen kann.
      Ich kann aber auch nicht in deinen Kopf rein schauen.

      Wie und Was für dich das Beste ist, dass musst du mit deinem Arzt abklären und herausfinden. Ich kann hier nur generell über die Medis aufklären und darf keine Empfehlungen geben.

      Was ebenfalls wichtig zu beachten ist:
      Medikinet retard sollte immer mit Nahrung zu sich genommen werden, da sich der Wirkstoff sonst nicht entfalten kann.
      Weiterhin sollte MPH nicht mit Säurehaltigen Flüssigkeiten eingenommen werden. z.B.
      keinen Saft, keine Cola, usw... das beeinflusst ebenfalls negativ die Wirkungsfreisetzung

      Ebenfalls ist es möglich, dass deine Müdigkeit nicht direkt eine Nebenwirkung vom MPH ist.
      Denn MPH und Co. sind keine Betäubungsmittel, sondern Aufputschmittel, auch wenn man sie nur mit einem BTM Rezept bekommt.

      Durch die Medikamente bekommt man ja so zu sagen eine Brille verpasst, mit der man klarer sieht.
      So kann es beispielsweise auch sein, dass dir damit jetzt Dinge auffallen, die dir vorher nicht so klar waren.
      Möglicherweise langweilst du dich jetzt noch schneller bei uninteressanten Themen. Und während du dich vorher erfolgreich wegträumen oder dich ablenken lassen konntest, wirst du jetzt eben müde.
      Die Medis schützen ja nicht davor, dass etwas z.B. uninteressant usw...ist.

      Müdigkeit bei ADHS ist generell ein Zeichen von Langeweile oder wenn etwas zu schwierig ist.

      Kann aber auch am Mineralstoffhaushalt liegen (z.B. Zink, Selen, Magnesium Vitamin B12 Mangel kommen bei ADHS gehäuft vor).
      Oder es liegt am Glukose-Verbrauch.
      Mit MPH verbraucht das Hirn etwas mehr Glukose und wenn das nicht regelmäßig nachgefüllt wird...

      Dann wäre wichtig auch immer auf die Schilddrüse zu schauen, aber das wir normalerweise vor der Diagnose abgeklärt.

      Was interessant bei dir ist: es dürfte sich auf deine Emotionen eigentlich nicht "direkt" auswirken, weil dieses Mittel nicht in der Amygdala wirken kann!!!!

      Bestimmte Dinge gehen damit natürlich besser, aber die Dysregulierung im Mandelkern wird davon leider nicht behoben.

      Es muss also einen anderen Grund geben, warum du nicht mehr so emotional reagierst.
      Aber dazu müsste ich dich kennen, um dies besser verstehen zu können

      So, ich hoffe, ich konnte dir etwas weiterhelfen.