Schwere Entscheidung und trotzdem bleibt er emotional unberührt

      Schwere Entscheidung und trotzdem bleibt er emotional unberührt

      Hallo liebe Leute,

      hab es ma' wieder hier rein geschafft - t'schuldigung dafür.

      Mein Problem: Mein Schatzi (ADS) hat eine große Entscheidung :greenshocked: in seinem Leben getroffen. Er hat mir und seiner Mutter diese Entscheidung mitgeteilt und war danach emotional unberührt. Als wenn es jetzt kein Einschnitt in seinem Leben geben würde. Er handelt, agiert genauso wie davor.
      Er hat mir aber auch gesagt, dass er von der Therapie enttäuscht ist. ABER er hat mir versprochen die Therapie nicht abzubrechen.

      Seine Mutter ist am Boden zerstört. Ich bin einfach kraftlos.Keine Ahnung was ich jetzt tun soll. Wenn er diese Entscheidung getroffen hat, dann soll er aber wenigsten nach VORNE denken und auch was TUN ! Finde ich, oder sehe ich das falsch?

      Warum hat seine Mutter das Telefonat abgebrochen? Ich verstehe sie ja, es ist ein Schock :greenshocked: Aber ??? Als wenn es ihr jetzt egal ist?? :greensceptical:

      Kann man da was machen? Sollte man da was machen? Einfach laufen lassen? :greenconfused:

      Liebsten Dank
      Hi! :-)

      Was für eine Entscheidung war es denn?

      Es macht meines Erachtens einen großen Unterschied, ob die Entscheidung ist, aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen, die Ausbildung abzubrechen, Kontakt mit der Familie zu reduzieren oder (z.B. in einer vegetarischen Familie) mit Fleisch essen anzufangen.

      Dein Post lässt keinerlei Rückschlüsse zu, was für eine Art der Entscheidung es ist.

      Auch die Reaktion der Mutter ist nicht wirklich aussagekräftig.
      Weint sie bei jedem Telefonat, wenn ihr Sohnemann etwas nicht genauso macht, wie sie es sich vorgestellt hat? Ist sie gerade in einer Trauerphase und das war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat?

      Wie betrifft dich die Entscheidung bzw. was ändert sich für dich und eure Beziehung?

      Ich denke nicht, dass er tatsächlich unberührt ist. Entweder er kann sehr gut schauspielern, oder er hat seine Ängste und Sorgen in der Therapie (?) besprochen und ist mit der Entscheidung mit sich im Reinen. Oder aber er hat noch andere "Probleme" als ADS und es ist eine Kurzschlusshandlung, die er aus reiner Verzweiflung oder Waghalsigkeit getroffen hat.

      Weißt du, ich könnte hier noch kilometerweit weiterschreiben, aber so ganz ohne Anhaltspunkt was es war, warum er es getan hat, was es für ihn / euch / seine Familie bedeutet, kann dir hier keiner groß helfen.
      :greenconfused:
      Danke für die ersten km. Du lagst mit allem schon ziemlich gut dran.

      Ja, er hat erneut wieder sein Studium abgebrochen und ich weiß nicht, wie jetzt seine Zukunft aussehen soll.
      ja, erneut. Viele Verwandte/ Bekannte, vor allem seine Mutter, motivieren ihm aber immer wieder dazu es noch ma' zu starten/ neu anzufangen. Er hat Einiges ausprobiert, um es zu schaffen. Ich versuch ihn auf verschiedenen Weg zu unterstützen. Aber es klappt nicht und ich hab das Gefühl, als wenn wir - vor allem er -

      IM Hamsterrad steckt und rennt und rennt und immer das Gleiche passiert! :-( Es wiederholt sich und wiederholt sich...immer die gleichen Situationen.

      Vllt könntest du Recht haben. Da es immer die gleichen Situationen sind, wird er dann gefühlskalt?

      Er hat aber eben auch das Gefühl, dass die Therapie kein Sinn macht, seine Mutter ihn nicht versteht...und ich machtlos. Wie kann man ihn motivieren an seinem ADS weiterzuarbeiten (klingt doof), damit er nicht wieder im Hamsterrad steckt oder stecken bleibt (seine Zukunft)?? *verwirrt*
      Hm...das ist schwierig.

      Weshalb hat er mit dem Studium angefangen? Will er das? Will seine Familie das? Will er etwas bestimmtes werden was nur mit Studium machbar ist?

      Ein Studium ist echt hart, gerade mit ADHS. Ich habe es auch versucht und bin innerhalb von 3 Semestern von einer 2 auf eine 4 abgerutscht, weil die Struktur die man aus der Schule kennt, wegfällt.

      Es gibt keine echte Anwesenheitsliste, es gibt zwar Hausaufgaben, aber sie werden nicht "wirklich" kontrolliert, es gibt insgesamt sehr wenig Struktur und kaum Konsequenzen, wenn man etwas nicht macht bzw. nicht teilnimmt.
      Ich bin dann umgestiegen auf eine Privathochschule (gut, muss man sich auch erst leisten können), quasi ein Studium mit Ausbildungscharakter. Es gab feste Stundenpläne, kleine Gruppen, und es fällt auf, wenn man nicht da ist.

      Vielleicht ist die Uni einfach der falsche Ort für ihn? Es gibt so viele Berufe, die man auch in einer Ausbildung lernen kann, und die letztendlich sehr ähnliche Abschlüsse bzw. berufliche Möglichkeiten bieten.

      Letztendlich kannst du ihn nur unterstützen, aber es nicht für ihn machen.
      Er muss es selbst wollen - gerade ein Studium ist hier unheimlich schwierig, wenn er kein Netzwerk hat, wie z.B. Studiengruppen - und das kann ihm keiner abnehmen.

      Die Verzweiflung der Familie verstehe ich - aber wie viel versteht die Familie von ADHS? Mit Betteln ist es nicht getan, mit Schuldgefühlen noch viel weniger - die hat man als ADSler selbst genug.
      Hat er in der Therapie auch die Möglichkeit von Medikation angesprochen?
      Hat er noch Komorbiditäten? Gerade Depressionen sind häufig bei ADHS, weil man so unbedingt will, aber so absolut nicht kann.

      Es ist nun nicht mal so, dass es wie bei Kurzsichtigkeit mit einer Brille getan ist.
      Er muss quasi neu sehen lernen und seine Augenübungen jeden Tag machen.
      Ihm zu vermitteln, dass andere Leute mit ihren Augen auch ohne Brille klarkommen und er sich "nicht so haben soll" ist hier eher schädlich als hilfreich.
      Er braucht quasi eine Sehhilfe, kein "wenn du die Augen zusammenkneifst und den Kopf nach links neigst und dann im Gegenlicht schielst" als Anleitung. Das führt nur zu Kopfschmerzen und Frust, weil andere Leute geradeaus sehen können - was offensichtlich ist.

      Ich glaube nicht, dass es gefühlskalt ist, eher eine Resignation. "schon wieder nicht gut genug, schon wieder versagt, warum soll ich mich noch groß aufregen, ich weiß ja, dass es wieder nix geworden ist" dürften eher die Gefühle dahinter sein.

      Kannst du mit ihm reden? Also, nicht zutexten (so wie ich hier ;-) ) sondern ihn fragen, wie er zu dieser Entscheidung gekommen ist, und ihm kommentarlos zuhören, was er zu sagen hat? Man hat als ADSler häufig das Gefühl, dass eine große Erklärung nix bringt, weil man selbst nicht die Worte für das Chaos im Kopf und Herz findet. Vielleicht meint er auch, er habe die letzten Male schon zu viel gesagt und dafür "leiden" müssen, möglicherweise wurden seine Gründe als Ausreden angesehen, und er hält es für einfacher, einfach den Beschluss mitzuteilen, als sich nochmals der Enttäuschung und den Vorwürfen von seinen Mitmenschen aussetzen zu müssen?
      Liebe, lieben Dank, dass du mir so ausführlich und hilfreich antwortest!
      Warum er so gefühlskalt ist in dieser Situation verstehe ich jetzt viel besser und es ist auch stimmig! Dank! *zufrieden*

      Er studierte Physik...jetzt wirst du dir die Hände über'm Kopf zusammenschlagen und mir die Ohren lang ziehen. Aber ja, er hat es fachlich WIRKLICH drauf. "Typisch für ADSler?" - es fachlich drauf zu haben.
      Sein Umfeld nebst Prof. wissen es auch, dass er intelligent genug für dieses Fach ist. ABER da ist der Haken, meinte die Therapeutin. Dadurch, dass er etwas klug ist ;-), kompensiert er leider die ADS-Symptome. Kaum jemand - wenn er es nicht sagen würde - würde ADS erkennen. Und deshalb sieht auch keiner - wenn er es nicht sagen würde, so wie du - dass er nicht mit der UNI-Struktur zu recht kommt. Gegen Studiengruppen ist er...er meinte, dass hätte au was mit dem ADS zu tun (sozial, gedanklich ect. oder so)...was für mich nicht ganz verständlich ist. *verwirrt*

      Dann kommt so was aus dem Umfeld wie >>Du bist doch klug genug dafür, dann mach es doch zu Ende!<< oder zu mir:>>Treten ihn in den Hintern. Dein Freund hat's immer noch nicht-Du Arme<<
      Daumen hoch - super, hilft! :whistling:
      Seine Familie weiß vom ADS - tun sich seeeehhhhhhr schwer - Schuldgefühle sind da einfacher (versteh ich auch irgendwie, lassen uns aber hängen...).

      Ja, mit ihm gesprochen habe ich...mehrmals. Aber wie du das schon richtig gesehen hast, wiederholen sich die Argumente und leider, ja ich gebe es zu: Sind seine Begründungen für mich immer wie Ausreden. Ich kann mich da nicht rein denken und vertrauen :-(.
      Die Brillen sucht er. Er hat gedacht, dass es eben solche bei der Therapie gibt...hmm, naja. Wie schnell kann man denn so eine Brille finden??? *verwirrt*

      Ich hoff nur, dass es seine letztendliche Entscheidung war (ist ja, leider auch sprunghaft - vor allem, wenn von außen Druck kommt). Und er jetzt erleichtert ist, er mehr an seine Zukunft denkt und an seinem ADS "weiterarbeitet".

      LG und einen schönen Wochenend-Start
      Nur kurz zur Brille: auch der Optiker muss verschiedene Tests machen bis er die richtige Sehstärke ermittelt hat. Und dann muss man noch das Brillengestell finden das einem steht. Er geht doch auch nicht zum Brillengeschäft und die erste Brille passt sofort und alles ist wunderbar klar und scharf.

      Bei der Therapie läuft es ähnlich.
      Ich schreibe morgen noch mehr zu den anderen Punkten, da wollte ich auch noch drauf eingehen.

      Gute Nacht!
      Also, rein subjektiv: ich hatte zwei Therapien. Eine während der ersten Diagnostik, die aber aus "Gründen" nicht vollständig war, weswegen mir keine Medikamente verschrieben wurden.
      Die zweite nach der zweiten, vollstänfigen Diagnose, als ich Tabletten bekommen habe. Dazwischen lagen ca. 10 Jahre. Das ist also kein Maßstab.

      Was dein Freund bedenken muss ist dass eine Therapie nur funktionieren kann wenn er a) einsieht dass er Probleme hat, b) dass er dem Therapeuten vertrauen kann, und c) dass er mitarbeitet. Auch ein Mechaniker kann nur dann einen Motor reparieren wenn er unter die Motorhaube sehen kann und Werkzeug verwenden darf. Wenn der Autobesitzer aber nicht mitspielt bleibt der Motor kaputt. Das muss dein Freund selbst lernen, leider kann ihm das keiner abnehmen.

      Studiengruppe: er braucht nicht unbedingt eine, aber er könnte sich z.B. in die Unibib in den Lesesaal setzen und dort lernen. Menschen sind Rudeltiere, wenn mehrere Leute etwas machen fällt es häufig leichter es auch zu tun.

      Ich denke nicht (!) dass ein Studium grundsätzlich falsch ist. Ich bin aber erfahrungsgemäß der Meinung das man sich Strukturen schaffen muss und sich z.B. belohnen wenn man eine bestimmte Zeit lang gelernt hat. Z.B. 30 Minuten lernen und dann eine rauchen oder einen Kaffee trinken. Stundenlanges ackern auf Teufel komm raus klappt nur wenn man einen Hyperfokus hat, aber der lässt sich leider nicht anknipsen.

      Hat er sich schon exmatrikulieren lassen oder wäre ein Urlaubssemester einfacher?

      Allerdings ist es gut wenn er sich auf seine geistige und seelische Gesundheit konzentriert und vielleicht eine Weile sogar nur das tut. Zu viele Bälle in der Luft halten ist für nicht gut therapierte und medikamentierte ADSler nicht einfach, es sei denn ihr Umfeld und ihr ADS kommen sich nicht in die Quere.

      Hat er denn irgendein Ziel und einen Plan wie er da hun kommt? Es ist für mich zumindest leichter auf etwas hin zu arbeiten als vor etwas zu flüchten, d.h. "ich will 63 kg wiegen und mache ab sofort bei Weight Watchers mit" statt "ich will nimmer dick sein, weiß aber net wie".
      Danke, danke dir wie immer für die gute Beschreibung und Erklärungen.

      Ja, er hat zu viele Bälle in der Luft. Er wird dann - vor allem jetzt - sehr schnell reizbar *verwirrt*

      ADS und Umfeld kommen sich leider in die Quere und er wollte, dass die Therapie so schnell wie möglich Wirkung zeigt. Aber irgendwie lässt die auf sich warten. Jetzt kann man ja nur abwarten und geduldig sein bis was passiert? Und die Therapie n Erfolg wird?
      Und vllt immer sagen: >>Du machst alles richtig. Ich will dir nix Böses. Es wird alles gut<< ?? *verwirrt*
      Versteife dich nicht zu sehr darauf dass die Therapie ein Erfolg werden muss, und das möglichst schnell. Ein gebrochenes Bein heilt nicht schneller wenn man ihm gut zuredet. Es dauert so lange wie es dauert.
      Ich kenne ihn nicht, daher weiß ich nicht ob dein Satz für ihn nicht zum roten Mäntelchen wird.
      Ich persönlich fände die Aussage "es wird alles gut" in dieser Situatin provokativ. Woher willst du das wissen? Kannst du in die Zukunft sehen? Wenn du das weißt, warum kannst du nicht mit dem Finger schnipsen und alles ist gut?
      Das wären die Fragen die bei mir erst mal auftreten.
      Im Moment darf er vor Schmerzen weinen weil sein Bein wirklich gebrochen ist und das auch ein anderer sieht. Es ist nicht mehr ein Fall von "du willst ja nur Mitleid weil es etwas zwickt".

      Gönne ihm das. Wenn er so wie ich Jahre lang so leiden musste tut eine Diagnose erst mal gut. Man ist nicht eingebildet kaputt, etwas ist wirklich nicht in Ordnung.

      Vielleicht fragst du ihn am besten wie du mit ihm reden sollst, wenn du ihm helfen willst. Es kann gut sein dass er da eigene Vorstellungen hat.
      Am Umfeld insgesamt kanst du nicht groß was ändern, aber du persönlich kannst ihm das Umfeld schaffen in dem er er selbst sein kann und trotzdem bedingungslos angenommen wird.
      Wäre es eine Option für dich und ihn, mit zur Therapie zu gehen um zu erfahren wie du dich verhalten kannst bzw solltest? Nur bedenke dass es auch für dich ein Lernprozess ist.
      Rede viel mit ihm bzw sei offen für Gespräche, aber erwarte nicht dass ein Gespräch alles klärt.

      Wie beim gebrochenen Bein braucht er Anfangs einen Rollstuhl und eine Rampe um ins Haus zu kommen, später vielleicht einen Rolli für längere Stecken außerhalb, oder einen Hocker für daheim zum Fuß hoch legen wenn er zu lange gelaufen ist. Das kann aber nur er dir sagen.
      Vielen Dank... du hast echt Ahnung davon.

      Das stimmt, ich werde ihn fragen, WIE ich reden oder Dinge für ihn formulieren soll....

      Und das mit dem Umfeld...ja, das habe ich mir auch schon gedacht, dass er & ich sein /Unser eigenes Umfeld schaffen müssen. Aber ich wünschte mir, dass die Familie...wenigstens seine Mutter (die jetzt einfach nicht mehr mit ihm redet) auch ein angenehmes Umfeld MITschaffen könnten. Wenigstens, dass ADS eben akzeptiert wird...ne, besser, GEGLAUBT / FÜR WAHR BEFUNDEN wird.
      Kann ich dir sogar aktuell so beantworten:

      Seitdem wir hier chatten, also so Ende Sep. ...
      Seitdem er ihr seine große Entscheidung mitgeteilt hat,...

      ...hat sie mit 2 Sätzen NUR gesagt, dass sie das verarbeiten muss. - ist ja auch irgendwo verständlich!-
      SEITDEM verarbeitet sie, verarbeitet, verarbeitet, verarbeitet...
      Gestern erst hat er gesagt, ICH RUF SIE MA AN... und wie war's?
      Sie war die ganze Zeit am heulen! *verwirrt* *Wahnsinnig* :-(

      Aber er war ziemlich dabei abgeklärt und unberührt. Ja, wie du schon vorher gesagt hast, hat er vllt die >>Nase voll<<, will keine Vorwürfe etc.

      Aber wird eben auch nicht von seiner Mutter akzeptiert mit ADS, ADS an sich...

      Ich bin gerade hier die Einzige bei Ihm. ich weiß aber auch nicht, ob ich mich einmischen darf, um mit seiner Mutter /seiner Schwester (seine Schwester hat in etwa das gleiche Problem) zu sprechen...Ob das Sinn macht! Weil es ist ja "sein" ADS, seine Familie.

      Die Therapeutin meinte auch nur: "Naja, was dich glücklich macht, macht mich auch glücklich..."
      Ist das der richtige Weg, die richtige Aussage?

      Hattest du / Habt ihr au so Schwierigkeiten mit der Akzeptanz von Eltern (Familie)? *verwirrt*
      Und was soll man dann als Partner tun? *verwirrt*
      Vorab: Es ehrt dich, dass du dich so reinstürzt, und deinem Freund helfen willst. Ich wünschte, das würden mehr Leute tun. :)

      Also...ich denke auch, gerade wenn sich die Mutter/Familie nicht wirklich mit ADS auskennt, dass sie vielleicht das Gefühl hat, als Mutter versagt zu haben. Denn "andere haben auch Kinder und die sind in dem Alter schon viel weiter...also muss es an mir und der Erziehung liegen" könnte so ein Gedanke sein.
      Das dauert seine Zeit, das kann man nicht in ein paar Wochen abhandeln. Die Diagnose ändert ja das ganze Weltbild, das man bisher von sich und seiner Familie hatte. Die daraus folgenden Entscheidungen von einem Sohn anzunehmen, bei dem man das Gefühl hatte, man muss ihn beschützen, und gleichzeitig frustriert ist, weil er nicht selbständig "leben" kann, ist ein harter Brocken. Ich vermute stark, sie fühlt sich zurückgewiesen - dabei hat das nichts mit ihr zu tun (vermute ich mal).

      Um von dieser Denkweise wegzukommen, müsste sie sich mehr damit beschäftigen, aber das kann ihr keiner abnehmen.
      "You can lead a horse to water, but you cannot make it drink", wie es so schön heißt.

      Bei mir ist das ADS überhaupt erst durch meine Mutter entdeckt worden. Sie hatte eine Weiterbildung zur Vertrauenslehrerin gemacht, dabei kam das Thema ADS vor.
      Sie kam heim und sagte "das bist du!"
      Danach fing der ganze Diagnose- und Therapiezirkus erst an.
      Leider hält sie sich jetzt für eine Expertin und diagnostiziert bei allen Problemschülern ADS, auch wenn sie dafür fachlich überhaupt nicht ausgebildet ist, aber das ist ein anderes Thema. *rolleyes2*
      Mein Vater hat, vermuten wir, ebenfalls ADS, aber er will sich nicht damit auseinandersetzen - zumindest bekommen wir das nicht mit. Mit ihm komme ich großenteils aber gut aus, und es gab bisher kein tiefenpsychologisches Gespräch zwischen uns bzgl. ADS.

      Du sagst, die Schwester hat ähnliche Probleme. Das ADS genetisch vererbt werden kann, weißt du?
      ADS ist aber erst dann ein Problem, wenn es das Leben beeinflusst, das man gerne führen will. Ist das bei der Schwester der Fall? Oder meinst du, die Schwester hat ein ähnliches Problem mit der Mutter wie dein Freund?

      Ich denke, du solltest dich bei der Familie zurückhalten, auch wenn deine Idee/dein Angebot gut gemeint ist. Klar bist du die Partnerin von deinem Freund, ihrem Sohn und Bruder, aber ich kann nicht einschätzen, ob das nicht nach hinten losgeht - also sich die Familie als ganzes nicht angegriffen fühlt, und dein Freund sich vielleicht bevormundet.

      Wenn du direkt gefragt wirst, kannst du Antwort geben, wie du die Sache siehst, aber so lange du nicht seine Frau bist und somit mehr "Gewicht" hast, könnte das die Problematik noch verstärken und du zwischen die Fronten kommen. Letztendlich ist es deine Entscheidung, aber vielleicht fragst du das deinen Freund vorher.

      Die Therapeutin klingt komisch, aber ich kenne sie ja nicht...Therapieerfolg ist ja immer individuell. Je nachdem, wo sie ansetzt, kann es ja sein, dass sie schon zufrieden ist, wenn er weiß was er will und wie er es bekommt. Andere - ohne Namen zu nennen - benötigen noch Hilfe beim Umgang mit schwierigen Kollegen oder kommen ständig mit dem Vorgesetzten in Konflikt, was durchaus mit dem ADS zu tun haben kann, aber nicht muss. Als Betroffener ist das nicht unbedingt von einander zu trennen, ohne Hilfe von außen.

      Als Partner kannst du "nur" für ihn da sein, aber du musst dir und ihm auch Grenzen setzen, was er dir alles aufbürden kann. Überleg dir, was eine gesunde Beziehung für dich ist, und wie weit du gehen willst, um ihm zu helfen - aber auch, was du von ihm erwartest, damit es nicht zu einer Schieflage kommt, und du ihm nachher nicht grollst, weil du alles für ihn umwirfst und stehen lässt.

      Ich will wirklich nicht viel zu der Beziehung sagen, denn ich kenne euch nicht. Für mich persönlich ist der beste Partner jemand, der unterstützt ohne belehrend zu werden, der zuhört ohne zu verurteilen, und den anderen annimmt wie er ist, ohne ihn verändern zu wollen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „MizIsa“ ()

      Alles, was MizIsa hier niedergeschrieben hat, würden Dir mindestens zehn andere Forenmitglieder, die ich vor Jahren kennenlernen durfte :) auch zum Nachdenken mit auf den Weg geben. Ich jedenfalls tu' es :)

      Das Leben als ADSler fühlt sich manchmal bis immer so an, als wäre man nicht in der Lage ... sich normal, vernünftig, angemessen, den Anforderungen der Welt entsprechend, die eigenen Mögkichkeiten ausschöpfend ... zu verhalten. Ich glaube, ein ADSler hat es besonders schwer, sich SO anzunehmen, wie er nun mal ist. Und wie MizIsa es ähnlich beschrieb, ist ein hilfreicher Verwandter, Partner, Therapeut ein solcher, der vermag, ihn darin zu UNTERSTÜTZEN.

      Und wenn das gelungen ist und die Liebe fließen kann ... erst dann kann es sich gut und einfach anfühlen zwischen den Menschen und es wird egal, ob jemand Physiker geworden ist oder nicht, Restaurator oder nicht, Festangestellter oder nicht, Verkäufer oder nicht ...

      Ich selbst habe zB zwar mal studiert, aber die meiste Zeit meines Lebens mit Zeitungsverkaufen meinen Lebensunterhalt verdient. Dabei war ich frei - und das war für mich wichtiger als meinen Intellekt immer wieder unter Beweis stellen zu müssen.

      Nun gut, ich wollte nur verstärken, was MizIsa geschrieben hat und auf diesem Wege alle mal wieder grüßen :)
      Liebsten Dank Euch beiden. Ab und zu denke ich im Alltag an deine Zeilen und versuche Sie umzusetzen... nicht einfach-absolut nicht....

      Mit den Grenzen in der Beziehung ist so 'ne Sache. Ich habe auch schon von verschiedenen Quellen gehört, dass man in Beziehungen Grenzen (au dem ADSler gegenüber) aufzeigen sollte. Aber er will z.B vor allem wegen dem ADS NICHT bemitleidet oder bevormundet werden. Und ich finde die Grenzen tendieren leicht dazu.
      Aber klar daran "arbeite" ich auch ;-)

      Vielen Dank nochma für die vielen Gedanken und Ratschläge! Jetzt bin ich doch beruhigter *biggrin*
      LG

      (Zu den Fragen: Jep, seine Schwester hat. Vater oder Mutter, wissen wir nicht. Es wird vermutet die Mutter - das macht es doch noch schwieriger)
      Mit Grenzen ist nur gemeint: Was ist für dich ok, was darf er wann und wie zu dir sagen (Tonfall, Themen, Situation) und was nicht? Was bist du bereit für ihn zu tun, wo hört es für dich auf? Was ist ein absolutes no-go?
      Das hat erst mal nix mit ADS zu tun, sondern mit normalem Verhalten in einer Beziehung.
      Du bist ja nicht mit dem ADS zusammen, sondern mit deinem Freund, der ADS hat.

      Verstehst du was ich mein? ;-)