Familie, Famlie und ADS/Asperger

      Familie, Famlie und ADS/Asperger

      Hallo und Guten Tag,

      meine Frage oder meine Problemstellung möchte ich nicht nur ADSlern stellen, sondern der Allgemeinheit.
      Mein Verlobter hat ADS und vermutlich Asberger Syndrom (so die Therapeutin!!). Nachdem er sein Studium unterbrochen hat, hat er sich allein auf die Socken gemacht und Arzt/Therapeuten aufgesucht, was mit "seinem Kopf" nicht in Ordnung wäre. Wir informieren uns über Foren (dieses Forum hier hat mich schon oft getröstet) und Internetseiten/Youtube. Ich finde es von seiner Seite schon bemerkenswert :love:

      Soweit ich weiss ist ADS und Asberger vererbbar. In seiner Familie gibt es Vater, Cousin, die Symptome haben, die sogar stärker sind als seine.
      Aber seine Familie verschweigt es eher. Vielleicht ist es peinlich - keine Ahnung!
      Aber es betrifft immerhin mind . 3 Leute (einer davon ist noch jung) !!!
      Ich weiss, dass man keinen zwingen kann!

      Aber Familie /Mutter/ Vater/ Oma sollten doch wenigsten hingucken möchten/ wollen ?? :greenconfused:
      Er und ich fühlen uns hängen gelassen. Es kostet viel Energie seine Familie dazu zu motivieren, sollten wir es trotzdem versuchen??
      Und wie?? Oder gleich vergessen und nur auf uns achten??
      :greenconfused:

      Liebsten Dank!
      <p>Hallo Helferling,</p>

      <p>das ist ein ech hei&szlig;es Eisen.&nbsp;</p>

      <p>Ich erz&auml;hle mal von mir. Ich galt in meiner Familie immer als faul und irdendwie anders. Von meiner Mutter kamen gemeinhin so gute Ratschl&auml;ge wie: &quot;Lass Dich doch nicht so h&auml;ngen!&quot; und die Mahnung: &quot;Was sollen denn die Leute denken?&quot; Motivation durch meinen Vater sah so aus, dass er mir immer vorgehalten hat, wer was alles besser kann als ich und ich mich doch immer an den Besseren orientieren soll. Selbst als ich die H&uuml;rde dann mit &uuml;ber 30 genommen habe und zum Psychiater gegangen bin, (meine Eltern sind der Meinung, dass nur Bekloppte zum Mackenarzt gehen....) war da kein bisschen Verst&auml;ndnis. Das sei ja nur der innere Schweinehund, den h&auml;tten schlie&szlig;lich alle.</p>

      <p>Im Nachhinein habe ich da noch ein paar Informationen zusammengetragen. Es gab Suizidversuche, Psychopharmaka und so weiter auch bei meinen Eltern. Auch Alkohol ist da ein GROSSER Faktor. Aber dar&uuml;ber spricht man nicht. Was sollen denn die Leute denken? Meine Schwester war der Meinung, dass es mir mit meiner Frau und meinem Kind (damals erst 6 und noch keine Autismusdiagnose) besser gehen w&uuml;rde, wenn ich das Kind einfach mal ordentlich &uuml;bers Knie legen w&uuml;rde. Bei ihr und ihren Jungs (mit ADHS-Diagnose) laufe dadurch alles viel reibungsloser.</p>

      <p>Mir geht es erst massiv besser, seit ich keinen Kontakt mehr zu meiner Ursprungsfamilie habe.</p>

      <p>Aber das ist mein Weg, und es hat anfangs wirklich weh getan diesen Schritt zu gehen. Das war verdammt schwer.</p>

      <p>Wenn das Problem konstant weg geleugnet oder verschleiert wird, ist es schwer da ein Bewu&szlig;tsein zu wecken. Ich habe es wie gesagt irgendwann aufgegeben. Zumal die Schuld an allem, was &quot;mit mir los ist&quot; meiner Frau in die Schuhe geschoben wurde. Sie habe mich total verdorben.</p>

      <p>Zuerst sucht Euch einen Psychiater, der sich mit dem Thema etwas auskennt. Allerdings war das selbst in Berlin nicht ganz einfach. Dann besprecht dort, welche Therapie-M&ouml;glichkeiten es so gibt. Auch das ist nicht ohne.&nbsp;</p>

      <p>Mir hilft es enorm, das Thema ganz offen zu besprechen.Die Seele ist genauso ein &quot;Organ&quot; wie der Magen. Wenn der Magen irgendwas nicht vertr&auml;gt, ist das ja auch nicht peinlich. Redet miteinander. Keine Vorw&uuml;rfe machen, sondern im Blick behalten, wo ihr gerade steht und wie es weiter geht. Keiner ist &quot;schuld&quot;, aber ihr m&uuml;&szlig;t euch das Leben den Umst&auml;nden anpassen, damit ihr es einigerma&szlig;en bequem darin habt.&nbsp;</p>

      <p>Bei Fragen oder einem Ohr zum ausheulen, gerne hier oder per PM.</p>

      <p>&nbsp;</p>

      <p>Der M.</p>
      Stell Dir doch bitte einfach vor, hier stünde hier etwas intelligentes/lustiges.
      Danke.
      Vielen Dank "Der M.",

      einfach so aus deinem Leben zu erzählen, hat mir so Einiges gezeigt.
      Wie du schon gesagt hast: Es tut weh und schmerzt sich von der Familie abzuwenden, wenn ADS/Asperger geleugnet wird. Man fühlt sich hängen gelassen und das von der eigenen Familie (ja, das ist Ponyhof-denken :whistling: )

      Aufgeben und von der Familie abwenden, werden wir noch nicht. Da gibt es noch den Cousin, der noch vllt Verständnis braucht.
      Und du hast Recht: Keine Vorwürfe, keine Schuld und uns den Umständen anpassen.
      Es ist noch ein langer Weg bis wir es "bequem haben", aber bei dir scheint es ja auch ein langer Weg gewesen zu sein.


      LG
      Immer wieder gerne, Helferling.
      Wir sind da immer noch am formen und anpassen. Von unserer siebenköpfigen Kernfamilie sind bisher fünf diagnostizierte Verhaltensexoten.
      In der großen, aber doch viel zu kleinen Wohnung hab ich öfter mal das Gefühl zu ersticken.
      Aber: Reden hilft! Das predige ich auch meinen Kindern immer wieder. Leider neigen meine Autisten dazu eben das nicht zu tun, besonders wenn die nerven schon etwas strapaziert wurden. Dann liegt es an mir Verständnis aufzubringen. Klappt ganz oft erst im Nachhinein. Da ist dann eine gegenseitige Entschuldigung fällig und dann zurück auf Anfang.
      Das kostet Kraft und Nerven, aber eine Alternative sehe ich im Moment nicht.
      Stell Dir doch bitte einfach vor, hier stünde hier etwas intelligentes/lustiges.
      Danke.