Umschulung machen oder Firma übernehmen?

      Umschulung machen oder Firma übernehmen?

      Hallo zusammen,

      ich bin im Moment in einem Zwiespalt was meine berufliche Zukunft betrifft.

      Ich bin 28, habe die Mittlere Reife mit der Note 2,5 und bekam nie die Chance eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich zu machen.

      2012 wurde mir vom Jobcenter eine Stufenumschulung bewilligt. 6 Monate Weiterbildung zur Büroassistentin und anschließend Einstieg in die Umschulung zur Bürokauffrau.
      Die 6 Monate, in denen ich auch in der Umschulungsgruppe drin war, waren echt hart. Täglich 8 Stunden lernen, lernen, lernen bis zum erbrechen. Der Druck, die Klausuren packen zu müssen. Ich tat mich echt schwer. Manchmal schaffte ich nur ne 4 oder versemmelte es völlig. Eine 2 oder besser schaffte ich nie.

      Wie nicht anders zu erwarten fehlten nach 6 Monaten plötzlich die Gelder für eine Verlängerung auf 24 Monate. Es war Schluss.

      Im Februar 2013 fing ich an mit meinem Vater zusammen zu arbeiten der als Dachdecker ein Gewerbe angemeldet hatte. Ein Reparaturbetrieb. 450 €-Basis. 1-2x/Woche. Natürlich ein ganz anderer Bereich, aufm Bau. Aber prima bezahlt.
      Da bin ich bis heute und es macht auch Spaß. Nun fragte mich mein Vater schon mehrmals ob ich Interesse hätte einige Velux-Zertifikate zu erwerben. Mit denen in der Tasche kann ich selber zu den Kunden fahren und kleine Dachfenster einbauen oder kleine Reparaturen zu machen, die aber gutes Geld bringen. Ich hätte die Chance den Betrieb irgendwann in den nächsten Jahren zu übernehmen.

      Parallel dazu hab ich evtl. nochmal die Chance ne neue Umschulung zu machen (Diesmal ganz sicher 24 Monate^^) Aber ich bin ganz ehrlich, Leute. Ich bin mir echt unsicher ob ich es schaffe, die Umschulung mit halbwegs passablen Noten zu überstehen. Die 6 Monate waren schon echt hart.

      Umschulung würde bedeuten, dass ich den Job bei meinem Vater definitiv los bin. Evtl. auch noch umziehen muss wenn ich den Träger wähle bei dem ich die Büroassistentin gemacht habe.Würde auch extrem viel Lernstress bedeuten und viel Druck die Prüfungen schaffen zu müssen.

      Oder schlage ich den anderen Weg ein und baue mir eine Riesenchance auf den Betrieb meines Vaters fortzuführen, mit einem kompletten Kundenstamm und der Sicherheit mit kleinen Aufträgen richtig gut zu verdienen?

      Ich stehe am Kreuzweg. Wo soll ich hin?
      Ich habe etwas Schwierigkeiten mit dem Begriff "riesig gut verdienen". Als Handwerker kann man sicher gut existieren, wenn man die richtigen Entscheidungen trifft. So kann eine solche Entscheidung sein, so etwas wie gehobene "Flickschusterei" zu betreiben. Geflickt werden muss immer, für größere Betriebe ist das aber oft nicht lukrativ.

      Wenn man dagegen einen größeren "Laden" führen will, dann geht das heutzutage nicht mehr ohne bessere kaufmännische Kenntnisse und ohne Mitarbeiter. Mitarbeiter wollen aber regelmäßig bezahlt sein und brauchen eine Chefin mit Durchsetzungsvermögen, mit Initiative, und wie gesagt mit guten Kenntnissen in BWL und Recht (Arbeitsrecht, Wettbewerbsrecht, Vertragsrecht, Steuerrecht...). Und Fachkenntnisse dürfen auch noch da sein. Viele Handwerker scheitern heute an diesen Anforderungen.

      Ein spezialisierter 1-Frau-Betrieb hat sicher gute Chancen, gerade weibliche Kundschaft könnte gut auf eine Frau reagieren. Das Einkommen ist dann aber sicher überschaubar. Richtig gut verdienen, also ein reales Netto deutlich oberhalb von 2500 Euro, kann man aber nur, wenn man gleichzeitig ein guter Handwerker und Kaufmann ist. Liegen diese Voraussetzungen vor?
      Hallo Romi,

      ich würde sagen egal welchen Weg du einschlägst du musst zu 110 Prozent dahinter stehen und es muss dir auch Spaß machen.
      Wenn ich herraus lese was du so geschrieben hast ist dir die Sicherheit aktuell lieber mit Kundenstamm usw andersweilig reizt dich wohl die Bezahlung nach der Umschulung doch die Umschulung an sich ist dir ein Dorn im Auge und bereitet dir magenschmerzen.
      Wenn man erfolgreich im Job ist kommt das Gehalt auch irgendwann an deinen Wunsch Gehalt ran denke ich..
      Ich kann dir nicht empfehlen etwas Zutun denn das mußt du entscheiden aber wenn du mich fragst was ich machen würde wäre es erstmal ohne Umschulung erstmal Erfahrung sammeln im Beruf und nachher wenn ich mich sicherer fühlen würde hätte ich immer noch die Chance eine Umschulung zum machen und das mit Wind im Rücken..
      LG
      @Romi
      Ich würde ja dazu tendieren, dass Du bei Deinem Vater bleibst, weil ich denke, dass es zukunftsträchiger als Bürokaufrau ist.

      Aber vor allem würde ich das nicht für eine Umschlung zu Büroassistentin (also schlechter als Bürokauffrau?) aufgeben - denn nur die Umschulung alleine garantiert Dir keinen Job. Und Du hättest dann nur eine schulische Ausbildung statt eine betriebliche, wo der Azubi im Betrieb lernt und so schon die erste Beruserfahrung sammelt, oder?

      Davon mal abgesehen, ist Bürokaufrau ist sowieso komplett überlaufen, vor allem wirst Du dann bei Bewerbungen mit Leuten in Konkurrenz treten, die so alt sind wie Du, aber eine betriebliche Ausbildung direkt nach der Schule gemacht haben und schon mehrere Jahre in dem Bereich gearbeitet haben.

      Deshalb denke ich mir, bist Du besser dran, wenn Du bei Deinem Vater bleibst und wenn Du Schulungen machst, nur die in diesem Bereich passen. Vielleicht solltest Du dann lieber eine Dachdecker Umschulung machen... oder etwas, was Dir die betriebswirtschaftliches Fachwissen zur Führung eines Betriebes bringt..

      Natürlich könnte es noch Faktoren geben, die Du vielleicht nicht erwähnt hast, wo es dann doch besser wäre, die Umschulung zu machen. Deshalb würde ich sagen, erstelle Dir eine pro&contro Liste und sprech mit Leuten die sich auskennen. Also z.B. wie es ist, eine Betrieb zu führen.. wie Dein Arbeitsmarktwert mit dem vorraussichtlich erreichten Noten nach Abschluss der Umschulung wären usw.
      Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.
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