Dornröschen will nicht mehr schlafen

      Dornröschen will nicht mehr schlafen

      Das Diadem überstrahlte das goldene Blond ihrer Locken, die ihr zartes Gesicht in einem perfekten Kranz umflossen. Ihr Gesicht mit den sanft rosa Lippen, etwas blass aber mit leicht geröteten Wangen, ein wenig erschöpft von dem langen Schlaf. Sie spürte ihre Prinzessinnenhändchen gefaltet auf ihrem Brustkorb, der sich gleichmäßig bewegte, wie die stillen Wogen auf einem unendlichen Meer. Tag um Tag, Jahr um Jahr. Sie hatte eine vage Vorstellung, wie sie wohl aussehen mochte, aber es war unwichtig. Sie nahm den Rosenduft wahr und merkte die Sonne, die sich durch das dichte Dornengeflecht und dem luftigen Vorhang hier und da ihren Weg suchte, aber auch das war unwichtig.

      Wichtig war nur der Traum. Das war ihre Welt. Hier hatte sie die Macht über die Dinge und konnte sie gestalten, wie es ihr beliebte. Jetzt gerade beugte sich ihr Prinz über sie. Er war stark, diesmal dunkelhaarig mit Augen so schwarz, als hielten sie alle Geheimnisse des Universums zusammen. Unglaublich gut aussehend war er, mit kantigen, männlichen Zügen. Dornröschen sah ihr gesamtes Leben an der Seite dieses Mannes vorbeiziehen. Sie sah sich über die Felder und Auen reiten, neben ihm würdevoll auf dem Thron sitzen, ausgelassene königliche Feste zelebrieren, lachen und glücklich sein - jeden einzelnen Tag, jede Sekunde ihres restlichen Lebens glücklich sein.

      Ein hässliches Knarren riss sie aus ihren Träumen, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Poltern und einem metallischen Scharben. Es klang als hätte jemand die Tür aufgestoßen, wäre ins Zimmer gestürmt und hätte die Vorhänge vom Fenster aufgerissen.
      Kämpfe um das, was dich weiterbringt. Akzeptiere das, was du nicht ändern kannst und trenne dich von dem, was dich runterzieht.

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      'Oh, nein!', dachte Dornröschen bei sich, die Augen fest verschlossen. 'Nicht schon wieder einer dieser Prinzen!'
      Sie hatte aufgehört sie zu zählen. Sie waren alle schmächtig, fast schon dürr, ihren Schwertern nicht unähnlich mit denen sie ihren Weg durch das Dornengestüpp bahnten. Alle hatten rote Milchbubengesichter und alle trugen eine Prinz-Eisenherz-Frisur. Lediglich die Farbe variierte, sowohl die ihrer Haare als auch die Schattierung ihrer Gesichter.
      Dornröschen holte tief Luft, um den Prinzen aus ihrem Gemach zu verweisen, öffnete die Augen... und schloss den Mund.
      'Dornröschen!!! So geht es nicht weiter!!!' Die Stimme einer häßlichen, schwarz gekleideten Frau krähte in ihr Ohr. Das Ende ihres Spitzhutes wibbte aufgeregt im Takt ihrer Worte. Neben ihr eine schlanke Frau in einem weißen, wallenden Gewand und einem Spitzenschleier im Haar. Das Gesicht dieser Frau war schön, aber nicht minder streng verkniffen. 'Wir haben es satt!', sagte die weiße Frau mit sanfter aber nicht minder strenger Stimme. 'Du verdirbst das ganze Märchen!'
      'Geht weg!' sagte Dörnröschen ungerührt, nachdem sie sich gereckelt und sich die Augen gerieben hatte. ' Ich will schlafen.'
      'Genau das ist es!' krächtste die schwarze Frau. 'So geht das Märchen doch gar nicht.'
      'Hundert Jahre habe ich gesagt! Hundert Jahre und keine Hunderfünfzig!' schimpfte die weiße Frau.
      Kämpfe um das, was dich weiterbringt. Akzeptiere das, was du nicht ändern kannst und trenne dich von dem, was dich runterzieht.
      Und es macht überhaupt keinen Spaß böse zu sein, wenn du dich nicht an die Spielregeln hältst.' zeterte die andere weiter.
      'Geht weg!', sagte Dornröschen erneut und diesmal mit Nachdruck.
      'Nichts werden wir! Wir schmeißen dich raus!', schimpfte die schwarze Fee.
      Dornröschen richtete sich empört auf. 'Nichts werdet ihr! Das ist mein Märchen!'
      'Und ob wir das werden, Schätzchen!', hörte Dornröschen die schwarze Frau schimpfen. 'Eins, zwei, drei und du sitzt in der Wüste.'
      'Nein, nicht die Wüste. Der Wald, das ist stilvoller', entgegnete die weiße Fee.
      'Die Wüste ist aber angebrachter.'
      Die Prinzessin ließ sich wieder auf die Kissen fallen und schloss die Augen. Eine angenehme Schwere überzog ihren Körper, so vertraut und friedbringend. Ihre beste Freundin. Irgendwo in weiter Ferne hörte sie die beiden Feen streiten und dann sich immer weiter entfernend die Stimmen der beiden: 'Es reicht!'
      'Ihr könnt mir gar nichts,' murmelte Dornröschen. 'Das ist mein....
      Kämpfe um das, was dich weiterbringt. Akzeptiere das, was du nicht ändern kannst und trenne dich von dem, was dich runterzieht.
      *

      ...Märchen.' Ihr letztes Wort ertrank im lauten Rattern des Zuges. Die Welt flog an ihr vorbei. Es war weder eine Wüste noch ein Wald zu sehen. Eigentlich war gar nichts zu erkennen, so schnell änderte sich die Umgebung vor dem Fenster.
      Eine furchtbare Wut überspühlte ihr schläfriges Prinzessinengemüt wie eine Ohrfeige. Sie war hellwach! 'Die haben mich aus meinem Märchen geworfen!!!!', empörte sie sich laut.
      'Gibt Schlimmeres!', antwortete eine Stimme hinter einer Zeitung gegenüber. Die Zeitung bewegte sich schunkelnd im Takt des Zuges. Sie gehörte einem Mann, der jetzt die Zeitung zurückschlug und sie ansah. Er sah aus wie einer dieser Prinzen, nur, dass ihm die Prinz-Eisenherz-Frisur fehlte. Er hatte auch kein rotes Gesicht, es war mehr grau und er sah auch nicht unbedingt aus wie ein Milchbube. Eigentlich sah er überhaupt nicht aus wie einer dieser Prinzen, aber Dornröschen nahm sich vor, das gepflegt zu übersehen.
      'Gibt wirklich Schlimmeres!' wiederholte er. 'Zum Beispiel hat Friedhelm Schmidt zum dritten Mal hintereinander das Spiel verloren. Ich bin ja der Meinung er ist schon längst über seinen Zenit. Alle geben dem Dackel die Schuld, aber ich bin fest davon überzeugt...'
      'Was reden Sie denn da?!', verständlicherweise war unsere Prinzessin nicht in bester Laune.
      'Na, das nächste Spiel! Sie fahren doch auch hin? Was sollte man sonst in diesem Zug?'
      'Verschwinden Sie, Mann!' Ihre Stimme war herrisch und sie bemühte sich so böse zu gucken, wie es ihr Prinzessinnengesicht zuließ.
      'Bin ja schon weg! Ich weiß ja, dass ihr Friedhelm Schmidt Fanatiker eine militante Ader habt, aber ein wenig Freundlichkeit...'
      'LOS!!!!'
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      Kopfschüttelnd und Unverständliches brummelnd verließ der Mann das Abteil und Dornröschen suchte in ihrem Beutelchen an ihrem Prinzessinnenkleid ihren Handspiegel, betrachtete sich aus verschiedenen Perspektiven, Kniff ihre Lippen zusammen und ordnete ihr Diadem in den Locken.
      'Was guckst du so böse! ' fragt sie ihr Spiegelbild.
      'Dornröschen, du bist richtig in Schwierigkeiten.' antwortete es besorgt. 'Besser, du suchst dir jetzt auf dem schnellsten Weg irgendeinen Prinzen, sonst wird die ganze Geschichte wirklich ungemütlich.'
      Das war nicht genau das, was Dornröschen jetzt hören wollte und steckte ihren Spielgel wütend in das Beutelchen zurück.
      'Ich werde gar nichts,' sagte sie sich. 'Ich werde jetzt erstmal eine Runde schlummern.' Sie ließ sich in den Sitz fallen, verschränkte die Arme vor ihrer Brust und schloss die Augen

      --Fortsetzung folgt--
      Kämpfe um das, was dich weiterbringt. Akzeptiere das, was du nicht ändern kannst und trenne dich von dem, was dich runterzieht.
      Die Tür des Abteils öffnete sich und ein Schatten fiel auf Dornröschens geschlossene Augen. Es blinzelte und sah, den großen, starken, diesmal blonden Prinzen, der sich sanft über sie beugte, seine Lippen spitzte und sie heftig schüttelte.
      Dornröschen schlug die Augen auf und sah in das ungehaltene Gesicht einer pummeligen Frau in einer lächerlichen Uniform. 'Ihren Fahrschein!', zischte sie.
      'Meinen was?!', murmelte Dornröschen schlaftrunken.
      'Kommen sie mir nicht so junge Frau. Sie wären jetzt schon die Dritte ohne Fahrschein. Ich habe wirklich keine Lust mehr mir irgendwelche dämlichen Ausreden von irgendwelchen Friedhelm Schmidt Fans anzuhören! Einer ihrer Kollegen im anderen Abteil sagte mir gerade, sein Nachbar hätte seinen Fahrschein aufgegessen! Ich bin in ganz schlechter Stimmung! Fahrschein!!!'
      Dornröschen spührte wie die Empörung ihre Arme hochkrochen. 'Sagen Sie mal,' hob es an , so würdevoll es die Situation eben zuließ. 'Wissen Sie eigentlich mit wem Sie hier sprechen?!'
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      Der Bahnsteig auf den sie gestoßen wurde quoll über vor geschäftigem Treiben. Alle wirbelten und sprachen ohne erkennbare Richtung wild durcheinander. Auffällig war die große Gruppe dunkelbraun gekleideter Menschen. Einige hatten T-Shirts an mit Sprüchen wie.: 'Friedhelm Schmidt 2013! Ich war dabei!' oder ' Friedhelm Schmidt Saison 2000!' oder ' Hugo, Bello, Hasso oder Walli? Friedhelm Schmidt bekommt sie alli!' Die Grupper der Leute war sehr groß, eigentlich bestanden der komplette Bahnsteig aus Personen, die nicht nur seltsame T-Shirts trugen, sondern auch seltsame Lieder sangen. In erster Line sagen sie nach, was einer, wahrscheinlich der Anführer, vorgab. Vorsänger: 'Friiiiiiiiiedhelm!!!' und alle: Schmiiiiiiiiihiiiiiiidt! Dann wieder der Vorsänger: Friiiiiiiiiedhelm!!!! und wieder die anderen: 'Schmiiiiiiiiihiiiiiiidt! usw. Ein Lied was alle mitgröhlten ging: Der Dackel, der Dackel, der Dackel denkt er kann's. Doch Friiiiiiiiiedhelm, doch Friiiiiiiiiedhelm, der macht dem Dackel dampf. Los Dackel, spring, spring schnell über die Klingen, dann können, wir dann können wir unsren Schmidt besingen!' Ein anderes Lied ging so: Bananen sind ja so gesund! Fanta Mango schwappt über das Meer!' Es war wie eine riesige Party und alle schienen einen riesen Spaß zu haben. Dessen ungerührt griff unsere Prinzessin in ihren Beutel, holte ihren Spiegel hervor, rückte ihr Diadem zurecht, nickte ihrem Spiegelbild aufmunternd zu und sagte: 'Ich suche mir jetzt meinen Prinzen.' Ihr Spiegelbild nickte ihr zufrieden zurück.
      *
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      Das Schloss vor dem sie Stand war riesengroß mit einem Fuhrpark häßlicher, eckiger, klobiger Kutschen. Das ganze Schloß war klobig, eckig und häßlich, aber Dornröschen wollte seine Ansprüche ein wenig zurückschrauben, wenn ihr nur der Prinz gefiele.
      'Wache?!!!', sprach sie den Mann an, der in einem Glashäuschen saß und ein Butterbrot verspeißte.
      Er öffnete ein gläsernes Fenster und beugte sich zu der Prinzessin. 'Hä?!'
      'Was zum Henker ist das?' Sie deutete auf die seltsamen Kutschen.
      Er sah sie verständnislos an. 'Sie meinen die LKWs?'
      'Wozu braucht der König solch goße, schmutzige Wagen? Warum lebt er in einen solch häßlichen Schloss und hat er vielleicht einen Sohn, den ich heiraten könnte?'
      'Hä?!'
      'Guter Mann, könnte ich vielleicht eine Audienz beim Herrscher dieses Schlosses bekommen?', sprach Dornröschen dem Mann großzügig die Dummheit nachsehend.
      'Der Herrscher?! Sie meinen den Niederlassungsleiter? Einen Moment.'
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      'Tut mir leid, aber einen Königssohn führen wir hier nicht. Wir sind ein Paketdienst,' sagte der Mann hinter dem Schreibtisch. Er sah fast aus wie einer dieser Prinzen, nur, dass ihm die Prinz-Eisenherz-Frisur fehlte. Er hatte auch kein rotes Gesicht, es war mehr grünlich und er sah auch nicht unbedingt aus wie ein Milchbube. Auch er sah im Grunde überhaupt nicht aus wie einer dieser Prinzen, aber Dornröschen nahm sich auch diesmal vor, das gepflegt zu übersehen. 'Wir können jedoch etwas Hilfe gebrauchen.,' sprach er weiter. 'Das würde Ihnen etwas Geld einbringen und dadurch die Suche nach einem Prinzen vielleicht ein wenig erleichtern. Sie wissen ja noch nicht, wie lange sie hier nun feststecken werden und mit was für einer Art Fluch sie behaftet wurden.'

      Und so fand sich unsere Prinzessin in einer lauten Lagerhalle wieder, stand an einem Band mit einer Scanpistole in der Hand und scannte die Barcodes der Pakete. Es dauerte nicht lange und sie begann zu lieben, was sie tat. Die Pakete kamen aus der ganzen Welt und gingen an die exotischten Orte und hatten unglaubliche Geschichten zu erzählen. Ein Paket erzählte ihr, es sei schon über zwei Jahre unterwegs, weil der Empfänger durch die Welt zieht und jedesmal bei der Anlieferung bereits das Land verlassen hätte. Es war von einer Person verschickt worden, die den Empfänger so sehr mag, dass sie ihn überraschen wollte und nach jedem vergeblichen Versuch, den erneuten Aufendhaltsort herausbekam und das Paket erneut auf die Reise schickte.
      In erster Linie liebte sie aber, dass die Arbeit so dumm war, dass sie alle Zeit d er Welt zum Träumen hatte. Keiner beschimpfte sie, keiner trieb sie an, keiner verlangte etwas von ihr. Nur eine Sache machte sie nachdenklich.
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      Die Kollegen waren witzig, nett, hilfsbereit und erzählten Anekdoten aus ihrem Leben oder auch vom Spiel der Spiele, in dem -in erster Linie Friedhelm Schmidt- einen Dackel über die Klinge springen ließ. 'Jetzt erzähl mal was spannendes aus deinem Leben.' meinten sie. Dornröschen konnte nur die Achseln zucken. Es gab nichts zu berichten. Sie hatte 150 Jahre verträumt und nichts erlebt, was man erzählen konnte. Ein ganz klein wenig wurde sie traurig, um aber sofort wieder in den wunderbaren Geschichten ihrer Kollegen einzutauchen.

      Eines Tages ging ein Raunen durch Mittarbeiter und Pakete. Links und rechts der Entladetore hatten sich Wachen postiert und legten mit würdevollen Bewegungen ein langes Paket auf das Band. 'DAS IST DAS SCHWERT DES GROßEN FRIEDHELM SCHMIDT!'
      'Was ist denn nun so besonderes an diesem Friedhelm Schmidt?!', fragte Dornröschen.
      'Keiner lässt den Dackel so elegant über die Klinge springen...' begann das Paket.
      'Ja, ja! Aber was ist daran so besonders? '
      'Es ist Friedhelm Schmidt!!!!', antwortete das Paket, als ob das alleine schon eine Antwort
      wäre.
      'Ich bin Dornröschen und eine echte Prinzessin und es hat mir bis jetzt nichts gebracht. Ich bin aus meinem Märchen geworfen worden und aus dem Zug und einen vernünftigen Prinzen finde ich auch nicht.'
      'Ach, du Arme!', sagte das Paket. 'Aber ich werde dir etwas erzählen. Anfangs war ich nur ein einfaches , unbedeutendes Schwert und nun bin ich die Waffe des Meisters persönlich! Man darf nur nicht aufhören zu Suchen. Eines ist jedoch sicher, hier wirst du deinen Prinzen nie finden, du musst unter Leute. Komm doch morgen zu dem nächsten Spiel.'
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      Am Arbend ging die Prinzessin nach Hause in ihren Pappkarton. Eine Wohnung konnte sie sich noch nicht leisten. Brauchte sie ja auch nicht, da das königliche Schloss mit dem dazugehörigen Königssohn nur noch eine Frage er Zeit war. Sie blickte ein letztes Mal für diesen Tag in ihren Spiegel und lächelte sich zu. 'Es ist eine gute Idee zum Spiel zu gehen,' sagte sie. 'Ja,' antwortete ihr Spiegelbild. 'wenn Friedhelm Schmidt dir gefällt, ist er ein würdevoller Ersatz für einen Prinzen.'
      Ihr Spiegelbild hatte ihr zugelächelt und sie war seit langer Zeit zufrieden mit der Welt. Dornröschen streckte sich in ihren Karton aus, schlang ihre Arme um ihre Brust und schloss die Augen.
      --Fortsetzung folgt--
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      So, weiter geht's.

      Der Prinz wirkte wild mit seinen roten Haaren obwohl er sie gesittet und gepflegt zu einem Zopf gebunden trug. Er musste sich tief über sie beugen, was nicht nur der Zuneigung zu ihr sondern auch der enge des Kartons geschuldet war. Bevor jedoch sein Mund den ihren berühren konnte, durchzuckte ein messerscharfer Gedanke ihr Gehirn. Heute ist Samstag! Heute ist das Spiel. Sie riss die Augen auf und war allein. Ihr Hrerz schlug wild ob der Vorfreude.

      Die Kollegen trugen dunkelbraune T-Shirts mit seltsamen Sprüchen. Sie standen versammelt vor einem kleinen Container, den sie Fan-Projekt nannten. Dornröschen strich ihr Prinzessinenkleid zurecht, rückte ihr Diadem an die richtige Stelle und stellte sich zu der laut schwatzenden, singenden Gesellschaft.
      'Oh, du bist neu hier!' Ein Mann stellte sich an ihre Seite. 'Herzlich Willkommen, ich bin Udo.' Er sah fast aus wie einer dieser Prinzen, nur, dass ihm die Prinz-Eisenherz-Frisur fehlte. Er hatte auch kein rotes Gesicht, mehr weiß und er sah auch nicht unbedingt aus wie ein Milchbube. Eigentlich hatte er gar nichts von den Prinzen, die sie retten wollten und Dornröschen kam nicht umhin sich das einzugestehen.
      'Ich bin Dornröschen und bin auf der Suche nach einem neuen Märchen...', begann es.
      'Ja,ja! Das sind wir ja alle.', es gibt ja nicht wenige Menschen, die sagen, die Jahre von Friedhelm Schmidt sind vorbei. Dabei sind es nur drei Niederlagen gewesen. Ich bin der Meinung, da müssen wir durch. Gerade in der Niederlage entwickelt sich der Charakter. Wir werden stärker aus der Krise hervorgehen. Du wirst sehen.Wollen wir reingehen?'
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      Der Container war überfüllt von lauten, schwatzenden und lachenden Menschen. Das Möbiliar bestand aus einem schäbigen Tisch und einer alten Sitzgarnitur, einer kleinen Bar um die Barhocker unterschiedlichster Modelle standen. Ein Meer von Schals hing an der Decke, die Wände waren fröhlich bunt bemahlt und mit Postern beklebt. Plakate die um den Besuch des Stadions warben, Bilder von kleinen niedlichen Hunden mit treudoofen Augen und überall das Portrait eines Mannes, dessen Anblick der Prinzessin den Atem verschlug. Er war riesig und muskulös und blickte kampfbereit auf den Betrachter. Nie zuvor hatte sie solch männliche Züge gesehen. Seine dunklen Haare waren von roten und blonden Strähnen durchzogen und zu einem Zopf gebändigt. Seine Augen waren so schwarz, als bewachten sie alle Geheimnisse des Universums.
      'Wer ist das?', fragte sie, gegen die Musik anbrüllend. Udo sah sie verständnislos an: 'Was, wer ist das?! Na, das ist Friedhelm Schmidt, der King!'
      'Oh, sogar ein König,' murmelte Dornröschen zu sich. 'Umso besser.' Ihr Blick fiel auf das Schwert, auf das der König lässig seine Hände gekreuzt hatte. 'Das habe ich gestern gescannt!', rief sie vergnügt. Das fröhliche Stimmengewirr verstummt augenblicklich und alle starrten sie an. Verunsichert lächelnd blickte sie in die Runde. 'Es war sehr nett,' hob sie an, um etwas freundliches zu sagen. 'Sie hat das Schwert gescannt!', hörte sie jemand raunen. 'Warscheinlich hat sie es sogar berührt,' flüsterte eine andere Stimme. 'Mensch, ist das toll!' Sofort war sie umringt von Leuten, die ihr begeistert die Hand schüttelten, ihr auf die Schulter klopften und sie hochachtungsvoll ansahen. 'Wir sind stolz, dich zu kennen.' 'Willkommen in unserem leinen Fan-Club.' 'Die nächste Runde geht auf mich! Das muss gebührend gefeiert werden.'
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      Die Aufregung verebbte und das fröhliche, ausgelassene Treiben füllte wieder den Container. 'Ist ja irre,' sagte Udo nicht ohne Bewunderung. 'Wenn das kein gutes Ohmen ist!' Dornröschen strahlte, tanzte, trank und sang und fühlte sich so wohl im hier und jetzt wie seid hunderfünfzig Jahren nicht mehr.

      Das Stadion war riesig und ausverkauft. Dornröschen hielt sich verunsichert an einem Glas alkoholfreien Bier fest. Udo hatte ihm eine Bratwurst ausgegeben und sich darüber amüsiert, wie unbeholfen es das Stück Fleisch versuchte in seinen Pinzessinenmund zu befördern. Nun stand es doch tatsächlich wie ganz gewöhnlicher Pöbel zwischen Tausenden von Leuten und starrte auf eine Tanzgruppe, die sich zu tösender Musik rythmisch auf den Rasen bewegte.
      Dann übertönten Fanfaren das Stimmengewirr. 'Let the sunshine in!' Das Gemurmel verstimmte und ein ohrenbetäubender Jubel setzte ein. Aus den Mikrofonen ertönte eine mächtige Stimme. 'Meine sehr geehrten Damen und Herren...werden Sie Zeuge des Kampfes Mann gegen Dackel. Der großartige Friedhelm Schmidt trifft zum vierten Mal hintereinander auf seinen Erzfeind Waldi!' Udo beugte sich zu Dornröschens Ohr. Waldi hat schon dreimal hintereinander den Kampf gegen Friedhelm Schmidt gewonnen. Wenn er diesmal gewinnt, wird Friedhelm vom Thron der besten Kämpfer aller Zeiten gestoßen und dieser widerliche Siegmund Müller nimmt seinen Platz ein. Das wird schrecklich. Die Siegmund Müller Fans sind die schlimmsten Schläger auf diesem Planeten.' 'Ich weiß,' betonte die Prinzessin. Man hatte ihr sowas schon mitgeteilt und es machte sie stolz ein wenig Ahnung zu haben.
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      'Begrüßen Sie nun...!' brüllte ds Mikrofon. Auf dem Rasen schossen Feuerfontainen in die Höhe und bildeten in Spalier durch das nun endlich der Star des Nachmittags trat. 'Friedhelm Schmidt!!!!!!!' schrie das Stadion und versank in einen Jubeltaumel. Friedhelm Schmidt sah genauso umwerfend aus, wie auf dem Plakat im Fan-Projekt. Er hielt sein Schwert zum Gruß hoch in die Menge. 'Und seinen Gegner....!' Ein Mann in einer feierlichen Uniform betrat stolzen Schrittes durch das Feuerspalier das Rund der Arena, einen kleinen braunen Kurzhaardackel auf dem Arm. Stramm setzte er das Tier vor sich auf den Boden und salutierte. Der Dackel hob vergnügt seine Nase und schnüffelte nervös. 'WALDI!!!', kam die Antwort von den Rängen.
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      Dann ertönte der Startschuss.
      Dornröschen musste sich eingestehen, dass es das Spiel äußerst merkwürdig fand. Nicht unintessant zwar, aber ein wenig...nun, sinnentleert. Von einem rationellen Standpunkt betrachtet, bestand keine Notwendigkeit, dass ein imposanter Mann in voller Rüstung und wild ein Schwert schwingend hinter einem kleinen Hund her rannte, der mit hängender Zunge harken schlagend, wild bellend und ab und zu das Beinchen hebend vor ihm flüchtete. Der Hund schien jede Menge Spaß zu haben, Friedhelm Schmidt augenscheinlich weniger. Zumindest bezeugte das sein Gesicht auf der Großleinwand.
      Die Prinzessin war allerdings komplett gefangen von der Atmosphäre, von den Ahhhs und den Oooohs der Menge. 'Gleich hat er ihn!!!', schrie Udo. 'Nein, doch nicht!'
      'Was macht er mit ihm wenn er ihn hat?' wollte Dornröschen wissen.
      'ER läßt ihn über die Klinge springen!', bemerkte Udo beiläufig.
      'Jetzt, jetzt!!! ' Und tatsächlich, nach geschlagenen drei Stunden hatte es Friedhelm Schmidt geschafft das Schwert in den Lauf des Dackels zu werfen. Der Dackel hob seine Beinchen um nicht zu stolpern und sprang.

      Ein Orkan brach über das Stadion los. Die Menschenmenge schrie, tobte, weinte Freudentränen und lag sich in den Armen. Die Prinzessin wurde von der euphorischen Menschenmenge mitgerissen, sie hatte sich aufgelöst,, verschwand in der Menge und war einer von ihnen. Sie strahlte. So musste es sich anfühlen wirklich glücklich zu sein und dabei wusste der König dort unten noch gar nicht, dass er das Glück hatte ihr Prinz sein zu dürfen. 'Who the fuck is Siegmund Müller!', sang das Stadion und Dornröschen stimmte mit ein.
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      'Wo gehst du denn hin? Willst du dir ein Autogramm holen?' fragte Udo als sie sich in eine Menschentraube stürzen wollte, die sich um ein Podest bildete, wo bald der König des Spiels zu seinen Untertanen sprechen wollte.
      'Nein, ich will ihm sagen, das er mich fragen soll, ob ich ihn heiraten will,' antwortete die Prinzessin.
      'Ach, so. Dann ist gut. Friedhelm Schmidt gibt nämlich keine Autogramme.' erklärte Udo ruhig.
      'Da ist er!!!' schrie die Prinzessin durch den Jubel. 'Friedhelm!!!! Hallo!!! Friedhelm!!! Ich bin Dornröschen und will mit dir mein Märchen...' Sie hüpfte aufgeregt auf und ab, aber sie schaffte es nicht seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Nach einiger Zeit gab sie enttäuscht auf.
      Udo tippte ihr auf die Schulter. 'Du kannst ihn anschreiben, dann schickt er dir ein Autogramm. Aber ich hab dir was gekauft zum Trost.'
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      Am Abend in ihrem heimatlichen Karton klebte Dornröschen das Poster von Friedhelm Schmidt über ihre Schlafstelle. Sie war so glücklich und vergnügt. Schade, dass dieser Tag enden musste. Sie freute sich schon auf das nächsten Spiel und hoffte, bald so viel Wissen um Friedhelm Schmidt, Siegmund Müller, Waldi, Hasso und Hugo zu haben, dass sie mitreden konnte. Es gab noch so viel zu lernen. Sie holte ihren Spiegel aus dem Beutel und rückte ihr Diadem zurecht. Es hing ziemlich unprinzessinenhaft schräg auf einer ziemlich unprinzessinenhaften Frisur und ihr Spiegelbild schaute sie grimmig an. 'Dumme Kuh!'schimpfte es. 'Friedhelm Schmidt hat dich nicht einmal angesehen. Wie willst du denn so zu deinem neuen Märchen kommen?' 'Aber es hat so eine Spaß gemacht!' 'Als ob es darauf ankommt! Jetzt geh' schlafen und überlege dir morgen eine Strategie, wie du an Friedhelm Schmidt herankommst.'
      Dornröschen warf ungehalten den Spiegel zurück in den Beutel. Sie legte sich auf den Boden ihres Kartons, schloss die Augen und summte lächelnd: 'Bananen sind ja so gesund...Fantamango schwappt über das Meer.'
      - - -Fortsetzung folgt- - -
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