Dieser Hass auf meine Eltern, weil sie immer meinen Bruder mir vorziehen

      Dieser Hass auf meine Eltern, weil sie immer meinen Bruder mir vorziehen

      Hey Leute!

      Mein Bruder hat als Kind ADHS diagnostiziert bekommen und wurde auch lange behandelt. Immer hat sich alles nur um ihn gedreht. Mich hat er absolut tyrannisert. Aber immer hieß es: Dein Bruder ist krank. Du musst Rücksicht nehmen.

      Jetzt da ich kurz vor der Diagnose ADS stehe und sich die Hinweise auch in meiner Kindheit verdichten bin ich irgendwie so sauer. ich will das gar nicht. Aber ich kann nicht anders. mir gehts quasi seid 15 Jahren immer scheiße. Warum ist vorher keiner auf den trichter gekommen. Warum wollten sie es bei mir nicht sehen. Sie behandeln mich quasi wie eine Aussetzige. Jetzt hat mein Bruder auch noch ein Kind bekommen und ich bin in der Rangordnung direkt noch nen Platz weiter runter gerutscht. Ich liebe meinen Neffen. keine Frage.
      Aber ich werde immer unwichtiger. Ich habe mir vor zwei Jahren Ratten gekauft, damit ich nicht mehr alleine bin. Seitdem kommen mich meine Eltern nicht mal mehr besuchen.
      Ich weiß, dass ich anstrengend bin, aber ich hab sie doch so lieb und sie wollen mich nicht.

      Wenn ich sie darauf anspreche werden sie sauer, weil sie mich nur für eifersüchtig halten. Ich darf auch keinerlei Kritik an ihrer Erziehung äußern. Weil das ist ja so lange her und ich bin jetzt erwachsen und selbst für mich verantwortlich.

      Hat jemand von euch vielleicht ähnliches erlebt? Wie geht ihr damit um?
      Das Gefühl die zweite Geige zu spielen, kenne ich sehr gut.
      Meine Mutter ist Australierin und ist nach der Scheidung mit meinem Vater zurück gegangen. Da war ich 10Jahre alt und meine Schwester 8 Jahre alt (Omas Liebling). Mein Vater hatte mit sich selbst zu tun und so sind wir bei unserer Großmutter aufgewachsen. Mein Opa, mein aller-aller-allerliebster Lieblingsopa ist dann gestorben und so waren wir mit unserer Oma allein und das war wahrhaft kein Zuckerschlecken. Ich konnte machen was ich wollte, ich bekam einfach nie die Aufmerksamkeit, die ich gebraucht hab. Dazu noch das ewige Getrieze, weil ich doch so paddelig bin.

      Ich muss sagen, nach einer langen, langen Zeit zwischen Minderwertigkeitskomplexe, Trauer, Wut, einem Klinikaufenthalt, die Trennung von meinen Zwillingen, bin ich endlich bei mir angekommen. Und ich kann das schreiben, selbst, wenn ich die ADS-Diagnose nicht hätte.

      Das schafft man aber nicht allein. Und deine Ratten, so sehr sie dich mit Sicherheit trösten, sind kein Ersatz für menschliche Zuwendung. Ich würde dir dringend empfehlen Dir Hilfe zu suchen und jetzt, wo du sich die Diagnose abzeichnet, wirst du sehen, dass du nicht allein bist.

      Vielleicht gelingt es dir dann ja auch, dich von deinen Eltern zu lösen. Nein, nicht dass du den Kontakt abbrechen musst, sondern, dass du dich emotional lösen und einfach dein Leben leben kannst.

      Ich wünsche dir ganz viel Glück.
      Kämpfe um das, was dich weiterbringt. Akzeptiere das, was du nicht ändern kannst und trenne dich von dem, was dich runterzieht.
      Danke für deine Antwort.

      Man, nach deiner Geschichte hören sich meine Probleme ganz klein an. Da hast du ja echt ne Menge durch gemacht. :-(

      Also das mit den Ratten ist vielleicht falsch rüber gekommen. Ich hab auch einen Freund und einen großen Freundeskreis. Aber abends, wenn ich alleine bin und das Kopfkino anfängt können die kleinen Nasen mich super ablenken.
      In Behandlang bin ich ja auch schon seit knapp 10 Jahren. Aber wegen Depressionen. Klinik, Tagesklinik, Therapie sämtliche Medis hab ich durch. Hat halt keiner vorher geahnt, dass es ADS sein könnte. Meine Family ja auch nicht.

      Ist halt nur ein blödes Gefühl, wenn man weiß, dass sich die Eltern für den Brüder den Ar*** aufgerissen haben, weil der arme Junge ja so krank war, aber ich quasi mit der gleichen "Krankheit" alleine klar kommen musste.
      Original von InYourFace
      Man, nach deiner Geschichte hören sich meine Probleme ganz klein an. Da hast du ja echt ne Menge durch gemacht. :-(

      Ich glaub, da haben wir alle hier unser Päckchen zu tragen. Immer dieses Gefühl zu haben, irgendwie bist du anders und nicht wissen warum, das hinterlässt Spuren und dann auch noch die Umwelt, die es einem ja nicht einfacher macht. Und dann kommt hier und da noch der eine oder andere Schicksalsschlag hinzu. Du hast dazu eine schöne, passende Signatur. ;)

      Original von InYourFace
      Also das mit den Ratten ist vielleicht falsch rüber gekommen. Ich hab auch einen Freund und einen großen Freundeskreis. Aber abends, wenn ich alleine bin und das Kopfkino anfängt können die kleinen Nasen mich super ablenken.

      Achso. Es ging also mehr darum, dass deine Eltern dich nicht besuchen wollen, weil du die Tierchen hast, ja? Da bin ich ja ein bisschen erleichtert, da es so klang, als seist du ganz alleine. (Sowas kann ich ja gar nicht gut ab.) Eltern sind manchmal recht komisch. Meine waren ja nicht so präsent, aber ich hab schon die seltsamsten Geschichten gehört. Die Leute, die ich kenne und die am besten damit klar kamen, waren die, die einfach ganz stumpf ihr Ding durchgezogen haben und zum Teil einen echten Schlussstrich unter das Kapitel gezogen haben. Aber vielleicht hilft es auch, wenn man versucht sie zu verstehen und dann verzeiht und sie einfach so sein lässt, wie sie sind. Was meinst du? Was wurde dir in der Therapie geraten? Das war doch bestimmt auch Thema.
      Kämpfe um das, was dich weiterbringt. Akzeptiere das, was du nicht ändern kannst und trenne dich von dem, was dich runterzieht.

      RE: Dieser Hass auf meine Eltern, weil sie immer meinen Bruder mir vorziehen

      Ich weiß, dass ich anstrengend bin, aber ich hab sie doch so lieb und sie wollen mich nicht.

      Oh je, dieser Satz hat mich sehr betroffen gemacht.
      Einen wirklichen Rat habe ich auch nicht - vielleicht findest Du ja einen Therapeuten der Dein Verhältnis zu Deinen Eltern zumindest von Deiner Seite aus "resetten" kann??

      Ich schwöre bei solchen emotionalen Verwicklungen und Verletzungen auf "alternative" Heiler / Geistheiler / Heilpraktier mit psych. Interesse. Das hört sich manchmal abenteuerlich esoterisch an - doch die die ich kenne stehen mit beiden Beinen im Leben und haben wirklich liebevolle und einleuchtende Ansätze, wie man mit sich und diesen Dingen wieder ins Reine kommt.
      Beim Tee und einem vertraulichen "Du" spricht es sich viel leichter und wenn ich da raus gehe bin ich fast alle Sorgen los............... leider auch einiges an Geld, denn ich muss selber zahlen ;(

      Vielleicht hast Du für Dich da auch irgendwo die Möglichkeit, daß Dir jemand hilft Dich da emotional ein bißchen zu lösen und Dich selber zu stabilisieren. So ein offensichtlich einseitiges Gefühl ist belastend und wird Dein Leben negativ beeinflussen wenn Du das nicht geregelt kriegst.

      Und ich weiß genau was Du meinst - ich hadere noch heute mit meiner gefühlskalten Mutter die immer noch meint, ich solle mich einfach mal endlich !!! zusammenreissen, schließlich sei ich zu erwachsen um eine Kinderkrankheit zu haben. Und überhaupt habe ich ADHS ja nur, damit ich eine Ausrede für meine lebenslangen Eskapaden habe.......... 8o

      Ein lebenslang emotional belastetes Verhältnis zu den Eltern ist sehr ungesund - versuche bitte, da irgendwelche Hilfe zu kriegen damit es Dir besser geht. Einen Schlusstrich ziehen kann man von sich aus selten so einfach - dazu gehört viel Stärke und die hast Du zur Zeit offensichtlich nicht.
      Vor 300 Jahren hätte man mich noch als Hexe auf dem Dorfplatz verbrannt

      Ich kenne die Regeln - aber die Regeln kennen mich noch nicht !

      Tausend Gedanken in einem leeren Kopf !
      .

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Felida“ ()

      RE: Dieser Hass auf meine Eltern, weil sie immer meinen Bruder mir vorziehen

      ...ja,ja zitieren will gelernt sein :rolleyes:
      Kämpfe um das, was dich weiterbringt. Akzeptiere das, was du nicht ändern kannst und trenne dich von dem, was dich runterzieht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „danielak“ ()

      RE: Dieser Hass auf meine Eltern, weil sie immer meinen Bruder mir vorziehen

      Original von Felida

      Und ich weiß genau was Du meinst - ich hadere noch heute mit meiner gefühlskalten Mutter die immer noch meint, ich solle mich einfach mal endlich !!! zusammenreissen, schließlich sei ich zu erwachsen um eine Kinderkrankheit zu haben. Und überhaupt habe ich ADHS ja nur, damit ich eine Ausrede für meine lebenslangen Eskapaden habe.......... 8o


      Schrecklich, eben weil es ja die Eltern sind und man sie ja eigentlich liebt und es ist doch ihr verfluchter Job die Kinder zu fördern und zu unterstützen.
      Ok, manchmal geht es nicht. Vielleicht hat deine Mutter ja auch eine he Konzentrationsschwäche, musste sich alleine durchbeißen und hat nie gelernt, wie man jemanden unterstützt.

      Aber es bleibt immer noch ihr Job. Vieles, was bei meinen Kindern schief gelaufen ist, liegt eindeutig auch an mir, das gilt es zu verstehen. Ich glaube, die Kinder sind auch bereit bei den Eltern ganz viel zu vergeben, wenn da irgendein Ansatz zu sehen wäre, dass sie genau das kapieren.

      Wie sieht das denn jetzt bei dir aus? Wie gehst du damit um?
      Kämpfe um das, was dich weiterbringt. Akzeptiere das, was du nicht ändern kannst und trenne dich von dem, was dich runterzieht.

      RE: Dieser Hass auf meine Eltern, weil sie immer meinen Bruder mir vorziehen

      Als ich ihr von ADHS erzählt habe hat sie gelacht, gemeint das sei doch nicht so schlimm so kenne sie das Leben auch - und was ich denn hätte es sei doch richtig so....... 8o
      Die hat üüüüüberhaaupt nicht verstanden, was ich meine, was in mir vorgeht, wie es mir geht.
      Sie fand nur, ich habe es mir mit der Diagnose ja bequem gemacht anstatt mich mal zusammenzureissen.............aber so sei ich schon immer gewesen: der große Querulant und dann den Weg des geringsten Widerstandes wählen ;(

      Dazu kann man nix mehr sagen, ich will nicht behaupten ich hätte meinen Frieden mit ihr gemacht aber ich kann mittlerweile über soviel Ignoranz und Dummheit nur noch den Kopf schüutteln. Zum Glück kann ich mit meiner Tochter über sie lästern :D

      Mit meiner Tochter habe ich dagegen einen wahren Glücksgriff getan - aber ich habe auch immer gesagt daß ich es besser machen wollte als meine Mutter. Und gewisse Wesenszüge - die in der Familie liegen - wollte ich nie an den Tag legen. Scheint ja ein bißchen geglückt zu sein !!!
      .......die Kinder sind auch bereit bei den Eltern ganz viel zu vergeben, wenn da irgendein Ansatz zu sehen wäre, dass sie genau das kapieren

      Gut, bei meiner Mutter ist da kein Ansatz zu sehen - und es gibt sehr vieles was sie gesagt hat was mich bis zu meinem Tod begleiten wird.
      Bei meiner Tochter aber - ich war immer ehrlich zu ihr und ausser den klassischen Pubertätskriegen war bei uns alles in Butter - da hat das alles so geklappt - und meine Tochter kümmert sich manchmal um mich als sei sie meine Mutter :rolleyes:
      Vor 300 Jahren hätte man mich noch als Hexe auf dem Dorfplatz verbrannt

      Ich kenne die Regeln - aber die Regeln kennen mich noch nicht !

      Tausend Gedanken in einem leeren Kopf !
      .
      Vielen lieben Dank für eure Antworten.

      Irgendwie geht es mir seitdem ich das geschrieben habe besser. Ich hab das vorher in so einer Härte auch noch nie jemandem erzählt und jetzt wo ich es getan habe fühle ich mich irgendwie sehr erleichtert.

      Meine Eltern sind eigentlich trotz allem sehr liebevoll und besorgt. Ich glaube einfach die letzten Jahre mit mir haben sie total überfordert und dass es ihnen vermutlich gar nicht auffällt, dass wir uns immer mehr distanzieren. Keine Ahnung. Auf Dauer werde ich aber wirklich eine Lösung für dieses Problem finden müssen. Ablehnung allgemein kann ich ja schon nicht gut ab, aber von den eigenen Eltern? Bei uns wurde halt nie viel über Gefühle gesprochen. Nicht, dass alles lieblos und kalt gewesen wäre aber gesprochen wurde über sowas nur, wenn ich es drauf angelegt hab. Das ist vermutlich einfach ein Wesenszug meiner Eltern, den ich natürlich auch ein Stück weit akzeptieren muss.

      Keine Ahnung, ich bin echt durcheinander. hab die letzten zwei Tage einen Hardcorefrühlingsputz bis zur Erschöpfung gemacht. Da kann man gut Druck ablassen.

      Vielleicht reagier ich auch nur über, weil ich so ein Sensibelchen bin (HSP) und auch gerne mal SCHWARZmale. Aber es ist auch schwierig die ganze Situation mit allen Aspekten und allen involvierten Personen richtig zu analysieren.

      RE: Dieser Hass auf meine Eltern, weil sie immer meinen Bruder mir vorziehen

      Original von InYourFace
      Hey Leute!

      Mein Bruder hat als Kind ADHS diagnostiziert bekommen und wurde auch lange behandelt. Immer hat sich alles nur um ihn gedreht. Mich hat er absolut tyrannisert. Aber immer hieß es: Dein Bruder ist krank. Du musst Rücksicht nehmen.

      Jetzt da ich kurz vor der Diagnose ADS stehe und sich die Hinweise auch in meiner Kindheit verdichten bin ich irgendwie so sauer. ich will das gar nicht. Aber ich kann nicht anders. mir gehts quasi seid 15 Jahren immer scheiße. Warum ist vorher keiner auf den trichter gekommen. Warum wollten sie es bei mir nicht sehen. Sie behandeln mich quasi wie eine Aussetzige. Jetzt hat mein Bruder auch noch ein Kind bekommen und ich bin in der Rangordnung direkt noch nen Platz weiter runter gerutscht. Ich liebe meinen Neffen. keine Frage.
      Aber ich werde immer unwichtiger. Ich habe mir vor zwei Jahren Ratten gekauft, damit ich nicht mehr alleine bin. Seitdem kommen mich meine Eltern nicht mal mehr besuchen.
      Ich weiß, dass ich anstrengend bin, aber ich hab sie doch so lieb und sie wollen mich nicht.

      Wenn ich sie darauf anspreche werden sie sauer, weil sie mich nur für eifersüchtig halten. Ich darf auch keinerlei Kritik an ihrer Erziehung äußern. Weil das ist ja so lange her und ich bin jetzt erwachsen und selbst für mich verantwortlich.

      Hat jemand von euch vielleicht ähnliches erlebt? Wie geht ihr damit um?
      hallo inyourface :)
      mach das beste daraus kann es sein das einer aus deiner familie ebenfalls
      ads adhs hat
      mama papa oder oma opa

      sieh nicht alles negativ....mach das beste daraus
      liebe grüße aus dem schwabenländle träum ;)
      träumchaos ich bin wie ich bin--
      und das ist gut so...
      Ich hatte mal einen Artikel darüber gelesen haben, dass sich oft die Geschwister von schwerkranken,stark behinderten oder verhaltensgestörten Kinder stark zurück gesetzt fühlen - einerseits, weil das kranke/behinderte Geschwisterkind immer die meiste Aufmerksamkeit bekommt und anderseits wegen der Erwartung, dass man das vernünftige,gesunde etc. Kind ist und deshalb das problemlos hinbekommt, was das andere Kind nicht hinbekommt.. Diese Erwartung kann von beiden Seiten kommen - von den Eltern aber auch ebenso von dem Kind selber und sich damit selbst unter Druck setzt..

      Das ist vielleicht genau bei Euch passiert - Du warst die Gesunde/ohen Probleme, von der man dann Nachsicht und Vernunft erwartet, während Dein Bruder ständig derjenige war, den man helfen mußte.. Und habe damit vielleicht übertrieben - also dass sie von Dir zuviel erwartet haben, während sich hingegen Dein Bruder immer mehr herausnehmen konnte..

      Und das sich jetzt herausstellt, dass Du genau die gleiche Probleme wie Dein Bruder hattest, während Du in ihren Augen vielleicht die vernünfitgere/pflegeleicherte Kind warst... nun, dazu werden sie vielleicht auch erstmal eine Weile brauchen, bis sie das akzeptieren können.. Vielleicht hast Du ihnen auch noch zu wenig deutlich gemacht, wo Deine Probleme liegen..

      Also ich denke, gerade bei eher hypoaktiven ADSlern zeigen sich die Probleme erst so richtig im Erwachsenenalter, weil das Hauptproblem dann vielleicht dir Selbstorganisation ist und diese eben, solange man noch zu Hause wohnt (und auch noch in der Schule und Ausbildung) mehr oder weniger von den Eltern übernommen wird.. Die andere Sache ist, dass man sich die Probleme dann still in sich hinein frißt und sie dann erst viele Jahre später an die Oberfläche kommen.. also so dass es für Deine Eltern vielleicht total überraschend ist, dass Du auf einmal Probleme hast... es ging doch die ganze vorher (in ihren Augen)
      Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.
      The "Earth" without "art" is just "eh".
      Original von PhlegmaWirbel
      Ich hatte mal einen Artikel darüber gelesen haben, dass sich oft die Geschwister von schwerkranken,stark behinderten oder verhaltensgestörten Kinder stark zurück gesetzt fühlen - einerseits, weil das kranke/behinderte Geschwisterkind immer die meiste Aufmerksamkeit bekommt und anderseits wegen der Erwartung, dass man das vernünftige,gesunde etc. Kind ist und deshalb das problemlos hinbekommt, was das andere Kind nicht hinbekommt.. Diese Erwartung kann von beiden Seiten kommen - von den Eltern aber auch ebenso von dem Kind selber und sich damit selbst unter Druck setzt..


      Das ist sicher so, aber ich könnte wetten, ohne "anderes Problemkind als Ursache" wäre das Ergebnis nicht viel anders. Der "auffällige" ADS-Typ hat es vergleichsweise einfach, besitzt genügend Antrieb, um erst mal igend etwas zu tun und muss sich nicht erst dazu aufraffen/überwinden oder dazu erst mal etwas einwerfen. Dann bekommt er eine gewisse "Anerkennung, dass er ein Problem hat", automatisch - es ist ja offensichtlich. So gibt es dann auch schnell Diagnose, Behandlung und ggf. Verständnis.

      Der unauffällige Typ hat hier voll die Arschkarte: wie beschissen es ihm geht, kann und will keiner sehen (... wobei das so nicht ganz richtig ist ...), die Existenz gravierender Probleme wird abgestritten (das gilt auch für Suizidgedanken bzw. "Ausführung") und so gibt es weder Diagnose, noch Behandlung. Oft nocht nicht einmal für banale Probleme. Man muss mit viel Aufwand die Sachen selbst hinbiegen, obwohl man dazu noch nicht mal die Grundvoraussetzungen hat. "Gesunder Lebenswandel und gesundes Aussehen" sind der pauschale Beweis dafür, dass man keine Probleme hat/haben darf. Daran etwas zu ändern ist verdammt schwer, ich habe noch keinen Lösungsansatz.
      "Die Bescheidenheit ist eine Eigenschaft, die vom Bewusstsein der eigenen Macht herrührt." (Paul Cézanne)
      Wenn es doch noch zur Diagnose geführt hat, war wenigstens nicht alles umsonst. Ich überlege, ob die "Umwandlung" in den auffälligen Typ nicht doch etwas bringt. Auf jeden Fall gibt es mehr Zoff, aber der war längst überfällig. Ob es etwas bringt? Gut, unter den gegebenen Umständen bin ich sowieso überfällig und da ist es völlig egal, was ich vor meinem Ableben noch anstelle.

      Was mich hier immer wieder verwundert ist, wie unterschiedliche oder gar gegensätztliche äußere Bedingungen zu genau dem selben Problembild führen.
      "Die Bescheidenheit ist eine Eigenschaft, die vom Bewusstsein der eigenen Macht herrührt." (Paul Cézanne)
      Hi!
      Also bei mir war es definitiv so, daß mein Bruder mir vorgezogen wurde, weil ich eben nicht die Norm erfüllte. Das war nciht immer so, aber sobald es schwierig mit mir wurde. Ich war imme die Rebellin, habe immer gesagt, was ich denke. Als die Schulprobleme auf dem Gym. nicht mehr mit Einsperren und ähnlichen Maßnahmen zu handeln waren, sondern ich mich irgendwann völlig verweigert habe, wurde ich von meinen Eltern fallengelassen wie eine heiße Kartoffel und mein Bruder wurde fortan hofiert wie ein kleiner König. Das hat sich nie wieder geändert.
      ...Also, ich kann damit nicht umgehen. Ich fühle mich damit immer mies. Die einzige Möglichkeit, mehr Ruhe in die Angelegenheit zu bringen, ist, den Kontakt zu meiden. Je mehr Abstand, desto besser für mich. Aber der Stachel sitzt tief. Bei meinen Eltern hat es auch nichts gebracht, ein Gespräch darüber anzufangen, denn sie geben nichts zu, sondern zeigen immer mit dem Finger auf mich und meine Fehler, die wohl zugebe, aber das ist nur Perlen vor die Säue. Ich kann Dir nur raten, ALLES zu versuchen, die Fronten zu klären -und wenn´s nicht geht, wenn Du nicht klarkommst, therapeutische Hilfe zu suchen.
      Das hat mir geholfen.
      L.G. Claudia
      "Was hilft's! Sein Herz ist eng und all sein Geist ist in diesen engen Käfig eingefangen, eingeklemmt."
      Nietzsche

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „aidualc“ ()

      ....Ich muß ergänzend mal anfügen, daß dies nicht alleine Grund für mich war, so zu handeln. Die Ablehnung und das Desinteresse hat nicht nur mich getroffen, sondern auch meine Tochter, meinen Mann, schlicht alles, was mir lieb und teuer ist. Dazu Intrigen und Lügen. Das war nicht zum Aushalten. Aber das muß bei Dir nicht so sein,- hoffentlich nicht! Hat auch gedauert bis ich 40 wurde, bevor ich den Schritt getan habe. Aso immer schön geschmeidig bleiben!
      Claudia
      "Was hilft's! Sein Herz ist eng und all sein Geist ist in diesen engen Käfig eingefangen, eingeklemmt."
      Nietzsche