Warum sollte sich der Partner (nicht) eingehend mit ADS beschäftigen? - Die Pro/Con-Liste

      Warum sollte sich der Partner (nicht) eingehend mit ADS beschäftigen? - Die Pro/Con-Liste

      Ich würd mir wünschen, dass mein Freund sich selbst näher mit der Thematik beschäftigt. Also z.B. ein Buch liest, das ich dann auch besorgen würde.
      Ich weiß, mit konkreten Problemen von mir würde er sich jederzeit auseinander setzen. Aber wie mach ich ihm das schmackhaft, sich mit dem ganzen Knäuel zu beschäftigen, statt mit einzelnen Fäden?

      Soll ich ihn überhaupt ermutigen oder lieber warten, bis er das von selbst machen mag? (hab angst, dass es nie sein wird)

      Beim schreiben dieses Threads kam mir auch die Frage, ob es jemanden gibt, der das problematisch fand, dass sich der Partner eingehend damit beschäftigt hat?
      Ich hab beim lesen von Büchern über ADS einfach auch vieles an mir entdeckt, wo ich nicht wusste, dass das an ADS liegt. Bei manchen Sachen, ist mir überhaupt erst bewusst geworden, dass ich das auch so mache, und zum teil war mir das sehr unangenehm, weil das Sachen sind, für die ich mich schäme.
      Das hab ich meinem Freund so auch schon gesagt, nicht mit der Absicht, dass er es auch liest, sondern beim Plaudern. Er hat die Befürchtung, dass ich mir unbewusst einrede, dass die Eigenschaften zutreffen, damit ich besser ins Bild passe.
      Das konnte ich dadurch entkräften, dass ich eindeutig sagen kann, was nicht auf mich zutrifft. Aber ich fürchte, der Gedanke ist bei ihm nicht ganz verschwunden, dass es so ein ähnlicher Effeckt ist, wie die Beschreibung seines Sternzeichens zu lesen (Barnum-Effekt).

      Ich weiß, dass er auch Angst davor hat, dass vor lauter "ADS-Eigenschaften" nicht mehr viel übrig bleibt, was mich sonst ausmacht.
      Er will mich auch nicht in eine Schablone oder Schublade stecken und dann so betrachten.

      Aber vor allem wenn wir streiten (und dann wird es immer richtig böse) gibt es soviel von meinem schlechten Verhalten, was sich auf ADS zurückführen lässt. Natürlich ist das keine Entschuldigung. Die Fehler mache ich ja immernoch aktiv selbst. Aber oft sind das Dinge, wo ich mich schon 10 Minuten später frage, wie ich mich überhaupt so verhalten konnte und überhaupt in dieses Verhalten reinrutschen konnte. Zu wissen, wie sie begründet sind, ist schonmal eine Erleichterung. Aber das hab bisher nur ich erfahren. Er fragt sich weiterhin jedesmal, wie ich mit so verhalten kann.

      Und das ist nur eine Situation von vielen. Er weiß, dass ich Probleme mit meiner Bachelorarbeit habe aber er weiß nicht welche. Da will ich auch gar nicht drüber reden, ohne dass er sich mit ADS beschäftigt hat. Er würde wohl gar nicht verstehen, wie ich solche Probleme überhaupt bekommen konnte.
      Gut Frage, ich habe traue mich auch nicht so recht, meine engsten Beziehung ein Buch zu meine Problemen unter die Nase zu halten (wenn sie daran Interesse zeigen, ist was anders).

      Ich denke mir, als Freund - was ja somit die ziemlich engste Beziehung ist, die man eingehen kann - bestimmt wollt ihr mal zusammen ziehen und Euch was aufbauen, Familie gründen usw. - sollte man sich schon mit den Problemen des Anderen auseinander setzen.. Also gerade bei ADS, wo eben Kleinigkeit auch viel dazu beitragen, dass der Alltag viel besser abläuft oder das Verhalten schnell fehlinterpretiert wird wie z.B. ewnn man Geburstag vergißt, dass der andere vielleicht denkt, er sei einem egal, aber dabei war es wirklich nur ein vergessen. Und deswegen sollte er sich schon dafür interessieren.

      Aber ich denke, dass so ein Buch lesen, zu einem Thema, was einem nicht so interessiert, schon etwas sehr schwieriges ist.

      Deshalb würde ich als Kompromißlösung sagen, dass Du ihn nur ausgewählte Informaterialien gibts - also z.B. Infoblätter, die nur aus wenigen Seiten bestehen und nicht so kompliziert beschrieben sind. Ich finde, dass kannst Du ihn schon zu muten.

      Ansonsten denke ich auch immer, kann ich erwarten/zumuten, dass ein andere eine Art 'Bedienungsanleitung' für mich liest? Also ich finde schon wichtig, damit der andere weiß, wie man tickt. Aber ein Buch selber löst vielleicht zuviel Druck aus, es lesen/studieren zu müssen
      Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.
      The "Earth" without "art" is just "eh".
      Zum Thema Barnum-Effekt - die Symptome von ADS lesen sich halt nun mal immer so wie etwas das jeder haben kann... nur die Stärke und HÄufigkeit macht dann ADS aus.

      Das von Deinem Charakter nichts mehr übrig bleibt, wenn alle ADS-Symptome abgezogen wird, halte ich unbegründet... Also einmal hat ja jeder ADSler ganz individuelle Symptome... So dass man sie garnicht einfach abziehen kann

      ADS heißt doch nur, ihren Problematischen Anteil in Griff zu bekommen, aber nicht generell das Symptom abzuschaffen...

      Also geht es um das Problem, was ist freier Wille und was ist vorherbestimmt (bzw. auf irgendeinen körperlichen Reiz zurück zuführne?).

      Da sage ich, unsere Wille ist weniger frei, als wir denken, sehr wird durch Emotionen, Wertevorstellungen, Erfahrungen, Störungen, Hormonen usw. beeinflußt.

      Aber dennoch gibt es sowas wie ein freien Willen.. sonst denke ich mir, hätten wir keine Ich-Bewußtsein...

      Ich denke, man kann freier handlen, wenn man sich den unbewußten Beeinflussuungen bewußt ist.

      Also z.B. zzu wissen, dass man zu bestimmter Zeit seiner Tage überempfindlich ist.. wenn man das weiß, dann kann man Gegenmaßnahmen entwickeln, auch wenn man die Übermempfindlichkeit an sich nicht ändnern kann...

      (so hoffe, habe jetzt die richtige erkannt, worauf Du hinaus wolltest.. aber muss jetzt sofort los :rolleyes:)
      Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.
      The "Earth" without "art" is just "eh".
      Danke für die Antwort.

      Für mich hat sich die Sache erstmal erledigt. Das Thema ist heute durch etwas anderes zur Sprache gekommen.
      ich kann nachvollziehen, warum es nicht in seinem Interesse ist - sogar gegen sein Interesse läuft - sich tiefer mit dem Thema zu beschäftigen.
      Das hat weniger mit mir zu tun, sondern mit seinen eigenen Einstellungen und seinem Menschenbild.
      Nachvollziehen kann ich das, aber meine Meinung wird es nie sein. In manchen Punkten würd ich ihm ja sogar zustimmen, aber einiges ist meiner Meinung nach etwas zu extrem.

      Ich hab das leider nicht ganz so gut geschafft, klar zu machen, warum ich es wichtig fände, dass er sich doch mit der Materie auseinander setzen sollte. Also irgendwie hab ichs klar gemacht, aber irgendwie nicht so gut halt.
      Jedenfalls wär es schon bereit dazu, was zu lesen, wenn es mir so wichtig ist.
      Ein ganzes Buch wär problematisch, weil er grundsätzlich ewig zum lesen braucht, auch wenn er es freiwillig macht.
      Ne Broschüre ... soviel ich weiß, hat er sich schon nen groben Überblick verschafft. Hab ich heute nicht mehr nachgefragt. Ich denk, Broschüren werden auch nichts anderes beinhalten. Bei einigen Punkten hätte ich das gern ein bisschen ausführlicher.

      Bei mir ist grad die Überlegung, ob ich ein Buch auswählen soll und dann "vorbearbeite". Also alles markiere, was mir irgendwie wichtig erscheint, welche Absätze er meiner Meinung nach lesen sollte. So dass er dann auch merkt, was ich wichtig finde und was er getrost weglassen kann. Und selbst entscheiden kann, was er nicht liest und was er zusätzlich lesen will.

      Ohje, welches Buch ich dann nehmen soll?
      Das mit dem Buch hab ich selbst mal probiert.
      Als ich es zu einem späteren Zeitpunkt in der Hand hatte, fand ich meine angestrichenen Sachen ziemlich verwirrend :D

      auf adhs.ch gab es ganz gute (auch lange) texte:
      adhs.ch/?cat=37

      würde da eher einen kurzen text im internet raussuchen.

      oder gleich ein video auf youtube, da gibt es einige kurze, die auch das mit dem dopamin anschaulich erklären
      ~ ~ Leinen los ~ ~ Segel setzen ~ ~ Ahoi! ~ ~

      ..... &.... Frühling ist eine Einstellung! :] ...... &......
      Ähnliches würde ich mir auch wünschen, einfach damit er mal versteht, WARUM manches nicht geht oder manches zuviel, dass er versteht, DASS es halt so ist und dass ich daran in der Situation grad nichts ändern kann.
      Ich hab ihm jetzt erstmal den link hier von der Seite geschickt, damit er, wenn er Lust hat, mal drüber lesen kann.

      Sollte es dann zu einer Diagnose kommen, möchte ich, dass er sich mit mir bei einem Fachmann informiert. Weil so viele Kleinigkeiten unseren Alltag manchmal zum Bersten bringen und keiner weiß, was eigentlich los war...
      haha, was ich hier im forum schon alles so geschrieben hab ;)

      mittlerweile find ich ja, wir können auch ganz gut über probleme reden, ohne über ADS zu reden und auch ohne ADS als Thema zu vermeiden.

      "ich hab das Problem, dass ich ... " je konkreter ich es benennen kann, desto besser.

      Unser Streitverhalten war/ist manchmal noch ziemlich schrecklich. Ich versteh immer besser, was wieso falsch läuft und ich bin geneigt zu sagen, dass der gute Mann ebenfalls ADS hat :-P
      (aber es spricht auch mindestens genausoviel dagegen, das ist allerdings nicht im streitverhalten zu finden ;) )

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „eska“ ()

      RE: Warum sollte sich der Partner (nicht) eingehend mit ADS beschäftigen? - Die Pro/Con-Liste

      Original von eska
      Beim schreiben dieses Threads kam mir auch die Frage, ob es jemanden gibt, der das problematisch fand, dass sich der Partner eingehend damit beschäftigt hat?


      also das ist mir passiert. er hat SÄMTLICHE beschriebenen Symptome für bare Münze genommen und mir in vollem maße angedichtet. wir kannten uns noch nicht lange.
      Er sagte der Nachbarin z.b. sie solle sich nicht wundern, wenn ich nachher zu Grillen mitkomme, wenn ich dann etwas unruhig bin.
      Heidernei, ich werd doch net genau in dem Moment anfangen auf dem Stuhl zumzappeln, hat doch damit nix zu tun, so ein schmarrn.
      und er hat es in diskussionen gegen mich verwendet, von wegen, das hast du jetzt so gemacht und nicht steuern konnte, weil es das symptom ist und hat meine beweggründe, wenn ich sie ihm gesagt habe, garnicht mehr ernst genommen. er hatte natürlich auch ADS wie sich dann rausgestellt hat, aber es sein jahren schon kompensiert, so dass man wenig davon merkte.
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      Original von eska
      haha, was ich hier im forum schon alles so geschrieben hab ;)


      hehe, hab ich mri auch gedacht, weil ich zuerst dachte es sei ein ganz frischer thread und dann überrascht war zu sehen, dass ich schon geantwortet hatte :D
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      Original von eska
      mittlerweile find ich ja, wir können auch ganz gut über probleme reden, ohne über ADS zu reden und auch ohne ADS als Thema zu vermeiden.

      "ich hab das Problem, dass ich ... " je konkreter ich es benennen kann, desto besser.


      Ja genau!
      Und wenn man dann noch genau weiß und ausdrücken könnte, was die Lösung des Problems ist bzw. was das andere dazu beitragen kann, umso besser.
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      Original von Nanty
      Ähnliches würde ich mir auch wünschen, einfach damit er mal versteht, WARUM manches nicht geht oder manches zuviel, dass er versteht, DASS es halt so ist und dass ich daran in der Situation grad nichts ändern kann.
      Ich hab ihm jetzt erstmal den link hier von der Seite geschickt, damit er, wenn er Lust hat, mal drüber lesen kann.

      Sollte es dann zu einer Diagnose kommen, möchte ich, dass er sich mit mir bei einem Fachmann informiert. Weil so viele Kleinigkeiten unseren Alltag manchmal zum Bersten bringen und keiner weiß, was eigentlich los war...


      Du schreibst Du möchtest, dass er mitkommt, sich informiert etc.
      Möchte er das auch?
      Was auch helfen könnte, bzw. sein Interesse wecken könnte, wäre, wenn Ihr ganz neutral (gemeinsam) diese Kleinigkeiten mal auflistet und versucht konkrete Muster zu erkennen und zu besprechen (ohne streiten!) Ein teil davon kann mit AdS zusammenhängen, ein Teil mit anderen Ursachen wie Erziehung, unterschiedliche Gewohnhzeiten, Erwartungen, Werte etc.
      Wenn ihr die übelsten drei stück identifiziert und zusammen eine gegenstrategie ausheckt, dann dürfte der leidensdruck schon merklich sinken.

      Ansonsten ist es vor allem wichtig, dass DU dich damit auskennst. Je besser du damit und mit dir selbst klarkommst, desto besser läuft es mit dem Umfeld.

      Und von dem Wunsch, dass jemand anders mich versteht habe ich mich verabschiedet. Ich freue mich, wenn mir wohlwollendes Verständnis entgegengebracht wird, aber jedesmal wenn ich versuche mit worten zu erklären wie manche irrationalen zusammenhänge sind, dann explodiert das gehirn meines gegenübers, deswegen lasse ich es. :D

      ich verkünde stattdessen eher fakten.
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      fakten wie z.b. neulich kam besuch und ich war ultraaufgedreht bin rumgehüpft (körperlich und mit den gesprächsthemen) und habe ihn zugeschwallt ohne ende. Ich sagte dann nur: "ah, ich merke ich bin gerade total aufgedreht, is ja auch irgendwei witzig, sieht fast so aus als freue ich mich, dass du da bist. voraussichtlich in ca. einer halben stunde, wenn wir die ersten bissen gegessen haben, wird die aufgedrehtheit stark zurückgehen und dann freue ich mich schon, dich zu fragen wie Dein tag war und zu hören wie xyz lief." damit war das thema für mich gegessen und es war noch eine witzige ungefilterte halbe stunde mit wirrem laberflash. und echt pünktlich ca. eine halbe stunde später saß ich friedlich mampfend entspannt auf dem sofa und hab ihm zugehört.

      und meine mutter hat alle meine ads-bücher gelesen und hat den kompletten inhalt inzwischen wieder vergessen. bis vor ner weile hat es mich noch geärgert, wenn sie dann irgendwelche reißerischen gerüchte, die sie im fernsehen darüber aufgeschnappt hat, wiedergekäut hat, aber solange sie mit mir klarkommt ist mir das inzwischen egal.
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