Ich weiß nicht mehr weiter

      Ich weiß nicht mehr weiter

      Hallo!
      Ich sitze hier grad am Rechner und bin ein bisschen verzweifelt. Heute morgen war wieder eine Situation - ich lieg mit unserem Sohnemann (11Monate) noch im Bett und mein Mann macht sich sein Frühstück. Auf einmal höre ich ihn nur noch schreien. Als ich aufstehe fährt er mich an so ginge das nicht weiter, die Wurst wäre schon 4 Tage alt, sowas ginge nicht. Nur ein Beispiel - so geht das bei uns seit Wochen. Wegen jeder Kleinigkeit rastet er aus. Ich war von ca. 2 Jahren schon mal hier auf der Seite und damals hat mein Mann sogar den Selbsttest gemacht - und er ging so aus, dass er sich Hilfe suchen soll. Leider nimmt er das alles nicht ernst. Wenn ich mir die Symptome durchlese sind vielleicht 2-3 dabei die nicht auf ihn zu treffen. Er kann sich nicht konzentrieren, fängt 1000 Sachen an und bringt keine davon zu ende, Wechselt mitten im Gespräch das Thema, schreit im einen Moment rum und im nächsten ist er Zuckersüß, und und und. Diese Probleme sind nicht nur im privaten sondern auch auf der Arbeit. Hier macht er dauernt flüchtigkeitsfehler und ist unkonzentriert oder vergisst die Hälfte. Ich will ihm helfen aber ich weiß nicht wie und das macht mich wahnsinnig! Er sagt selbst, dass es so nicht weitergeht. Er will nicht zu einem Neurologen und wenn ich mit ADS anfange grinst er nur und winkt ab. Wie mache ich ihm plausibel, dass wirklich was nicht stimmt und das er sich helfen lassen muss???? Ich komme langsam an den Punkt an dem ich nicht mehr kann. Ich versuche mein Verhalten schon so zu steuern, dass er keinen Grund für Kritik oder ähnliches findet und ich versuche unsere Zeit so gut es geht zu planen. Er sagt aber zB wir müssen unsere Wochenenden besser planen. Wir haben ein Haus und sind am umbauen und haben viel zu tun. Wenn ich dann mit ihm planen will sagt er er weiß nicht was er am Wochenende machen will. Also planen wir wieder nicht und das Wochenende ist quasi für die Katz. Vielleicht kann mir hier jemand helfen.
      Sein Leidensdruck ist scheinbar noch nicht gross genug. Ich selbst bin mein ADS erst angegangen als ich mit einem Burn Out in der Reha sass. Das was Du von ihm schreibst sit ja schon recht heavy. Im Moment bin ich dabei wegen genau solcher Sachen einen Antrag auf Schwerbehinderung zu stellen, da dies meinen Arbeitsplatz für mich sicherer macht. Vielleicht sollte man an einer Zuspitzung des Zustandes etwas nachhelfen bis der Punkt kommt, das es eingesehen wird.
      Es ist mein Lebensgefühl
      Hallo Baghira,

      dann erstmal willkommen zurück :)

      Ganz wichtig ist erstmal die Frage - will sich Dein Mann überhaupt helfen lassen? Denn wenn er dazu nicht bereit ist, dann kannst Du nichts machen, um ihn zu helfen.

      Dann wird es dann so sein, wie Vejun sagt, dass sein Leidensdruck noch nicht hoch genug ist und deshalb zu wenig Motivation hat, deswegen etwas zu unternehmen (genau genommen sind es sogar mehrere Schritte von der ersten Einsicht, dass man ein Problem hat, zur Aktzeptanz des Problems und dann endlich aktiv wird, um etwas dagegen zu unternehmen).

      Hast Du ihn klargemacht, wie sehr Du darunter leidest? Wenn das alles nicht fruchtet, dann solltest Du zu etwas drastischeren Methoden greifen, wie mit Scheidung drohen oder dass Du eine Zeitlang zu einer Freundin oder Verwandschaft, Eltern etc ziehst, wenn er nichts unternimmt, sich zu ändern.

      Der wichtig Punkt dabei ist, dass Du ihn klarmachen mußt, dass er damit das in Gefahr bringt, was er ihr Euch zusammen aufgebaut habt bzw. erst am aufbauen seid und wie belastend es für Dich ist... dass wäre dann vielleicht endlich etwas, was genug Leidensdruck erzeugt, dass er sich aktiv um Abhilfe bemüht.

      Ansonsten denke ich mir, ist es bestimmt nicht die Lösung, Dein Verhalten so zu ändern, dass es keine Möglichkeit für Kritik gibt.. denn das wird einfach unmöglich sein, weil in solchen Situationen ihn vielleicht etwas anders aufgeregt hat (was ihm eventuell selber unbewußt ist) und Du bekommst es ab, weil Du eben einfach in den Moment neben ihm sitzt.
      Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.
      The "Earth" without "art" is just "eh".
      Auch wirst Du dann das Organisatorische in die Hand nehmen müssen. Zum Beispiel mit dem Planen am Wochenende: Nicht davon abhalten lassen, wenn er meint, er weiß noch nicht, was er am Wochende machen will. Ein Hausumbau hat erstmal Vorrang vor anderen Aktivitäten. Ihr wollte bestimmt nicht ewig auf einer Baustelle leben... und sollte sich irgendwas wichtiges ergeben, kann ein Plan immer noch um eine Woche verschoben werden.

      Denn ein ADSler wird im entscheidenen Moment nie Lust auf eine Sache haben, die unbedingt erledigt werden müßte, auch wenn er sie sonst gerne macht...

      Gruß,
      PhlegmaWirbel
      Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.
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      Denn ein ADSler wird im entscheidenen Moment nie Lust auf eine Sache haben, die unbedingt erledigt werden müßte, auch wenn er sie sonst gerne macht...

      Wirbelchen, damit hast Du einen wunderbaren Satz geschrieben, den ich mir unbedingt merken muß. Sowas von treffend ausgedrückt.........

      Baghira, im Gegensatz zu PhlegmaWirbel finde ich nicht, daß Du Deinem Mann drohen solltest sondern schlicht und einfach mal Nägeln mit Köpfen machst.
      Beim nächsten Ausraster seinerseits würde ich an Deiner Stelle erst mal für einige Tage mitsamt Kindchen verschwinden - zu Mama, einer Freundin oder sonstwohin.

      Einen ADSler kann man zu seinem Glück nicht zwingen, er muß selber entscheiden ob und wann er Hilfe in Anspruch nimmt. Vejun hats schon erwäht: offensichtlihc ist der Leidensdruck be Deinem Mann noch nicht stark genug.....

      Leider kannst Du selber gar nicht viel machen, selbst die Veränderung Deines Verhaltens wird ihm höchstens suggerieren daß ja alles in Ordnung ist - es klappt ja irgendwie !!
      Und Druck von aussen bewirkt nur das Gegenteil oder ein komplettes Ausweichen..........

      Es tut mir wirklich leid, mir fällt dazu nicht mehr ein. .....momentan wenigstens.........
      Vor 300 Jahren hätte man mich noch als Hexe auf dem Dorfplatz verbrannt

      Ich kenne die Regeln - aber die Regeln kennen mich noch nicht !

      Tausend Gedanken in einem leeren Kopf !
      .
      Original von Felida
      Wirbelchen, damit hast Du einen wunderbaren Satz geschrieben, den ich mir unbedingt merken muß. Sowas von treffend ausgedrückt.........

      :) ... stammt aus empirischer Langzeitstudie des Verhaltens meinerseits :D ;)


      Baghira, im Gegensatz zu PhlegmaWirbel finde ich nicht, daß Du Deinem Mann drohen solltest sondern schlicht und einfach mal Nägeln mit Köpfen machst.

      öhm, so meinte ich das eigentlich auch... keine Drohung, sondern einfach mal Konsequenzen ziehen


      Leider kannst Du selber gar nicht viel machen, selbst die Veränderung Deines Verhaltens wird ihm höchstens suggerieren daß ja alles in Ordnung ist - es klappt ja irgendwie !!

      Genau, das ist nochmal ein wichtiger Punkt, den ich vorhin nicht mit Worten zu fassen gekriegt habe. Wenn Du nur darüber sprichst und mehr passiert nicht, dann wird es für ihn als 'ist vielleicht nicht so schön, aber auf keinen Fall ist es schlimm' rüberkommen.

      Viele ADSler reizen irgendwas immer bis zur aller letzten Möglichkeit aus. Nicht aus Absicht, sondern weil einfach vorher zu wenig Druck/Reiz/Ansporn ist, wenn eine Sache noch nicht brennt...
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „PhlegmaWirbel“ ()

      Zwingen kann man ihn nicht, das ist richtig. Hängenlassen aber, so das er gezwungen ist zu agieren. Das wäre wie schon vorgeschlagen ein paar Tage die Biege machen. Oder ihm Dinge überlassen von dem man weis das kriegt der nicht hin. Irgendwie bekommt man jeden in die Ecke wohin man ihn haben will. Des Weiteren, nicht jeder Neurologe hat Ahnung. Mein alter Hausarzt hat am Anfang über die Verdachtsdiagnose ADS die ich aus der Reha mitgebracht hatte geschmunzelt. Jetzt ist er zwar in Rente, denkt aber anders darüber.
      Es ist mein Lebensgefühl
      Hi Baghira,

      es heißt ja immer, man kann die anderen nicht ändern, nur sich selbst.
      D.h. wenn er sich nicht Hilfe holen geht, dann tu Du das. Schau, wo Du Dich beraten lassen kannst, bei einer Frauenberatungsstelle oder ähnliches und oder schau direkt, ob es eine ADS-Selbsthilfegruppe gibt, wo man auch als Angehöriger hinkann (es gibt Gruppen für Erwachsene mit ADS und Gruppen für ADS-Eltern (wobei die es ja auch selber haben können). Finde heraus, was Du für Dich tun kannst, wie man sich abgrenzen kann, negative Teufelskreise durchbrechen etc.
      Wenn Du relativ überzeugt bist, dass es ADS ist, informier Dich, kauf Dir Bücher darüber.
      Je besser Du dich auskennst, desto besser kannst Du damit umgehen, was auf lange Sicht wahrscheinlich auch bei ihm zu einem Umdenken führen wird.

      Lg, Planlos
      ~ ~ Leinen los ~ ~ Segel setzen ~ ~ Ahoi! ~ ~

      ..... &.... Frühling ist eine Einstellung! :] ...... &......
      Wow... erst mal vielen Dank für die vielen Antworten!

      Ich habe heute mit einer Freundin geredet. Sie hält gernell nichts von Diagnosen. Sie meinte so schön: Dann hast Du Buchstaben - und was bringts? Aber sie meinte im Grunde letztendlich das Gleiche wir Ihr mir alle sagt: Handeln! Gedroht habe ich schon. Bringt ja aber nichts. Ich denke ich werde beim nächsten Mal klein anfangen und einfach mal auf der Couch anstatt im Bett übernachten. Ihm was überlassen was er nicht hinbekommt - muss ich ehrlich sagen, da hab ich Angst vor der Reaktion! Es gäbe 1000 Sachen die immer ich mache und die auch nur deswegen laufen. Aber wenn ich ihn damit konfrontiere - es käme glaub ich zur Katasptrophe.

      Meine Freundin hat mir heute noch eine Familien-Aufstellung empfohlen. Bei meinem Mann in der Firma war vor kurzem eine Art Controller und der hat im kleinen Sinn so etwas gemacht. Da ging es ihm dann super und das hat er auch unserer Freundin erzählt. Momentan haben wir einen ziemlichen Konflikt mit seinen Eltern. Ich denke, dass das Auslöser ist, warum sein Verhalten momentan wieder so extrem ist. Vor 2-3 Jahren hat er sich entschlossen sein Studiumabzubrechen (es fehlte noch die Diplomarbeit). Damals wars genauso schlimm - bis die Entscheidung da war. Dann wurde es besser. Es war nie ganz weg - aber erträglich. Jetzt steht die Entscheidung an wie er sich seiner Familie weiterhin gegenüber verhält.

      Vielen Dank schon mal - es regt mein Denken sehr an und ich habe zumindest wieder ein bisschen Hoffnung und seh einen Weg!
      Super, wenn wir Dir etwas helfen konnten! :)

      Will dann Dein Mann Familienaufstellung ausprobieren?
      Dann hoffe ich, dass ihr bald die Probleme mit seiner Familie lösen könnt!
      Trotzdem muss er das natürlich noch ändern, denn er wird sicherlich immer wieder in Zukunft in einer solchen Situation sein... (aber kann natürlich sein, dass er dann gerade jetzt noch weniger empfänglich ist).

      Eine Diagnose ist eigentlich nur dann wichtig, wenn man etwas beantragen möchte z.B. für Studium irgendwelchen Nachteilsausgleich / Härteanfallantrag oder - wenn er noch andere Sachen vorhanden sind - einen Behindertenausweis oder wegen einer Medikamentation.
      Gut, für viele ist es vor allem auch eine Bestätigung, dass sie wirklich etwas haben und nicht nur faul etc. sind...

      Original von Baghira
      Ihm was überlassen was er nicht hinbekommt - muss ich ehrlich sagen, da hab ich Angst vor der Reaktion! Es gäbe 1000 Sachen die immer ich mache und die auch nur deswegen laufen. Aber wenn ich ihn damit konfrontiere - es käme glaub ich zur Katasptrophe.

      Was meinst Du? Vielleicht solltest Du es ihm doch einfach mal überlassen, vielleicht klappt es besser als Du denkst. Und dabei auch klein anfangen - also etwas, was nicht so schlimm ist, wenn er es nicht richtig macht?
      Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „PhlegmaWirbel“ ()

      Original von sums
      Meinen Hardwarefehler besser zu verstehen , hilft mir sozusagen nicht so sehr an mir und meinem Charakter zu zweifeln.


      Bei mir ist es anderherum. Ich habe nie an mir gezweifelt :tongue: , aber seit der Diagnose und durch die Auseinandersetzung mit ADS sehe ich klarer, wie ich mich v.a. auch anderen gegenüber verhalte. Wenn ich andere vor den Kopf stoße, bleibt nicht nur ein ungutes Gefühl, ich kann mein Verhalten besser einordnen und manchmal kann ich schwierige Situationen auch (ver-)meiden.

      Dein Mann, Baghira, scheint da vielleicht ähnlich zu sein! :)
      Wer keinen Mut zum Träumen hat, der hat auch keine Kraft zum Kämpfen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Rosalie“ ()

      ich kenne da zwei Seiten von mir. Die eine die sich mit dem Kopf nach außen verteidigt, wenn ich verurteilt werd, mal wieder zu .....sein,
      und die andere, die in sich drin an sich selbst verzweifelt und sich ohnmächtig zurückzieht, weil ich ja nicht aus meiner Haut kann. Die ist von außen nicht immer sichtbar und manchmal muss ich selbst erst zur ruhe kommen und meine Gefühle betrachten , bis ich sie sehen will.
      Ich kann beide verstehen, weil ich ja mit dem Kopf und Überlebenswillen ums angenommen oder respektiert werden kämpfe - und durch das angezweifelt werden als Kind, ein brüchiges Selbstbild hab.

      Beim Abbruch eines Studiums wie bei Auseinadersetzung mit dem Eltern geht es um viel Substanz, aufgeben eines Traums was man mal werden wollte und die Wurzeln allen Fühlens - die Eltern.

      Wenn man jetzt dazu mitbedingt dass adsler oft hypersensibel sind, sich in Gefühle verrennen und sich schwer abgrenzen können,
      und dazu das Bedürfnis als Mann alles managen können zu wollen hat man ne schwierige Suppe die nicht so einfach zu verstehen ist.

      Ob er sich denn verstanden fühlt ? Vielleicht will er seinen Glauben an sich nicht verlieren, indem er alles "krankmachende" ablehnt.

      Vielleicht kannst du ein für- dich -selbst-sorgen mit Verstehen wollen seiner Reaktionen kombinieren. Das schlimmste ist einfach Erwartungsdruck nicht gerecht werden zu können und auch noch angst vor dem Verlust des Lebenspartners haben zu müssen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „sums“ ()

      Mir ist stark aufgefallen, dass es bei ADSlern, auch mir selber - oft hilft das Pferd von hinten zuzäumen - weil sie mit ihren Defiziten schon ihr ganzes Leben lang konfrontiert werden. Als Kind im Elternhaus und der Schule indem sie immer wieder und wieder selbes hören/fühlen: zu langsam oder schnell zu sein, zu sehr zu trödeln, schon wieder was verloren-, die Hälfte vergessen oder nicht mitbekommen zu haben weil sie mit dem Kopf in den Wolken umherziehen oder kindische Faxen machen, viel zu empfindlich sind, doch nicht immer eine solche Mimose sein sollten und schon gar nicht alles auf sich beziehen wenn die Erwachsenen mal etwas "gereizt" sind. Sie sollen nicht nur Blödsinn im Kopf haben und die Zeit verschwenden sondern für die Schule lernen, Zimmer aufräumen, im Haushalt helfen, nicht so übertreiben, laut sein, rumhampeln. mal was beenden vor allem richtig.... Das müsse man doch alles mal begreifen, "echte" Prioritäten setzen, sich auf die "wichtigen" Dinge im Leben/Alltag konzentrieren(!) usw... :(.

      Wo Anforderungen und Erwartungsdruck steigen, haben häufig Selbstzweifel und Minderwertsgefühle längst den alltäglichen Wahnsinn erreicht, man versucht sich mit Anstrengung anpassen.... Und während aus kindischen nun bedacht handelnde Kinder werden und aus noch rebellischen Jugendlichen angepasst-, zielorientiert lebende Erwachsene wurden, die dem Auf und Ab emotional meist stabiler und gefasster begegnen können, ist ein ADSler weiter am zittern nicht gut genug zu sein, zu versagen und mal wieder zu enttäuschen, Opfer seiner Defizite, traurig und sauer über seine Stärken die bedeutungslos scheinen. Lieber die Finger ganz von etwas lassen und der Enttäuschung aus dem Weg gehen, vor dem Abschluss hinwerfen, den Job nicht annehmen, die Bewerbung nicht schreiben, die Aufgabe nicht lösen... als die Schande es versucht zu haben und wieder mal gescheitert zu sein vor den Liebsten, dem Chef, Mitstudenten, vor sich selbst und dem Leben so wie so...

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      Ich selber fing auch oft vor besonderen- oder sehr großen Lebensaufgaben (z.B. Prüfungen) in meinem Leben an emotional auseinander zu bröseln "schlug" wild um mich, und begann mit selbstzerstörerischem aber stummen Hilfsgeheul. Früher waren es besonders meine Eltern/Partner (die man ja eben enttäuschen könnte) die es abbekamen. Schrieb ich im Januar noch herzzerreißende Liebesbriefe, wurden im März kratzbürstige Attacken und Schuldvorwürfe daraus und schon im Mai stand vllt. eine Prüfung an. Selten erkannte ich woher dieses Hinwerfen kurz vor dem Finale, gar nicht anfangen, viel anfangen aber nix zu Ende bringen, lieber Träumen als riskieren usw. kam, oder warum ich perfektionistisch und voller angst vor winzigsten Fehlern bzw. Kritik (bei der Arbeit) einem Burn out nahe, ein Extrem meiner selbst war/bin.

      Ich würde vor jeder Konsequenz deswegen wirklich schauen, dass ihr zunächst das Problem mit seiner Familie zu lösen versucht um seinen emotionalen Zustand zu entspannen. Dort, bei den Eltern, ist es oft ein Kampf der schon immer geführt wird und meist nichts als Anerkennung, Lob und Verständnis sucht. In so einer Krise wären Drohungen und Konfrontation mit seinen Fehlern von deiner Seite, die Partnerin die er liebt, vielleicht kein guter Ratgeber. Hier wäre ein stabiler Halt für ihn sicher sehr viel Bedeutsamer. Wenn er aufbraust wie ein Tornado, entlädt sich der Zorn sicher auch wegen kleinster Dinge die seine Ängste der Liebe nicht wert zu sein, bestätigen könnten. Dann regt er sich über Kleinigkeiten auf die angeblich du verzapft hast, um jedes mögliche Versagen, Kritik und Fehler seinerseits nicht so überdimensional erscheinen zu lassen.

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      Deswegen mach es vielleicht erst anders herum bevor du drohst und schimpfst: lob ihn für Kleinigkeiten, zeig ihm was du toll und stark an ihm findest, lass ihn muddeln, gib kleine, versteckte Aufgaben die kein "Muss" sind, die er mag. Z.B. einfach die Erwähnung, dass es schön wäre wenn er mal irgendwann wieder was Leckeres kocht oder wo du halt weißt, dass es eine angenehme Aufgabe für ihn wäre. Wenn es klappt dann freu dich darüber wenn nicht lass es zeitlos und unerwähnt. So fängt er an Vertrauen zu fassen - in sich selber, darüber geliebt zu werden trotz Mangel an Konzentration und Beständigkeit, trotz allem Durcheinander und Chaos. Gefallen lassen musst du dir deswegen natürlich auch nicht alles aber lass die Überlegung zu ob es jetzt wirklich an Respekt dir gegenüber mangelt oder es um jene Anerkennung geht um die er gerade mit rebellischem Scharren und Schnaufen vor dem unsichtbarem, roten Tuch, ringt.

      Ich glaube Jeder, aber besonders ein sensibler ADSler, der sich geliebt, respektiert und verstanden fühlt, sich selbst vertraut und an sich glaubt, der seine Stärken kennenlernen darf ohne das Diese von Außen stur gefordert werden, erkennt auch die Macken und sein Chaos über das er lachen kann, wird seine Stärken einsetzen und damit Schwächen ausgleichen, seine Baustellen im Leben angehen auch wenn er vielleicht dem "gesellschaftlichem Zeitplan" hinterher hinkt, ohne starken Druck zu brauchen (der meist eh angespannten Gegendruck erzeugt) ist herzlich und ideenreich, dankbar und loyal.

      Sich mit möglichem ADS nicht auseinandersetzen zu wollen hat möglicherweise auch mit Angst zu tun trotz Leidensdruck: Angst, dass "alle" immer recht hatten und man tatsächlich nicht "normal tickt", das man zum gesagtem, gehörten und gefühlten Versagen nun auch noch ne "psychische Macke" hat, angst vor der unabänderlichen Tatsache es dadurch nie zu was zu bringen oder nur mit Therapie und Schwerstarbeit wo das Leben schon schwer genug ist.

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      Angst hat enorme Kraft kann Schützen, Anspornen, Herausfordern, Bewegen - nach vorn doch auch nach unten, zum Stillstand zwingen und krank machen.

      Auch wenn Chaos und Labilität seiner Emotionen gerade treibend sind gab es sicher die Zeiten wo er dich gefesselt und begeistert hat und ihr Beide sehr glücklich zusammen wart, ihr habt geheiratet, eine Familie gegründet. Und in ner Krise sollte man immer auch sich selber hinterfragen wie ich selbst lernen musste. Was hat dich glücklich gemacht und welche liebenswerten Eigenschaften von ihm hatten das stetige ADS-Chaos ausgeglichen? Wo kannst du ihn in seinen Stärken unterstützen ohne ihm alles abzunehmen und zu managen? Was lässt du ihn ohne Druck gern machen? Bist du bereit mit seinem Charakter zu leben, miteinander zu wachsen, oft einiges an Kraft zu investieren? Könntest du möglicherweise mit der Rolle des Parts das euer Leben managt sogar zufrieden sein weil es dir gut tut, vllt. sogar Balsam fürs eigene Selbstwertgefühl- und Kontrolle des Alltag ist (meine Mutter würde es nicht zugeben aber hätte z.B. einen gut durchorganisiertem Mann nichts abgewinnen können :D)? Welche Dinge sind es wirklich die sich dringend ändern müssten um dauerhaft gemeinsam weiter zu gehen? Wie kannst du beitragen, dich selbst verändern, dein Verhalten für diese Änderungen lenken? Welche Kompromisse würdest du eingehen?

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      Ich habe in den letzten Monaten erst wieder verstanden, dass ich immer mehr am Grübeln und/oder Hetzen bin was Andere Erwarten oder Erwarten könnten und was sie vielleicht alles denken aber nie aussprechen weil man lieber nicht unhöflich ist oder vielleicht meinerseits längst resigniert hat... :rolleyes: und dabei sagte meine Mutter mal vor vielen Jahren so ganz nebenbei und dennoch treffend: "Du sollst nicht immer denken, dass wir denken was du denkst weil du denkst, wir könnten denken..." :D, so das Rückzug und Isolation nun paar Jahre mein einziger Ruhepol wurde. Aber was ich von mir selbst erwarte, was ich mir wünsche, wo meine ureigenen Ziele liegen, egal was andere drüber denken oder ob ich sie vielleicht später wieder abändern will/werde, habe ich mich ewig nicht mehr gefragt. Die Richtung und der Zeitplan wird vom Schwarm einer Gesellschaft, ihren Medien und anderen mächtigen Schaltstellen bestimmt?! Für mich war jetzt kräftiges an mir selbst Rütteln und Schütteln richtig wohltuend und es läuft zwar langsam aber momentan recht gut =). Angststarre oder Unzufriedenheit plus unendliches im-Kreis-zweifeln wären die schlechteren Alternativen gewesen ;).

      Ich drück euch die Daumen =) !!!

      Mist, mit dem zuvor gesetztem Ziel sich kurzzufassen wurde es nun allerdings nix :rolleyes: :D...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Ruby“ ()

      Liebe Ruby,

      meinen größten Respekt für die vielen passenden Worte die Du da gefunden hast - auch wenn ich über die Länge Deines Posts ein bissi schmunzeln mußte und mir die Zeichenbegrenzung in den Sinn kam..... :D

      Trotzdem möchte ich Dir widersprechen 8o
      Ich glaube, wenn ein ADSler auch für Kleinigkeiten gelobt wird um sein Selbstwert zu stärken und dann mit neuem Rüstzeug das Problem Familie angegangen wird - wenns dann nicht so wird wie ein ADSler sich das vorgestellt hat dann machts mal wieder !peng!

      Man ist ja ohne das Wissen um ADS seinem eigenen Weltbild ziemlich hilflos ausgeliefert - entweder sucht man sämtliches Mißlingen bei sich selber und versteht gar nichts mehr, zeiht sich zurück und isoliert sich - oder man begreift nicht warum die Umwelt nicht begreift, will mit dem Kopf durch die Wand weil man es besser weiß, prügelt seine Überzeugung durch und isoliert sich dadurch ebenfalls.

      So oder so finde ich absolut wichtig, daß ein vermuteter ADSler einen Fachmann aufsucht - um sich selber und seiner Umwelt Klarheit zu verschaffen.
      Erst wenn man um alle Symptome, Eigenheiten und evtl. Komorbiditäten von ADS weiß kann man anfangen, lange ungelöste Probleme neu zu bewerten und zu lösen.

      Erst durch meine Auseinandersetzung mit ADS bin ich "erwachsen" geworden bzw habe mein an mir oft so gehasstes kindisches Reaktionsmuster ablegen können - da ich mein Leben, das Verhältnis zu meiner Familie und insbesondere zu meiner Mutter nun aus einem völlig anderen Blickwinkel betrachten konnte.

      Deswegen glaube ich nicht, wenn der Mann (um den es hier eigentlich geht) das Problem mit seiner Familie in den Griff bekommt dann zu einer dauerhaften Änderung des Verhaltens - denn das wird ja gefordert - kommen wird. Denn das eigentliche Kernproblem ist ja nicht angesprochen worden - alles andere wäre in meinen Augen reine "Verhaltens-Kosmetik" ohne das der Mann sich selber versteht!!

      Meine two-cents dazu :D auch viel zu lang geworden......
      Vor 300 Jahren hätte man mich noch als Hexe auf dem Dorfplatz verbrannt

      Ich kenne die Regeln - aber die Regeln kennen mich noch nicht !

      Tausend Gedanken in einem leeren Kopf !
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