Ich lebe nicht - ich führe ein Theaterstück auf!

      Ich lebe nicht - ich führe ein Theaterstück auf!

      Hallo zusammen,

      ich habe seit ca. 2 Monaten die Diagonose ADS - also Träumer, nicht Hyperaktiv. Ich bin jetzt 26. Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke das Gefühl das ich anders bin als alle um mich herum habe ich bereits seit ca. 16 Jahren. Diagnose ist klar - hab die üblichen symtome. Muss ich ja nicht extra aufführen.

      Ich habe seit dieser Zeit immer die Angst ich könnte andern nicht genügen, bzw. sie erkennen mich nicht an. Angefangen in der Familie über Freunde und Arbeitskollegen. Seitdem ich diese Ängste habe, orientiere ich mich an den Menschen die in meinem Umfeld bzw. in der Gesellschaft anerkannt sind. Also Erfolgreich im Berufsleben, Privatleben im Sport usw. Das gelingt mir (nach außen) so gut, das viele Menschen denken ich hab es schon geschafft im Leben.
      In meinem Freundeskreis bin ich (so wie es mir manche erzählen - fühlen tue ich mich jedoch ganz anders) als lustiger und lockerer typ bekannt und gerne gesehen. Im Berufsleben tue ich nur das Nötigste das mein pfusch nicht auffällt. Ich glaube ich habe gute Menschenkenntnis, und kann meine Vorgesetzten gut einschätzen. Weiß woruaf sie wert legen. Das tue ich dann genauer - und stehe auch bei ihnen gut da.
      Der liebe Gott hat mich mit einem ganz ordentlichen aussehen gesegnet. Das rundet nach außen dieses vollkommene Bild wieder ab!
      Ich hätte schon viele möglichkeiten gehabt eine beziehung ein zu gehen. Wenn ich es gemacht habe endete es immer in einem disaster! Ich bin immer so angespannt und ängstlich ich könnte meiner partnerin nicht genügen, das eine Beziehung der absolute Stress-Faktor für mich ist - und keine Entspannung! Eine Frau fehlt wohl noch zu dem vollkommen Bild. Im sport erfolgreich bin ich auch noch!

      Dieses ständige theaterspielen hat mich bereits in die übelsten Depressionen gestürzt. Ich weiß garnicht wer ich wirklich bin! Ich bin das was die Gesellschaft als toll bezeichnet. Dabei hasse ich alles spießige eigenltich wie die Pest! Spielt ihr auch allen was vor?
      Niemals aufgeben!
      Habe ich, wie der Narr mit der Maske. So langsam werde ich nur noch eine Person. Also es geht. Der Weg dahin war schon etwas holprig. Man nehme erstmal ein Antidepressiva und lasse sich in Watte packen. Suche sich gute Freunde die von dem Problem wissen und läst sich von diesen Reflektieren und suche sich einen Therapeuten für Verhaltenstherapie. Das wäre eine Art wie man daran arbeiten kann. Ich selbst habe mein eigenes Selbstwertgefühl erstmal richtig entwickelt und scheiss auf die anderen. Im Prinzip bin ich durch den ganzen Kompensationskram den ich entwickelt habe den meisten gegenüber jetzt im Vorteil. ADHS ist keine Fehlanlage, ich denke das wir nicht so ganz in die aktuelle Gesellschaft passen. Es gab Zeiten da hatten ADHS´ler kaum Probleme. Die Wahrheit ist, die Normalos sind eigentlich nicht in der Lage mit uns mitzuhalten, nur sie sind eben viel mehr und die Mehrheit bestimmt nun mal die Richtung.
      Es ist mein Lebensgefühl
      Hey Vejun - Danke für die Antwort!

      In einer schweren Stunde habe ich mich einem Freund anvertraut! Die erste Zeit danach habe ich mich sehr geschämt, aber nun bin ich froh das es jemand weiß. Das hat unsere Freundschaft stärker gemacht.
      Eine Verhaltenstherapie mache ich jetzt auch.
      Aktuell nehme ich Antidepressiva und Medikinet(Retalin)

      Du klingst sehr erfahren - ich hoffe der weg hilft mir auch! Ich hab trotzdem so viele Fragen die mir meiner Meinung nach nur ein Betroffener beantworten kann - So gut wie meine Therapeutin auch ist. Kannst du mir ein paar beantworten? Wieviel Zeit ist seit deiner Diagnose bis jetzt vergangen? Wenn man "normal" als 100% bezeichnen würde, wo standst du bei der Diagnose und wo stehst du jetzt? Nimmst du auch Medikamente? Bist du in der Lage eine Beziehung zu führen bzw. hast du jemanden gefunden bei dem du dich sicher fühlst? Also Partnerschaft?

      Ich komme aus einer extrem konservativen Familie. Immer wurde mir mein Lebenslauf vorgebetet der von mir erwartet wird. Immer Erfolgreich sein und nie aufgeben! Guter Job - Familie - eigenes Haus bzw. in meinem Fall wird erwartet das Haus der Eltern zu übernehmen.

      Für das "niemals Aufgeben" bin ich meinen Eltern sehr dankbar - denn ich habe die letzten 4 Jahre damit verbracht von einem zum andern Psychologen zu rennen bis ich endlich einen gefunden habe der wirklich weiß was mit mir los ist. Etwas in mir drin hat mir immer gesagt das es jemanden gibt der mir helfen kann - geb nicht auf!! Dafür danke Elten - der rest ist eine extrem schwere Bürde für mich!! Ich will sie nicht enttäuschen - Deshalb hab ich auch immer ein schlechtes Gewissen!

      Hattest du ähnliche Probleme? Wie bist du damit umgegangen?
      Niemals aufgeben!
      Erstmal habe ich eine narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung und wirke daher ab und an recht arrogant. Das vorweg. Ich bin verheiratet und habe 4 Kinder. 3 davon habe ich mein ADHS vererbt. Meine Diagnose habe ich vor knapp zwei Jahren bekommen. Meine Kinder sind schon vorher diagnostiziert worden. ich selbst habe früher immer gedacht das sich das irgendwann verwächst. Tut es aber nicht. Da ich beruflich in der Neurologie und unteranderem im dopaminergen System ansässig bin, fühle ich mich in meiner Diagnose auch so richtig zu Hause. Auch wenn es nervig ist, das die Therapie unter den Aspekten der Psychoedukation, Psychotherapie und dann erst Medikamente laufen soll, ist dennoch sehr sinnvoll es so zu machen. Welches Antidepressiva nimmst Du denn. Wenn Du das Ritalin bezahlen solltest, lass Dir Methylphenidat von Hexal verschreiben, ist billiger. Also nochmal, wieviel mg wie oft am Tag.
      Es ist mein Lebensgefühl
      Hi Dreamer85,
      da können wir uns die Hand geben. :)
      Nach außen hört sich alles beeindruckend an, aber was im Hintergrund ist erscheint einem abgründig.
      bzw. erschien.
      Es wird nämlich besser mit der Zeit. In den ersten ein-zwei Jahren nach der Diagnose.

      Also ADS-ler stellt man eh schon hohe Ansprüche an sich selbst, wenn man dann von Haus aus noch welche mitbekommen hat, .... dann wird es anstrengend ;-)

      Ich schaffe es grade nicht so gut auf das einzugehen, was Du schreibst (Feierabend, Matschbirne), aber ich wollte was schreiben, weil ich Parallelen sehe.


      blablub. ;-)

      lg, Planlos
      ~ ~ Leinen los ~ ~ Segel setzen ~ ~ Ahoi! ~ ~

      ..... &.... Frühling ist eine Einstellung! :] ...... &......
      Hallo,

      also ich erkenne mich auch teilweise wieder, in dem was du schreibst. Ich bin nämlich auch durchaus "erfolgreich" gewesen bisher und nach außen ein fröhlicher Mensch, der durchaus auch mit anderen gut kann ....
      Nur hab ich das selber nie als Theaterspielen empfunden! Ich weiß erst jetzt, seitdem ich mich mit der Diagnose auseinandersetze, dass ich noch so viel mehr bin als das, was ich bisher gelebt und nach außen gezeigt habe. Bei mir wäre es gut gewesen, ich hätte früher erkannt, wann ich Theater spiele und wann ich ich bin. Es hätte mir viel erspart.
      Du bist also sicher auf dem richtigen Weg ...
      Und meine Eltern waren auch schockiert, als sie sahen, dass ich nicht mehr so funktionierte wie sie sich das wünschten. Sie waren an meine Perfektion gewöhnt und haben meine Kämpfe zwar von klein an gesehen, aber nicht als soche erkannt .... Irgendwann ist mein Kartenhaus zusammengebrochen und ich MUSSTE mich umorientierten, um zu leben.
      Es ist eine Chance, wenn du ganz bewusst und gezielt etwas an deinem Leben verändern kannst und nicht erst dein Kartenhaus zusammenbricht. Du kannst dir nach und nach ein neues Haus bauen, neben deinen Alten und dann umziehen, vielleicht! ? ;)
      Wer keinen Mut zum Träumen hat, der hat auch keine Kraft zum Kämpfen.
      @dreamer85
      Was Du da beschreibst kommt mir doch sehr vertraut vor, nur bin ich eine wahnsinnig schlechte Schauspielerin und deshalb nicht so erfolgreich :D 8) Und war immer Aussenseiterin..

      Positiv betrachtet könnte ich vielleicht sagen, dass ich mich nie richtig verbogen habe, um irgendwelche Erwartungen zu genügen.. Also vielleicht nicht so aktiv, dass ich mich gegen was auflehnte, sondern mehr im Stillen, dass ich mich zurück zog (und zumindestens nichts dagegen sagte).

      Jetzt nicht nur, weil ich nicht konnte, sondern weil ich es auch nicht einsah. Ich kann ich mich erinnern, dass ich überlegte, dass ich zwar traurig war, nicht dazu zu gehören, aber anderseits auch feststellte, dass mir garnicht gefiel, was die machten, die dazu gehörten.

      Auch stellte ich fest, dass es Mitläufer gibt, die dann auch immer mal schnell ins Abseits landen können z.B. wurde ich Grundschule von eine Clique gemobbt sie auch zwei Lehrerinnen vergrault haben... und im letzten Jahr sind sie dann aus einer aus dieser Clique losgegangen. Oder Mitläufer wurden dann mehr oder weniger nur ausgenutzt z.B. als Chaffeur.

      (ich frage mich manchmal,ob das mich letztendlich beim Abschluß des Studiums blockt ... denn was erwartet mich im positivesten Fall.. eine Arbeitsplatz wo gemobbt wird und / oder ein überhöhtes Leistungspensum erwartet wird mit wer weiß wieviel Überstunden..)

      Von meiner Familie bekam ich relativ wenig Erwartungsdruck, was auch gut so ist, weil ich mir selber genug setze. :evil: (also denke
      Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.
      The "Earth" without "art" is just "eh".
      Hallo,

      auch ich kenne dieses Verhalten - hab ich vor vielen Jahren in Deinem Alter auch praktiziert............

      Problem ist aber: es wird immer mehr, die Rollen die Du ausfüllst im Laufe Deiner Entwicklung werden immer komplexer und irgendwann bist Du den ganzen Tag nur noch damit beschäftigt das Gebäude aus Illusionen, Halbwahrheiten und fragwürdigen Darstellungen zu stützen damit es nicht über Dir zusammenbricht.
      Tut es aber doch - früher oder später - und dann knallts leider richtig.

      Es ist wirklich wichtig daß Du Dir darüber klarwirst, was Du wirklich willst - ganz ehrlich zu Dir sein. Was sind die Werte, Vorstellungen und Wünsche die Du für Dein Leben brauchst und welche Wünsche werden nur von außen suggeriert und Du spielst das mit???

      Miste aus - Deinen Kleider-und Bücherschrank ebenso wie Deine Freundschaften und Beziehungen. Weniger ist mehr - tatsächlich !!!!

      Echte Ehrlichkeit bringt Dich weiter und verschafft Dir ein seltsam unbekanntes aber erhebendes Gefühl (ich weiß wovon ich rede)
      Echte Ehrlichkeit Dir selbst gegenüber zwingt Dich zui nie gekannter Selbsteinschätzung und verschafft ebenfalls Erleichterung.

      Und dann kannst Du auch mit der Diagnose leben - und auch gut.
      Versuche nicht krampfhaft normal zu sein - im Endeffekt wirst Du Dir selber wieder Brocken in den Weg legen. Du bist ADSler - es ist nicht ansteckend und es hat sie schon immer gegeben - die Pharmaindustrie und die Gesellschaft machen daraus einen riesigen Ballon in dem ADSler hilflos feststecken können - lass es nicht soweit kommen.

      .......siehe unten.............
      Vor 300 Jahren hätte man mich noch als Hexe auf dem Dorfplatz verbrannt

      Ich kenne die Regeln - aber die Regeln kennen mich noch nicht !

      Tausend Gedanken in einem leeren Kopf !
      .
      ..........hier ist unten............



      Ordne Dein Leben unter Deinem Blickwinkel und dem was Dir wichtig ist - nicht undter den Aspekten die die Gesellschaft als Maßstab anlegt.

      Du hast jetzt in Deinem Alter noch wirklich alle Chancen - es liegt sicherlich ein steiniger Weg die nächsten 2 / 3 Jahre vor Dir aber Du kannst es schaffen. Und dann kann Dein Leben auch ohne Medi und mit ADS so wunderbar sein - weil Du gelernt hast Deine Bedürfnisse und Stärken zu erkennen und einzusetzen ........... und viel wichtiger noch auch dazu zu stehen !!!!!!!!



      Schoß mir grad alles so durch den Kopf - hoffentlich nicht zu oberlehrerhaft - ich hab heute so einen besserwessi -Tag :D
      Vor 300 Jahren hätte man mich noch als Hexe auf dem Dorfplatz verbrannt

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      Tausend Gedanken in einem leeren Kopf !
      .

      RE: Ich lebe nicht - ich führe ein Theaterstück auf!

      Hallo!
      Vielen Dank für die vielen Antworten die Ihr mir geschickt habt!

      Leider war ich am Wochenende bei einem Trainingslager, und konnte nicht schreiben. Jetzt bin ich bei der arbeit - muss mich leider etwas kürzer fassen...

      Ja, ich muss beginnen mein Leben neu zu sortieren. Versuchen zu erkennen was mir eigentlich selbst am wichtigsen ist. Ich glaube ich muss garnicht lange überlegen um zu erkennen was gut für mich ist. Das schlimme bei mir ist nur die Umsetzung!
      Ich kann nicht behaupten das ich in meinem Leben besonders große Schicksalsschläge erleiden musste, troztdem hadere ich eigentlich ständig mit meiner Vergangenheit. Hab extreme Gewissensbisse beim nachdenken über bestimmte Situationen. Dieses Gedankenkreisen ist eigentlich immer da. Das demoralisiert mich dann derartig, dass ich einfach meine Ziele nicht erreichen kann und ständig total erschöpft bin.

      Wenn ich wirklich etwas produktives mache, dann nur für andere. Aus dem grund nicht als "versager" vor ihnen da zu stehen. Ich könnte 1000 dinge aufzählen die ich für mich machen müsste. Diese Sachen lasse ich aber meist liegen, und schlafe dann lieber! Wenn meine Angelegenheiten nicht funktionieren bzw. wenn etwas in meinem leben nicht klappt, so dumm wie es klingt, beschwert sich wenigsten niemand bei mir
      Habt Ihr auch diese Müdigkeit?

      Aktuell nehme ich Medikinet 10mg 2-3x täglich und 1x Citalopram 20mg.
      Niemals aufgeben!

      RE: Ich lebe nicht - ich führe ein Theaterstück auf!

      Für andere immer was tun - ständige Müdigkeit - eigene Sachen aus Überforderung liegenlassen - somit das eigene Leben hintenan stellen..... Du hast gerade so typische ADS-Dinge aufgezählt... :D

      Hat Du schon mal Bücher gelesen (klick mich) - es lohnt sich wirklich. Du gehst dann anders mit Dir und Deinen vermeintlichen "Fehlern" um.
      Lies Bücher, triff Dich mit ADSlern - egal ob hier aus dem Forum oder in einer SHG - es baut auf, es stärkt das Selbstbewusstsein ( hat fast jeder ADSler nötig), vertieft die Selbsterkenntnis und nimmt schwere Lasten von der Seele.

      Oben habe ich Dir geraten auszumisten - es ist wirklich total hilfreich und erleichtert das Leben und die Tagesplanung. Du lernst auch dadurch mal "nein" zu sagen, wirkliche Freunde und wichtige Dinge kristallisieren sich heraus. Wer nicht damit leben kann daß Du eine Bitte ablehnst - bitteschön, soll er doch woanders hingehen aber Dich dann auch in Ruhe lassen.

      Als Versager vor anderen dazustehen.......... ein typisches ADS-Denken. Völlig hirnverbrannt und ausbremsend für den Lebenslauf - auch diese "überzeugung" wird Dir nach dem Lesen von ADS-Büchern und dem bewußten Umgang mit anderen ADSlern erfolgreich genommen.

      Du mußt nur Geduld haben.......... :D :D :D
      (ich weiß - ein Sch%/&$§&% satz für ADSler)
      Vor 300 Jahren hätte man mich noch als Hexe auf dem Dorfplatz verbrannt

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      Tausend Gedanken in einem leeren Kopf !
      .
      Ergänzung:

      Als ich hier im Forum ankam gings mir milde ausgedrückt beschissen.
      Ich hab all die bewundert die mit ADS so gelassen umgehen, anscheinend ihr Leben und diese "Krankheit" total im Griff haben und mir einen erzählten von wegen loslassen, umstrukturieren und Blickwinkel ändern ?(

      Ich dachte nicht nur das ich sowas nie schaffe sondern auch, daß keiner meine Probleme zu diesem Zeitpunkt nachvollziehen konnte. X(

      Nun verstehe ich das alles und bin da angekommen was ich vor 3 Jahren noch nicht mal ansatzweise kannte ............. :D
      Vor 300 Jahren hätte man mich noch als Hexe auf dem Dorfplatz verbrannt

      Ich kenne die Regeln - aber die Regeln kennen mich noch nicht !

      Tausend Gedanken in einem leeren Kopf !
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      RE: Ich lebe nicht - ich führe ein Theaterstück auf!

      Hallo dreamer85,

      was Du da beschreibst, triftt auf vollkommen auf mich zu - ich hatte auch keine großen Schicksalschläge, schaffe nur das, womit andere verbunden sind, weil ich nicht als Versager dastehen möchte bzw. die anderen nicht enttäuschen möchte. Meine Sachen bleiben liegen - ich lasse sie auch ehrlich gesagt auch nur zu gern fallen, wenn etwas anders ist..

      Auch extreme Gewissensbisse hab ich bzw. mache ich mir selber ständig starke Vorwürfe, dass ich noch nicht weiter bin und soviel Chancen habe ungenutzt verstreichen lassen... Nun ich sage dazu immer negativen Gedanken. Diese blocken mich auch total und schaffe es nicht, an meiner Diplomarbeit zu arbeiten.

      Und die Müdigkeit kenne ich auch.. ich wieß, dass es keine echte ist, aber trotzdem lasse ich mich von ihr von Sachen abhalten..
      Ich merke das oft beim Aufwachen - im ersten Moment bin ich noch gut gelaunt und dann fällt mir auf einmal alles wieder ein, was ich noch machen möchte und bin auf einmal wieder müde und total lustlos und komme nur mit fiel Mühe aus dem Bett.
      Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.
      The "Earth" without "art" is just "eh".

      RE: Ich lebe nicht - ich führe ein Theaterstück auf!

      @PhlegmaWirbel

      Ja, dieses extreme Morgentief habe ich auch ganz schlimm! Ich habe einen Job bei dem ich mir die Arbeitszeit frei einteilen kann. Ich bin mir nicht sicher ob das gut oder schlecht für mich ist. Denn einen Richtigen vorgeschriebenen Tagesrythmus habe ich daruch nicht! Wirklich früh aufstehen tue ich nur dann, wenn ich einen Termin habe. Wenn nicht, dann fange ich erst so gegen 9 halb 10 an zu arbeiten.

      Also ich glaube wir können uns die Hand geben! So wie du es beschreibst ist es 100% auch bei mir!
      Du bist schon länger in dem Forum - ich folgere du hast deine Diagnose auch schon länger. Ist es nochimmer so schlimm bei Dir?

      Das ist schon krass, du erzählst du stehst vor deiner Diplomarbeit. Wenn du das Gleiche Gefühlsleben durchmachst wie ich, dann ist das wirklich eine Unglaubliche Leistung! Ich meine du hast dich trotz ADS durch Abi + Studium gequält! So gesehen hast du eigenltich nur nebenbei studiert - hauptsächlich musstest du dich ja mit deinen Problemen rum schlagen!Und ich wette da ist einiges drunter und drüber gegangen oder? Das mussten die Normalos in deinem studium nicht - und die sind auch nicht weiter als du! Ich wünsche dir das du die kraft findest die arbeit zu schreiben!!!!!
      Niemals aufgeben!
      feste Arbeitszeiten / Morgens in Fahrt kommen
      Eigentlich finde ich Gleitzeit besser, weil man dann flexibler ist, wenn es z.B. darum geht, einen Termin mit Handwerker, Arzt etc. auszumachen. Aber ich merke, dass es schlecht für mich ist.
      So arbeite ich lieber früh, damit ich früh zu Hause bin und noch was vom Tag habe. Denn wenn ich erst spät zur Arbeit muß, schaffe ich es nicht, die Zeit davor (sinnvoll) zu nutzen.. und somit ist dann der ganze Tag weg...
      Wenn ich Gleitzeit habe, dann komme ich immer später und später, obwohl ich mir vornehme, möglichst früh dazu sein..
      Deshalb denke ich mir, dass feste Arbeitszeiten für mich eigentlich besser sind. So bin zu Regelmäßigkeit gezwungen, was ich selber nicht schaffe.


      zum Thema Studium schwerer als Normalos
      ist kein Trost für mich, da es viele ADSler gibt, die es auch durchziehen können.. vor allem beneide ich immer die, die sich dann total kaputt arbeiten, zwar hinter einer Prüfung etc. erstmal krank sind, aber trotzdem eine gute Note haben..
      Bis zum Abitur hatte ich eigentlich keine großen Probleme.. Gut, ich ahnte, dass ich bessere Noten haben könnte - war so im 3er Bereich und vermutlich hätte ich locker im guten 2er Bereich liegen können - aber es war auch nicht so schlecht, dass vielleicht Abi in Gefahr war..
      Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.
      The "Earth" without "art" is just "eh".
      Zum Thema : seid der Diagnose schon Besserung?
      Die korrekte Antwort wäre wohl jein :D ;) Ich manchen Bereichen gab es Fortschritte und in anderen wurde es schlimmer. Ich denke, in den reinen ADS Bereichen läuft es besser, weil ich dadurch gezielter nach Ausgleich suchen kann. Auch für das Selbstbewußtsein war es tröstlich..
      Aber meine negativen Gedanken wurden immer stärker.. ich scheine überhaupt nicht mehr in der Lage zu sein, ein paar Stunden hinteinander zu arbeiten (es geht schon noch, aber nicht bei den Sachen, die jetzt wichtig wären..)

      Ich habe den Verdacht, dass es vor allem Altlasten sind, die mich so blockieren. Also über die Jahrzehnte angehäuftes schlechtes Gewissen und Scham, die sich nicht dadurch auflösten, dass ich eine ADS Diagnose bekam. Schließlich gibt es genug ADSler die es auch hinbekommen.. vor allem dann neben Studium noch Kinder, eigenen Haushalt und Arbeit haben.. und ich schaffe noch nicht mal nur Studium (von Eltern vollfinaziert und Mutter macht noch Haushalt für mich..).

      Die Verhaltenstherapie konnten an dieser Stelle nicht viel ändern, allerdings
      ist es auch ein langsamer Erkenntnisprozess, wo es genau die Probleme liegen:
      Zum Beispiel, dass ich ständig das Gefühl habe, mich für eine meine Fehlleistungen rechtfertigen zu müssen. Das führt aber auch dazu, dass ich dann Probleme verschleiere und mich sofort angegriffen fühle, was dann natürlich auch für einen Therapeuten etc. es schwer macht, mit mir zu arbeiten.. So konnte ich dann nie zugeben, dass ich etwas nicht gemacht habe, weil ich einfach meine Unlust nicht überwinden konnte... und konnte somit das eigentlich Probleme nicht weiter einkreisen..
      Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.
      The "Earth" without "art" is just "eh".
      Ich möchte mich zwar in das Gespräch nicht einmischen, aber ich möchte dennoch gerne sagen, dass es bei mir anscheindend dasselbe ist, ähnlich wie PhlegmaWirbel, was mich immer, immer wieder blockiert, so dass ich in meinem Leben keinen Schritt vorwärst komme.

      Also die alte "ich bin dumm und schlechter als andere"...etc...Gedanken...Jedesmal, wenn ich hier im Forum lese, dass andere ihren Beruf gefunden haben oder studieren, würde ich mir am liebsten eine reinhauen...Ich bewundere euch!!

      Das Problem ist, dass ich mir mittlerweile nichts mehr zutraue, weil bei mir, das ist jetzt kein Scherz, praktisch alles schiefgelaufen ist...also meine berufliche Versuche und gesellschaftliche Kontakte...jeder Anfang entpuppte sich als Rückschlag.

      Also ich persönlich denke nicht, dass sich das Leben nach der Diagnose bessert bzw. schnell bessert. Ich glaube eher, dass mir meine jahrelangen Fehltritte und die jetztigen Probleme erst richtig bewusst werden...( Ich habe auch irgendwie so ein Gefühl, dass MPH bei mir bewirkt, dass ich meine Lage eher spüre, als vorher..)

      Tschuldigung, aber ich glaube, das musste mal raus.
      Krawehl! Krawehl!

      Taubtrüber Ginst am Musenhain, trübtauber Hain am Musenginst. Krawehl! Krawehl!

      (Loriot)
      Original von Ninchen
      Ich möchte mich zwar in das Gespräch nicht einmischen...

      Aber darfst Du gerne, ist schließlich ein Forum hier, wo jeder was dazu sagen kann, wenn wir das nicht wollten, würden wir uns PNs schicken ; :)


      Das Problem ist, dass ich mir mittlerweile nichts mehr zutraue, weil bei mir, das ist jetzt kein Scherz, praktisch alles schiefgelaufen ist...also meine berufliche Versuche und gesellschaftliche Kontakte...jeder Anfang entpuppte sich als Rückschlag.

      Ich denke oft ähnlich, auch wenn ich das Studium noch nicht total verhauen habe... Nun, in Moment bin ich nicht ganz so pessimistisch, weil ich denke, was mich gerade hauptsächlich blockt ist, dass ich dass, was ich mir für das Studium vornahm nicht geschafft habe..überhaupt nach überlanger Studienzeit nur mal gerade das nötigste gemacht habe. Und habe viele Ideen, wie ich die anderen Sachen ändern könnte z.B. gesellschaftliche Kontakte.



      Also ich persönlich denke nicht, dass sich das Leben nach der Diagnose bessert bzw. schnell bessert. Ich glaube eher, dass mir meine jahrelangen Fehltritte und die jetztigen Probleme erst richtig bewusst werden..

      Ja, das hast gut formuliert, dem würde ich auch vollkommen zustimmen!
      Natürlich ist das bewusstwerden das, was einer Besserung vorrausgehen muß...
      Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.
      The "Earth" without "art" is just "eh".

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „PhlegmaWirbel“ ()

      Hey,

      auch ich "mische"mich wieder ein........ :D :D

      Ich könnte jetzt ganz weise und abgedroschen erscheinen und sagen: Ihr seid noch jung - das kommt noch .......... :rolleyes:

      Mir fällt auf das Ihr nicht an Euch glaubt - alle 3 nicht........ und denkt wahrscheinlich ich schreib hier abgehobenes Zeug.

      Mir ging es vor 3 Jahren wirklich und wahrhaftig nicht anders als Euch - eher noch schlimmer denn da war ich 20Jahre älter als Ihr.
      Ich habe weder eine abgeschlossene Ausbildung noch einen Beruf, keinen vernünftigen Schulabschluss und es außer meiner Führerscheinpfüfung nie durch einen Kurs mit Abschluss geschafft.
      Trotzdem habe ich überlebt - irgendwie - und im nachhinein bin ich auch stolz darauf - denn außer 1000 verschiedenen Jobs hab ich auch 2 Ehen hinter mich gebracht, ein Kind alleine großgezogen und mich dabei immer noch für andere und besonders für Tiere aufgerieben.

      Ich wurschtelte mich so durch - fand das Leben total anstrengend und mich absolut unfähig - denn die "Anderen" kamen ja offensichtlich ganz leicht zurecht, nur ich war anscheinend zu blöde - alles was ich anfing blieb irgendwann liegen, es wurde immer mehr - ein Beweis für meine Unfähigkeit ...........
      Vor 300 Jahren hätte man mich noch als Hexe auf dem Dorfplatz verbrannt

      Ich kenne die Regeln - aber die Regeln kennen mich noch nicht !

      Tausend Gedanken in einem leeren Kopf !
      .