50% Hyperaktive in einer Klasse?

      50% Hyperaktive in einer Klasse?

      Moinsen,

      Vorgeschichte: Habe heute ein Gespräch mit dem hektischsten Menschen der Welt, Mitarbeiter bei einem Kundenunternehmen von uns ich mache gerade ein Projekt für sein Unternehmen, an einen Mitarbeiter abgeschoben.

      Kriege also hinterher Bericht erstattet, bedanke mich und erwähne, dass ich die Hyperaktivität des Kunden nicht ertrage. Das Gespräch mit dem Kollegen wandert dann irgendwie auf ADS, wobei ihm der Name der Krankheit nicht einfällt, ich konnte aushelfen...

      so oder so: die Freundin des Kollegen ist Lehrerin und er erzählt mir, dass inzwischen 50% der Kinder in einer Klasse ADS hätten und seine Freundin das zum Kotzen fände. Und mehr Bewegung würde bestimmt nutzen... Ich hätte ausrasten können, will mich aber nicht outen und habe deshalb nur kurz auf die Hypoaktiven hingewiesen und das 50% nicht sein kann.


      Beschäftigt mich aber nun... wie kann es sein, dass Pädagogen inzwischen die halbe Klasse für hyperaktiv halten? Die können nicht alle ADSler sein, von den eher hypoaktiven mal ganz abgesehen. Existiert Hyperaktivität inzwischen als eigenständiges Phänomen? Wie kann man dazwischen die ADSler identifizieren? Und muss man vielleicht gerade Pädagogen besser ausbilden? Wird die öffentliche Wahrnehmung von ADS so nur noch weiter verzerrt?


      So, ich gehe jetzt ein Bier trinken und sinniere weiter, aber vielleicht beschäftigt das ja noch jemanden...

      MfG, Gargl
      Vielleicht hat die Lehrerin ja nur andeuten wollen, daß die Kids extrem lebhaft sind ?
      Oder hat sie definitiv "ADS" gesagt. "Hyperaktiv" wird ja auch oft vorschnell gesagt, wenn man lebhaft meint.
      Mein Sohn hat Kids in der Klassse , die sind einfach "ungebändigt", ich vermute, daß viele einfach keine Disziplin kennen - hat dann ähnliche Ausmaße wie Hyperaktivität.
      Ich finde das immer bemerkenswert, wenn er dann (als diagnostizierter ADHS´ler) dem distanziert gegenübersteht (" boah, sind die nervig!").
      Er läuft übrigens "undercover" im 3. Jahr, fällt überhaupt nicht auf - die anderen sind viel schlimmer ( aber sog. normale Kinder).
      " Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war. "
      Und muss man vielleicht gerade Pädagogen besser ausbilden?


      Das sowieso oder ;)

      Ich glaube unser Schulsystem passt einfach nicht mehr mit unserer Gesellschaft zusammen. Auf der einen Seite beschwert man sich, dass zu viele Kinder moppelig sind und sich zu wenig bewegen, auf der anderen Seite wollen wir sie mit aller Macht dazu zwingen den Vormittag im Sitzen zu verbringen.

      Keiner Wunder, dass Kinder bei so widersprüchlichen Forderungen den Erwachsenen nicht mehr trauen und rumspinnen, worauf Lehrer die halbe Klasse für krank erklären.

      Herrlich, das ist doch mal wir Stoff für eine Satire ;)
      Manche Dinge können einfach nicht oft genug gesagt werden, deswegen stehen sie jetzt auf T-Shirts! mO.omstyle
      Wir sind geneigt, einem Lehrer solchen Äüßerungen 100 % zu vertrauen, denn schließlich verbringen sie eine Menge Zeit mit den Kindern und sie sollten die Ersten sein, die Auffälligkeiten bemerken und näher in Augenschein nehmen.
      Ist aber nicht so. Die wenigsten Lehrer, sind bereit sich ernsthaft mit ADS auseinander zu setzen. Entweder wird es bagellisiert oder dramatisiert.
      Informationsangebote werden großspurig abgelehnt. Schließlich hätten sie täglich mit Kindern zu tun und eine umfassende pädagogische Ausbildung, die reiche schon um ADS zu erkennen. Tja, die Realität sind anders aus; die wenigen Lichtblicke die Lehrer haben, beziehen sich auf die Aktivität. Sprich; sie sehen das Zappeln oder das Träumen. Punkt. Schwierigkeiten in der Merkfähigkeit, Schwierigkeiten, das Gesagte umzusetzen, Schwierigkeiten die Hausaufgaben zu bewerkstellingen sind dann Erziehungsfehler. Damit hat es sich.
      50% der Kinder sollen auffällig sein?! Das kann ich nicht glauben. Ich glaube, wenn eine Klasse so unruhig ist, fehlt es der Lehrkraft an pädagogischen Fähigkeiten und dem Ausgleich eigener Defizite.
      The trick about life is to look it like easy
      Ist schon seltsam, daß in den Klassen meiner Söhne es Lehrer gibt, die das Chaos mit Leichtigkeit im Griff haben und die gleichen Kids anderen Lehrern auf der Nase rumtanzen!
      Unterm Strich : die Lehrer/innen, wo es klappt, sind konsequent und fackeln nicht lange - die anderen diskutieren endlos....
      " Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war. "
      Kinder sind doch einfach hyperaktiv, im vergleich zu erwachsenen (nicht-adhsler 8) ). das heisst noch lange nicht, dass sie alle adhs haben.

      Es kann auch ein Indiz für die schlechte pädagogische fähigkeit der betr. lehrerin sein. Es liegt ja auch in ihrer Verantwortung ein gewisses mass an ruhe und ordnung in die klasse zu bringen. Der verweis auf die "ach sovielen" ADHS Kinder ist doch bloss ne faule ausrede, um sich nicht mit der eigenen (möglichen) Inkompetenz auseinander zusetzen.

      ---> Die einfachste Regel der Welt: Die ander sind schuld... :evil:
      Wer, wenn ich schriee,
      hörte mich denn
      aus der Engel Ordnungen?

      Rainer Maria Rilke
      Zwischen meinem Sohn und seiner Klassenlehrerin gab es von Anfang an nur Probleme, weil sie überhaupt nicht mit ihm klar kam. Er wurde nach drei Wochen Schule als aggrssiv und verhaltensauffällig eingestuft und ich mit ihm zu Psychologen und Erziehungsberatern verwiesen.

      Versuche , mit der Lehrerin zu reden, verliefen im Nichts, sie verweigerte nach kurzer Zeit diese Gespräche. Fragen, wie sie denn im Unterricht mit seinen Auffälligkeiten umginge, beantwortete sie mit 'Gar nicht, das sei ihr zu viel'. Einmal rief sie mich zu nachtschlafener Zeit an, um mir mitzuteilen, sie würde meinen Sohn jetzt aufgeben, ihr sei alles egal, sie sei psychisch am Ende. Ein Gespräch wurde wieder abgelehnt.

      Um der Situation Herr zu werden, zieht diese Lehrerin Kinder auch an den Ohren, so dass mein Sohn einmal mit eingerissenem Ohrläppchen nach Hause kam.

      Zum Thema Satire: Als ich nach einem Gespräch beim Schulpsychologen fragte, wurde mir mitgeteilt, dass genau diese Lehrerin die Schulpsychologin sei... 8o

      Nun wechselt zum Eingang der dritten Klasse die Lehrerin, und ich hoffe so sehr, das es besser wird!

      Liebe Grüße

      Claudia
      Okay, jetzt habe ich mal wieder übers Thema hinausgeschossen :Dwas ich sagen wollte ist, es liegt auch daran, wie der Lehrer mit den Kindern umgeht und vor allem wie er sie wahrnimmt. Wenn er sich vor eine Klasse stellt und sagt, so ihr müßt jetzt alle funktionieren, dann kann es schon sein, dass das so nicht funktioniert.

      Aber deswegen haben doch nicht alle ADS!

      Sicher gibt es Vorgaben von daheim, wieviel Disziplin die Kinder kennen und so, wie weit sie im Sozialverhalten sind, aber wenn der Lehrer selbst keinen Plan hat, dann sind halt die Kinder krank bzw. ihre 'unfähigen' Eltern schuld!?

      Habe mir in den vergangenen 2 Jahren verdammt viele Gedanken zum Thema gemacht, bin immer wieder gestoppt worden vom fehlenden Interesse der Lehrerin.

      lg Claudia
      Um der Situation Herr zu werden, zieht diese Lehrerin Kinder auch an den Ohren, so dass mein Sohn einmal mit eingerissenem Ohrläppchen nach Hause kam.


      Ich find's unglaublich und absolut unerträglich, dass man im Rahmen einer Schulpflicht gezwungen wird seine Kinder in die Obhut solcher Leute zugeben. Lässt mich echt die Wände hoch gehen.

      Zum Thema Satire: Als ich nach einem Gespräch beim Schulpsychologen fragte, wurde mir mitgeteilt, dass genau diese Lehrerin die Schulpsychologin sei... geschockt


      Und trotz solcher Angebote wie Schulamt und Schulpsychologen kann man sich immer wieder nicht vernünftig dagegen wehren.

      Das ist schon keine Satire mehr, sondern eine düstere Tragigkomödie.
      Manche Dinge können einfach nicht oft genug gesagt werden, deswegen stehen sie jetzt auf T-Shirts! mO.omstyle
      Hi,

      also meine Erfahrungen sind, dass auch liebe Kinder beim Krach mitmachen, wenn die Lehrer sich nicht wehren. Beim nächsten Unterrichtsfach sind sie wieder ganz ruhig und mahnen die Störenfriede an.
      Also an 50% Hypies glaube ich auch nicht.
      In der Klasse meines Sohnes war damals noch ein Hypo.
      Aber alle anderen Kinder, die eventuell von zu Hause wenig Regeln mitbekommen haben als ADS´ler einzustufen finde ich etwas übertrieben. Meist kann man diese mit etwas Aufmerksamkeit und Lob zu braven Musterschülern machen. Aber das erfordert Einfühlungsvermögen und den Willen, dass Kind individuell zu betrachten.
      Schade das Pädagogen heute gar nicht mehr pädagogisch vorgehen. Meine Schwiemu ist das beste Beispiel. Wenn sie uns besuchen kommt, schreibt sie meinen Kindern sofort vor, was sie tun sollen, macht den TV aus und meckert rum. Klar, dass dann Proteste kommen.

      Grüße Jana
      mal ein ganz vorsichtiger einwand aus einem anderen blickwinkel:

      Vielleicht haben aber auch die eltern in den ersten 5-6 Lebensjahren der Kinder versagt?

      Psychologisch gesehen, ist der charakter eines kindes im 2. lj ausgeprägt, also wieso sollen die lehrer die verantwortung für etwas übernehmen, was vielleicht an den elterlichen (un)fähigkeiten liegen könnte?

      Der fernsehkonsum von kindern unter 6 Jahren ist in den letzten Jahren gestiegen, emotionale vernachlässigung ebenfalls, schon kleine kinder kennen den babysitter tv und pc - vielleicht also liegt es ja nicht immer an den lehrern?

      und: es gibt fähige und unfähige lehrer - die gab es schon immer und wird es immer geben.
      Ging doch eigentlich darum, dass diese Lehrperson 50 % der Kids als "hyperaktiv!" einsortiert hat.
      Dass heute die Kids sich kaum noch auswärts benehmen können, liegt größtenteils an der Erziehung!
      Klar, dass die Lehrer das nicht auffangen können!
      Grundproblem ist, dass die Kids kaum Grenzen gesetzt bekommen - ist ja auch anstrengend, sich mit dem nervigen Nachwuchs auseinanderzusetzen. Da gehören nur noch wenige zu den aussterbenden Spezies, die den Erziehungsauftrag ernst nehmen.
      Nur machen es sich manche Lehrer vielleicht auch zu einfach, indem sie stöhnend alles als hyperaktiv abstempeln, da ist dann die eigene Inkompetenz gleich geringer.
      Ich habe allerdings auch Lehrer kennengelernt, die das flott in den Griff bekommen haben!
      " Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war. "
      Vielleicht ist es auch grundsätzlich zu überdenken, ob man 30 Kinder gleichzeitig unterrichten kann.
      Dass man 30 Kinder zum Schweigen bringen kann, heißt nicht automatisch, dass man sie auch unterrichtet.

      Multikulti Berlin ist sicherlich ein anderes Pflaster, bei dem man sich fragen muss, ob man kulturellen Vorstellungen von Erziehung nachhelfen muss.

      Ich persönlich hab es immer wieder erlebt, dass manche Lehrer auch mit einem hypoaktiven Hans-guck-in-die-Luft nicht zurecht kommen und einen Hasstrip! fahren, weil er den Unterricht desinteressiert über sich ergehen ließ und die Arbeitsanweisungen verträumt hat.

      Je nach dem wie die sozialen Fähigkeiten des Lehrers! war, gab's große Probleme.

      Deswegen glaub ich das nicht mehr so recht, dass Kinder den Papagei machen, weil's sie von Zuhause nicht anders kennen und die armen Lehrer müssen das aushalten. Ich glaube viele Lehrer beeinflussen, selbst nicht unerheblich das Klima in einer Klasse, wenn es sich nicht gerade um eine Rütli-Schule handelt. Wobei da die Lösungsansätze auch wieder von der Schule ausgehen mussten und nicht von den Eltern und den Schülern.

      Auf der ehemaligen Schule meines Sohnes haben manche Lehrer immer in Superlativen gesprochen.
      "So schlimm war es noch nie! Ein Kind mit einer so schlimmen Konzentrationsschwäche hatte ich noch nie in meinem Unterricht."
      Und wenn ich dann gefragt hatte was er denn macht? Nach längerem Überlegen:
      "Wie er mich ansieht!"
      "Er guckt aus dem Fenster!"

      Mein entsetzter Blick, verursacht durch solche Elefanten in Mückengestalt, wurde missdeutet, als zustimmendes Entsetzten über das Verhalten meines Sohnes. Nachdem ich sie habe jammern lassen, ihrem Eigenlob zugestimmt habe, war es möglich über konkrete Lösungen nachzudenken. Und ich hab mich hinterher gefragt, ob ich es da wirklich mit einem Erwachsenen und einem Teenager zu tun hatte.
      Manche Dinge können einfach nicht oft genug gesagt werden, deswegen stehen sie jetzt auf T-Shirts! mO.omstyle

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „ach-später“ ()

      RE: 50% Hyperaktive in einer Klasse?

      Naja, Hyperaktivität und ADS sind nicht das gleiche. Die Quote an auffälligen Kindern erscheint mir sehr hoch und ich bin selbst Lehrer. Sie kann eigentlich nur zu Stande kommen, wenn die Schule von vielen Kindern mit massiven Erziehungsdefiziten besucht wird, denn auch die können eine Hyperaktivität zur Folge haben, oder zumindest etwas, das ein Lehrer dafür hält. Bei all dem darf man nicht vergessen, dass Lehrer keine Fachleute für das Thema ADS sind, viele haben bis heute keine Ahnung, was das eigentlich genau ist.
      @ flachlaender

      wie gut ist denn überhaupt die pädagogische Ausbildung der Lehrer ?
      Ich habe 3 Kinder (16,15 und 12), alle mittlerweile auf dem Gymnasium.
      Ich habe in der Grundschulzeit schon schlimme und entwürdigende(!) Sachen erlebt, die mir als genervte Mutter nie passieren würden!
      Die letzte Klassenlehrerin meiner Tochter (hat von Real aufs Gym gewechselt) war pädagogisch so `ne Null und man konnte schon von Mobbing gg. die Schüler reden und Inkonsequenz, daß man mich hier zu Hause "festbinden" mußte, damit ich ihr nicht mal meine Meinung sage!
      Zum Glück ist meine Tochter nur "dran gewachsen", weil sie zu Hause immer Zuhörer hatte und Unterstützung.
      Trotz oder gerade wegen ihrer Art, die Kinder fertigzumachen, hat die Klasse zusammengehalten. Es hätte auch anders kommen können!
      Ich habe mich mal mit einer Grundschullehrerin unterhalten, wie das denn so bei "Fortbildungen" läuft - sucht man sich da aus, welches Thema man belegen kann ? Schade, dass nicht ADS od. Hyperaktivität häufiger gewählt wird!
      " Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war. "
      @ ach-später

      bin mir nicht sicher, ob Du Dich auf meinen Beitrag beziehst- falls doch,
      wenn ich schreibe, dass die Lehrer das "in den Griff" bekommen, dann meine ich damit, dass sie es möglich machen, ihren Lehrauftrag zu erfüllen.
      Nicht zum Schweigen bringen ( ist natürlich eine gute Voraussetzung, um Unterricht machen zu können ).
      Wir haben auf unserem Gym Sportklassen, die extrem lebhaft sind, meine Jungs sind beide drin (der ADHS`ler, damit er nicht auffällt....nein, er sportelt natürlich auch).
      Es gibt da durchaus Lehrer mit einer "angeborenen Autorität" ( so sag`ich gerne), die lassen sich nicht auf der Nase rumtanzen.
      Die können das einfach, weil sie konsequent sind - warum muss man auch alles ausdiskutieren?
      Ich glaube fast, die Lehrer denken manchmal, dass Diskutieren die Lösung ist - eher brauchen die Kids Strukturen und Konsequenz ohne entwürdigt und untergebuttert zu werden. Das liegt wohl nicht jedem.....
      " Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war. "
      Im aktuellen spiegel hat es einen bericht über lehrer und so. ist noch ziemlich informativ. auch wie leicht unausgebildete personen zu einem lehrerposten kommen, ohne pädagogische ausbildung ohne einführung unterstützung oder kontrolle...
      Wer, wenn ich schriee,
      hörte mich denn
      aus der Engel Ordnungen?

      Rainer Maria Rilke