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"Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt."
Gotthold Ephraim Lessing

 

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Medikamente, ihre Nebenwirkungen und Rebound

Frage eines Users:

Ich bräuchte MPH, da Ich sonst das Abitur nicht schaffe. Ich kann nicht den roten Faden behalten und die Texte sprengen mir den Kopf...
Ich habe aber Angst vor den Nebenwirkungen vorallem Rebounds..., da Ich deine Reportagen gesehen habe und weiss, dass du das Medikament länger als ein Jahr einnimmst, hätte Ich gerne gewusst, ob du körperliche Schäden oder gesundheitliche Beschwerden durch MPH feststellen konntest...
Kannst du mir paar Tipps und Erfahrungsberichte geben ?

Meine Antwort:

Hallo Unbekannter!

Ich nehme Medikinet retard jetzt bereits 6 Jahre. (1-2 x 10 mg täglich).
Wie du dann sicher gelesen hast, habe ich an der Medikinet-Blindstudie in der Uniklinik Homburg teilgenommen und bin da mehrere Monate sehr gut durchgecheckt worden.
Auch jetzt checkt meine Mutter als meine Ärztin regelmäßig meine Blut- und Blutdruckwerte. Bisher war immer alles in Ordnung.

Ich persönlich sehe mich derzeit also fast als Langzeitstudie an. :-)
Tatsache ist - und das betone ich immer wieder - die Medikamente sind nicht ohne. Du spürst Nebenwirkungen je nach Körpergewicht. Zunächst war die Dosis zu hoch - ich war nervös und aggressiv. War die Dosis zu niedrig, merkt man gar nichts.
Jetzt - mit der richtigen Dosis habe ich tagsüber kaum Hunger, abends Heißhunger und muss sehr viel trinken und bin die ersten paar Minuten sehr aufgedreht. Manchmal zittern meine Hände und ich rede ohne Punkt und Komma, bis sich mein Körper beruhigt. (Ich bin ohne Medikamente Hypoaktiv)

Ich merke, dass 4-5 Stunden meine Aufmerksamkeit stärker ist, aber keinesfalls die ADS Symptome weg sind. Es ist eher so, als ob du bei Regen einen Scheibenwischer im Auto aktivierst. Du siehst klarer, aber die Straße musst du immer noch einhalten und auf die Kurven achten. Die guten (sonnigen Auto-) Tage werden häufiger, aber manchmal zieht trotzdem Nebel auf und du musst einfach akzeptieren, dass es nicht dein bester Tag ist.

Medikamente alleine werden dir also nicht helfen, sondern ein grundlegendes Verständnis für dich und deinen Körper. Um bei der Auto-Metapher zu bleiben: Du musst mitbekommen, dass dein Auto ins Strudeln gerät - wobei die Medikamente helfen können. Eine Verhaltenstherapie oder ein Selbstcoaching ist aber die Fahrschule, die dir beibringt erst Auto zu fahren.

Verstehst du, was ich meine?

Der Rebound ist mir sehr wohl bekannt. Dadurch dass ich ein retard Medikament nehme, ist er nicht so schlimm. Ich werde immer dazu angehalten öfters mal die Medikamente wegzulassen (Sonntags, im Urlaub oder wenn ich Blutspenden will). Ich bin an dem Tag dann erstmal sehr müde, extrem hungrig und meist sehr Tollpatschig. Dabei weiß ich aber nicht, wieviel ich einfach erwarte und es dadurch passiert, und wieviel tatsächlich der Rebound ausmacht.

Kennst du das Experiment, in dem Patienten 3 Tage eine Brille aufsetzen, die sie alles verkehrt herum sehen lassen? Es dauert 3 Tage bis sich das Gehirn an die Umstellung gewöhnt und sie alles richtig herum sehen. Ziehen sie die Brille dann wieder aus, sehen sie für 3 Tage wieder alles verkehrt herum. Ähnlich ist es mit den Medikamenten. Nach 3 Tagen stellt sich dein Körper wieder um.

Zumindest ist das alles meine Erfahrung.

LG Katja

 

 
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